Die US-Antidiskriminierungsbehörde EEOC ermittelt gegen Nike. Dem Sportartikelkonzern wird vorgeworfen, mit Diversitätsmaßnahmen weiße Mitarbeiter zu benachteiligen.
5. Februar 2026, 1:47 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, lip
Die US-Antidiskriminierungsbehörde EEOC hat Ermittlungen gegen den Sportartikelhersteller Nike wegen mutmaßlicher Benachteiligung weißer Mitarbeiter eingeleitet. In einem am Mittwoch eingereichten Gerichtsdokument wirft die Behörde dem Konzern vor, die Herausgabe von Daten zu verweigern. Die "Equal Employment Opportunity Commission" (EEOC) untersucht, ob Nike durch seine Programme für Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) gezielt weiße Angestellte und Bewerber diskriminiert hat. Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob diese Gruppe von Entlassungen überproportional betroffen war.
Die Vorwürfe wurden nicht von Nike-Mitarbeitern erhoben, die sich ungerecht behandelt fühlten, wie es bei Untersuchungen durch die EEOC üblicherweise der Fall ist. Die Ermittlungen gehen auf eine sogenannte "Commissioner's Charge" zurück, die die EEOC-Chefin Andrea Lucas im Mai 2024 eigenständig initiiert hatte. Die vom Trump-Vertrauten Stephen Miller gegründete Organisation America First Legal hatte bereits während der Amtszeit von Biden Beschwerden gegen mehrere Großkonzerne, darunter Nike, bei der EEOC eingereicht. Laut Axios hatte Lucas im Dezember weiße Männer, die Diskriminierung ausgesetzt seien, in einem Video auf X aufgefordert, sich an die Behörde zu wenden.
Trumps Politik gegen Diversitäts- und Inklusionsprogramme
Mit der Untersuchung verschärft die Regierung von Präsident Donald Trump ihr Vorgehen gegen DEI-Initiativen in der Wirtschaft. Die DEI-Standards für Diversität, Gerechtigkeit und Inklusion (Diversity, Equity, Inclusion – DEI) waren maßgeblich auf Betreiben des damaligen Präsidenten Barack Obama in die US-Bundesverwaltung eingeführt worden. Unter Präsident Joe Biden wurden sie ab 2021 stark ausgeweitet. Auch viele Unternehmen bekannten sich zu DEI und passten firmeninterne Abläufe entsprechend an. Wichtigstes erklärtes Ziel der DEI-Politik ist die Chancengleichheit gesellschaftlicher Minderheiten durch Integration und Gleichberechtigung.
Kritiker solcher Programme argumentieren, sie untergrüben das Leistungsprinzip und führten zu einer "umgekehrten Diskriminierung" von Weißen und Männern. EEOC-Chefin Andrea Lucas hatte bereits erklärt, viele gängige DEI-Programme könnten rechtswidrig sein. US-Medienberichten zufolge ist diese nun eine der ersten großen Untersuchungen zu dem Thema, die von der Behörde angekündigt wurden.
An seinem ersten Tag im Amt hatte US-Präsident Donald Trump eine Verordnung unterzeichnet, die Bundesbehörden anwies, alle "gleichstellungsbezogenen" Zuschüsse oder Verträge zu kündigen. Die Regierung hatte auch Universitäten aufgefordert, Diversitätsinitiativen zu streichen, da ihnen sonst der Verlust von Bundesmitteln droht.
Nike spricht von "überraschender Eskalation"
Nike habe sich bislang geweigert, einer umfassenden Anordnung nachzukommen und Informationen über die ethnische Zusammensetzung der Belegschaft sowie Teilnehmerlisten von Förderprogrammen herauszugeben, hieß es in dem Antrag an ein Bundesgericht in St. Louis. Die Behörde benötige diese Daten, um festzustellen, ob Gesetzesverstöße vorlägen.
Nike bezeichnete die Eingabe als "überraschende und ungewöhnliche Eskalation". Das Unternehmen kooperiere mit der EEOC und habe ihr Tausende Seiten an Unterlagen zur Verfügung gestellt, teilte der Sportartikelhersteller mit. Man setze sich für faire und rechtmäßige Beschäftigungspraktiken ein und befolge alle geltenden Gesetze, auch solche gegen Diskriminierung. Die eigenen Programme und Praktiken stünden im Einklang mit diesen Verpflichtungen.

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