Champions-League-Erfolge: Oh Gott, ist mir der FC Bayern München auf einmal sympathisch?

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Grüß Gott. Sie sind wohl entweder hier, weil Sie FC-Bayern-Fan sind. Oder weil Sie es nicht sind.

Bei mir war bislang Letzteres der Fall. Dann aber musste ich mir eingestehen, bei den beiden jüngst ausgetragenen, höchst rasanten Champions-League-Viertelfinals der Bayern gegen Real Madrid mitgefiebert zu haben. Ich wollte, dass der FC Bayern gewinnt. Und er tat es, siegte in einem mitreißenden Hinspiel  2:1, in einem noch mitreißenderen Rückspiel  4:3, wobei er dreimal einen Rückstand ausglich. Champions-League-Duelle für die Geschichtsbücher.

Und Wendepunkte meiner Fußballfan-Biografie?

In vielen Haushalten des Landes wachsen Menschen mit einer grundsoliden Abneigung gegenüber dem FC Bayern auf. So war es auch bei mir. Ich durfte fast jeden Verein gut finden, aber doch bitte nicht die Bayern. So emotional wie wir bei einem Turnier den Fernseher anbrüllen, so verbohrt können wir uns über »die Bayern« auslassen. Kommt ja auch meistens gut an, genauso, wie wenn man über die Bahn lästert.

Eigentlich mit guten Gründen gegen den FCB

Für Abneigung gegen den FC Bayern gibt es schließlich gute Gründe. Im Verlieren ist der Verein nicht besonders gut. Er hat in Deutschland fast schon eine Art Erfolgs-Monopol eingerichtet. Mehr Ausgeglichenheit wäre spannender, sympathischer, mitreißender. Eine Allmacht ist schlecht für den Betrieb. Und eine finanzielle Übermacht ist langweilig für den Wettbewerb.

Und dennoch ertappe ich mich selbst: Ich fiebere mit den Münchnern mit, zumindest international. Der FC Bayern als das deutsche Team in Europa, als Aushängeschild des hiesigen Fußballs. Ich spüre meine Begeisterung und bin darauf nicht stolz. Dass die Bayern auf mich inzwischen sympathisch wirken, mag auch damit zusammenhängen, dass sich das große Madrid am Mittwoch »wie ein kleines Kind« aufführte, wie der britische »Guardian« es formulierte.

Vielleicht spielt aber auch eine Art verkappter Patriotismus mit hinein. Man kennt es von Europa- und Weltmeisterschaften. Plötzlich sind alle Fans. Auch bei internationalen Turnieren ignorieren Fans im Zweifel gut und gern moralische Gewissensbisse.

Apropos: In weniger als acht Wochen startet die Fußball-Weltmeisterschaft der Männer. Diese steht zu Recht massiv in der Kritik. Doch mit dem Gefühl der Euphorie aus den Champions-League-Spielen klappt das schon mit der Vorfreude. Am Ende geht es doch auch um Fußball und ein wenig Eskapismus.

Und das finde ich, trotz Fifa und einem Turnier in Trumps USA, eine schöne Aussicht, gerade bei dieser Weltlage.

Servus also, auf die Leidenschaft. FC Bayern, für immer – also zumindest kurz, für den Moment – mein Verein. Hoffentlich werde ich jetzt nicht enterbt.

Mehr Hintergründe zu dem 4:3-Spektakel finden Sie hier .

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