Gestern Morgen bin ich zu Hause angekommen. Es war etwa acht Uhr, als ich in die Stadt kam. Sie war sauber und ruhig, der Himmel blau mit weichen, vollen Wolken. Teheran liegt am Fuß des Damavand und hat ein mildes, fast bergiges Klima, besonders in den ersten beiden Frühlingsmonaten, wenn die Luft noch klar ist und es nach Regen, Erde und frischen Zweigen riecht. Die Bäume trugen junge grüne Knospen, die Luft war kühl.
Als ich die Tür öffnete, schlief meine Mitbewohnerin Sh. noch, und meine Katze Mi. ließ sich zunächst nicht blicken. Sh. machte Tee, ich suchte nach Mi. Sie hatte sich hinten im Schrank versteckt, an einer Stelle, die ich kaum erreichen konnte. Ich ließ sie in Ruhe. Wir tranken Tee, aßen Schokolade und sprachen über alles.
Nach etwa einer Stunde kam Mi. aus ihrem Versteck, roch an meinem Finger. Ich nahm sie in den Arm. Dann ging sie an ihren Platz am Fenster zurück. Mit leuchtenden Augen verfolgte sie die Schwalben, die in Kreisen durch den Himmel flogen. Auf dem Weg nach Hause hatte ich auf die Gebäude geschaut, auf die Brücken, über die wir fuhren. Nur die Fenster waren anders: Einige waren mit Klebeband kreuzweise gesichert. Ich öffnete meinen Koffer, gab Sh. das weiße T-Shirt, das ich ihr mitgebracht hatte. Ich selbst trug auch ein weißes, eines von O., meinem türkischen Freund.
Warum fühlt sich Teheran nicht wie eine Stadt im Krieg an?
Sh. sagte, es sei, als hätte ich diese weißen T-Shirts und die Nachricht vom Waffenstillstand mit nach Hause gebracht. Sie hatte ihre Haare kurz bis zum Nacken geschnitten, wirkte verändert, reifer. In meiner Abwesenheit war sie meiner Freundin M. näher gekommen, zwischen ihnen war eine stille, schöne Vertrautheit entstanden. Ich fragte sie, warum Teheran sich nicht wie eine Stadt im Krieg anfühle.
Es war Frieden, auch wenn nachts die Raketen zu hören waren. Sh. ging abends zur Arbeit. Die Nacht war ruhig. Ich stand am Fenster und sah den Raketen zu, sah die Menschen auf der Straße, wie sie ihre Schritte beschleunigten. Ein kühler Wind wehte. M. lud mich zu sich ein. Ich nahm die Geschenke für sie und ihren Bruder N. mit. Sie fragte mich nach meiner Reise von Izmir nach Teheran.
Mein Flug hatte einen dreistündigen Aufenthalt in Ankara. Gegen zwei Uhr nachmittags konnte ich für einen Moment das Internet eines Mitreisenden nutzen. M. und Sh. aus Teheran sowie meine deutsche Freundin A. aus Berlin hatten mir eine Warnung geschickt: Gefahr von Angriffen auf Bahnstrecken bis neun Uhr abends. Mein Zug sollte um neun fahren. Ich spürte, wie mein Gesicht heiß wurde. Ich sprach mit dir und sagte mir: Ich fahre nach der Warnung los.
Ich flog weiter nach Van. Beim Aussteigen hörte ich zwei Iraner sagen, dass der Zug nach Teheran gestrichen sei, weil Teile der Strecke und der Straße zwischen Tabriz und Qazvin bombardiert worden waren. Wir beschlossen, gemeinsam weiterzureisen. Mit dem Taxi fuhren wir ins Zentrum, von dort mit einem Lastwagen bis zur Grenze Razi.
Eineinhalb Stunden durch verschneite Berge
Eineinhalb Stunden durch verschneite Berge, während wir die Nachrichten überprüften. Einer der Männer war etwa fünfzig, ruhig, seine Frau rief ständig an und sagte, Trump habe angekündigt, Iran noch in dieser Nacht zu zerstören, er solle zurückkommen. Seine Familie war in Zypern, er selbst musste nach Teheran zur Arbeit. Der andere war jünger, nüchterner.
Die Grenze war ruhig. Wir kamen fast ohne Probleme durch. Dann warteten wir eine Stunde auf ein Auto nach Teheran. Es war kalt, feiner Eisregen peitschte uns ins Gesicht. Die Fahrer sagten, der Flughafen von Khoy sei getroffen worden, die Straße teilweise zerstört – vielleicht übertrieben, um mehr Geld zu verlangen. Eine junge Frau schloss sich uns an. Sie verabschiedete sich lange von einem älteren Mann, sie hielten sich fest, er weinte. Sie hatte einen Strauß Rosen und fünf Koffer bei sich. Wir mussten zwei Autos nehmen, sie mit den Koffern und dem ruhigen Mann, ich mit dem anderen.
Hinter Khoy rief die Frau des jüngeren Mannes aus Zypern an: Die Grenze sei inzwischen geschlossen worden, sie hätten nahe Razi angegriffen. Wir waren schon unterwegs. Gegen acht Uhr morgens, kurz nachdem wir von der zweiwöchigen Waffenruhe gehört hatten, erreichten wir Teheran. Heute Abend habe ich ein sehr teures VPN fürs Internet gefunden. Es reicht, um gelegentlich das Nötigste zu tun.
Hier bin ich anders. Hier habe ich keine Angst, weil ich mitten in der Szene bin, in meiner eigenen Wohnung in Teheran. Von hier aus fühlt sich alles anders an. Eine andere Perspektive als draußen, außerhalb Irans. Wir leben, und der Krieg ist da – aber dort draußen war mein Kopf damit beschäftigt, sich dieses Leben aus der Ferne vorzustellen.
Nona ist ein Pseudonym. Unter ihm schickt eine iranische Autorin jede Woche einen Brief, in dem sie aus ihrem Leben von und mit dem Irankrieg berichtet.
Aus dem Persischen von Mehrdad Zaeri.

vor 2 Stunden
1










English (US) ·