Bitkom-Bildungskonferenz: Digitale Bildung, Souveränität und eine Bundeszentrale

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Zum Auftakt der Bitkom-Bildungskonferenz am 02. April hat Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder mehr Investitionen in Bildung und digitale Souveränität gefordert. Während in Berlin hinter verschlossenen Türen in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD auch über die Themen Bildung und Digitalisierung verhandelt wird, appelliert der Branchenverband an die Verhandlungsführer, nicht bei diesen Themen zu sparen.

Rohleder erklärte, dass bekannt sei, dass Friedrich Merz nicht "der größte Fan des Digitalpakts Schule" sei. Es sei aber wichtig, dass ausreichend finanzielle Mittel für Infrastruktur, Endgeräte und Angebote für Aus- und Weiterbildung für Lehrkräfte und didaktisch gut gemachte Inhalte vorhanden sind. Deutsche Schulen müssten auf die Höhe der Zeit gebracht werden.

Der Verband schaue aber nicht nur auf die schulische Bildung, sondern die komplette Bildungskette. Es gehe also schon bei der frühkindlichen Bildung los und reiche bis zu Bildungsangeboten für Erwachsene, die ihre Bildungskarriere bereits abgeschlossen haben. Auch diese müssten die Möglichkeit erhalten, digitale Kompetenzen aufzubauen. Um dies zu erreichen, wirbt der Verband zum einen für einen Digitalpakt für ganz Deutschland – abseits vom Digitalpakt, der bisher nur für Schulen gedacht ist – und für eine Bundeszentrale für digitale Bildung. Solch ein Angebot könne über bereits bestehende Länder- und Bundesangebote hinauswirken.

Wichtig sei die Steigerung von digitalen Kompetenzen in der gesamten Bevölkerung, um unter anderem demokratiefeindlichen Akteuren etwas entgegensetzen zu können und auch um eine digitale Souveränität in Deutschland und Europa zu erreichen. In den sozialen Netzwerken gebe es einen "regelrechten Kulturkampf" und Menschen müssten in die Lage gebracht werden, dort geteilten "Schund" zu erkennen, sagte Rohleder. In der derzeitigen nationalen und internationalen Lage gehe es um wichtige Richtungsentscheidungen, die bei der Regierungsbildung Beachtung finden müssten. Bezüglich der Schulen gehe es auf der Bildungskonferenz unter anderem auch um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, da diese zukünftig eine herausragend große Rolle spielen werde.

Die Keynote der Konferenz hielt die frühere Bildungsministerin Annette Schavan. Sie sprach sich dafür aus, nach international angelegten Vergleichsstudien in den vergangenen Jahrzehnten nun genauer in die Regionen und Kommunen Deutschlands zu schauen, um die Bedarfe in Schulen besser zu verstehen. Dies könne die Qualität der Schulen vor Ort verbessern. Kritisch zeigte sie sich gegenüber dem Verhalten der Bundesländer, die Investitionsmittel in Bildung ohne größere Einflussnahme des Bundes zu verwenden und weiterhin verwenden zu wollen. Auch hier empfahl sie, mehr auf die Kommunen zu schauen und den Föderalismus der Länder im Bildungsbereich dadurch aufzubrechen, dass Kommunen mehr Entscheidungsgewalt erhalten. Die Niederlande seien ein gutes Beispiel für ein solches Modell. Der Bund müsse außerdem dafür sorgen, dass die Bildungsstandards in Deutschland vergleichbarer würden, damit Umzüge zwischen Bundesländern für Familien einfacher möglich seien. Zudem forderte Schavan, dass in der Bildungspolitik mehr für Chancengerechtigkeit, die Anerkennung von Internationalität in Schulen und mehr Demokratiebildung getan werde.

Die Bitkom-Bildungskonferenz findet am 2. und 3. April 2025 online statt. Die Veranstaltung kann kostenlos verfolgt werden, beispielsweise auf Youtube. Die heise Make ist in diesem Jahr offizieller Partner der Konferenz. Make-Chefredakteur Daniel Bachfeld leitet einen Workshop.

(kbe)

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