„Alles lebensgefährlich – außer Autofahren“: Glätte, Stürze, Stillstand – und der Ärger wächst weiter

vor 17 Stunden 1

Nutzer Freelancede ist sauer: „Ich laufe seit Tagen nur noch auf der Straße – Gehsteigbenutzung unmöglich“. Was wie eine Übertreibung klingt, ist für viele Berlinerinnen und Berliner bittere Realität. „Hier ist alles außer Autofahren lebensgefährlich“, schildert Leser Vivaldi seine Eindrücke. Andere berichten von Stürzen auf dem Weg zur Arbeit. „Muss sich immer erst jemand den Hals brechen, bis irgendjemand seinen Verpflichtungen nachkommt?“, fragt MacMuc nach einem Sturz auf spiegelglattem Eis.

Eisregen, Dauerfrost und Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt haben große Teile der Stadt in eine gefährliche Winterlage versetzt – besonders für Menschen zu Fuß, mit dem Rad oder mit eingeschränkter Mobilität.

Während der Autoverkehr auf den Hauptstraßen meist funktioniert, bleiben viele Gehwege, Nebenstraßen und Haltestellen glatt und unpassierbar. Der Senat streitet über Ausnahmen beim Streusalz und verweist auf geteilte Zuständigkeiten – aus Sicht vieler Betroffener zu spät und zu zögerlich.

Unsere Leserinnen und Leser reagieren mit Unmut, Sorge und Frustration. Sie berichten von Verletzungen, riskanten Umwegen über die Fahrbahn und dem Gefühl, im Winter auf sich allein gestellt zu sein. Zugleich fordern sie Konsequenzen, mehr Kontrollen – und schlagen konkrete Lösungen vor, wie Berlin mit Eis und Glätte künftig besser umgehen könnte.


Lesen Sie hier eine redaktionelle Auswahl von Stimmen aus der Tagesspiegel-Community:

Vivaldi
Ich war letzte Woche in Göteborg. Erst viel Schnee, dann so ein Wetter wie hier: feucht und Frost. Alle Straßen waren geräumt. Alle Fußwege waren eis- und schneefrei. Alle Radwege waren geräumt. Entsprechend viele Leute waren mit dem Rad unterwegs.
Hier in Berlin ist derzeit alles außer Autofahren lebensgefährlich. Das ist kein Zufall. Das ist inakzeptabel.


MacMuc
Da Bürste und Besen gegen das Glatteis nicht helfen, müssen die Gehwege also gründlich gestreut oder freigehackt werden.
Eisbildungen, denen nicht ausreichend durch Streuen entgegengewirkt werden kann, sind zu beseitigen. Beides ist scheinbar noch nicht bei den Zuständigen angekommen.

Eine Frau, die mir aufhelfen wollte, rutschte auch aus und lag dann neben mir.

Berichtet Tagesspiegel-Nutzer/in MacMuc

Mich hat es heute Morgen auf dem Weg vom U/S Bahnhof Jungfernheide zum Bus auf einem spiegelglatten Eispanzer hingelegt. Eine Frau die mir aufhelfen wollte rutschte auch aus und lag dann neben mir. Muss sich immer erst jemand den Hals brechen bis in dieser bräsigen Stadt irgendjemand seinen Verpflichtungen nachkommt?


Angel01
Wenn es wirklich am Straßenreinigungsgesetz liegt, dass die Gehwege nicht vom Eis befreit werden, muss das sofort geändert werden. Wir sind gerade im Allgäu. Hier ist alles dick verschneit, aber natürlich sind alle Gehwege sicher begehbar.

Es gibt in Berlin keinen härteren Winter als sonst- oder als anderswo.

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in Angel01

Auf der Durchreise waren wir in einer Kleinstadt in Nordbayern. Auch dort lag ungleich mehr Schnee als in Berlin, und wärmer war es auch nicht. Trotzdem lief man ganz selbstverständlich über schnee- und eisfreie Gehwege. Es gibt in Berlin keinen härteren Winter als sonst- oder als anderswo. Man kriegt nur die Gehwegreinigung nicht auf die Kette.


Konrad
Diese Handlungsunfähigkeit des Berliner Senats ist für Berlin als deutsche Hauptstadt einfach nur peinlich – in jeder Beziehung.
Anstelle hochtrabender Zukunftspläne sollte man erst einmal die aktuellen Anforderungen in kritischen Situationen bewältigen.


Kuno
Hier im südlichen Treptow ist seit Jahresbeginn kaum geräumt worden. Am 04.01. bin ich wegen Glätte gestürzt, seitdem wurde auch danach immer nur spärlich Splitt gestreut, der sich schnell eingegraben hat und festfror. Ein ganzer Monat ohne Räumung, bis auf die Hauptstraßen. Gehwege, Haltestellen, Nebenstraßen – überwiegend glatt. Räumpflicht scheint ein Fremdwort zu sein.



Stadtlandmensch
Es gibt gänzlich unbedeutende Nebenstraßen in Charlottenburg, wo die Straße (aber nicht die Gehwege!) auch am Wochenende teils mehrfach täglich gepökelt wird. Heute gibt es für Autos täglich Salz auf allen Hauptstraßen – und dauerhaftes Glatteis für Fußgänger.

...aber bitte zentral durch die BSR und ohne Salz.

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in Stadtlandmensch

Rechtzeitiges Räumen und ausreichend Splitt bzw. Sand könnten auch die Gehwege sicher machen – aber bitte zentral durch die BSR und ohne Salz.


PMcB
Ich meckere ja auch gerne, hier aber mal eine Idee: Aus Fehlern lernen und es in der Zukunft besser machen! Neuorganisation des Winterdienstes in Berlin: Die Stadt übernimmt die Organisation und schreibt Block- bzw. Straßenzugweise die Arbeiten aus.

Jeder schiebt die Schuld auf den anderen.

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in PMcB

Die Firmen können dann hocheffizient mit Maschinen ganze Straßen abfahren. So geht es schneller UND billiger UND besser. Die heutige Organisation ist ziemlich gaga und ineffizient. Jeder schiebt die Schuld auf den anderen.


Melba
Das Problem ist doch nicht, was gestreut wird, sondern dass überhaupt etwas gemacht wird. In unserer Wohnanlage wird ausreichend Granulat gestreut. Vor anderen Häusern findet gar kein Winterdienst statt. Dort ist es spiegelglatt. Den Einsatz von Salz sehe ich auch als Hundehalterin sehr kritisch.


Botten
Es gibt in fast jeder Straße vor einigen Häusern perfekt geräumte Gehwege. Das zeigt, dass es geht. Viele Anrainer kommen ihrer Pflicht nicht nach – meist die beauftragten Räumdienste. Warum hört man so wenig von konsequenter Ahndung der Regelverstöße?


Es zeigt auf erschütternd traurige Weise den Stand der Verkehrswende in dieser Stadt.

Meint Tagesspiegel-Nutzer/in Jannibunni

Jannibunni
Das praktisch alle Straßen aber auch praktisch keine Fußwege eisfrei sind, ist ein handfester Skandal. Und es zeigt auf erschütternd traurige Weise den Stand der Verkehrswende in dieser Stadt.


W.P.
Das ist keine Ausnahmesituation, das ist Winter. Nur mit dem Unterschied, dass Hauseigentümer früher ihren Verpflichtungen nachkamen und Gehwege Schnee- und eisfrei hielten. Bei Nichteinhaltung gab es Strafen. Strafen würde es heute auch noch geben wenn, ja wenn man bei den Ordnungsämtern konsequent die Straßen abfahren und die Gehwege kontrollieren würde.

Es verlangt niemand, dass am Tage eines Eisregens alles beseitigt ist.

Meint Tagesspiegel-Nutzer W.P.

Aber warum geschieht es nicht? Es verlangt niemand, dass am Tage eines Eisregens alles beseitigt ist. Wenn jedoch fast eine Woche später die Gehwege noch immer Schlitterbahnen sind, so ist das absolut inakzeptabel.


Freelancede
Streusalz jetzt! Ich laufe seit Tagen nur noch auf der Straße – Gehsteigbenutzung unmöglich. Und die Verantwortlichen wollen sich vielleicht am 12.2. entscheiden. Berlin, seine Verwaltung, seine gewählten Senatsmitglieder: eine Bankrotterklärung.

Streut Salz, rettet eure Gesundheit...

Meint Tagesspiegel-Nutzer Freelancede

Keine notwendige Reaktion auf einen Notstand. Streut Salz, rettet eure Gesundheit, und sollen die Behörden Bußgeldbescheide verschicken – ALLE Krankenhausrechnungen auf ihre Schreibtische. Und noch wichtiger: Wählt bei nächster Gelegenheit die Verantwortlichen ab.

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