Achtelfinal-Hinspiel der Champions League: Bayer Leverkusen verspielt Führung gegen FC Arsenal

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Ihre eigene Medizin: Es gibt Fußballclubs, die in England jenseits der eigenen Anhängerschaft größere Sympathien erfahren als der FC Arsenal. Die Gunners sind Tabellenführer, steuern womöglich auf ihre erste Meisterschaft seit 2004 zu. Doch die zauberhaften Kombinationen der Arsène-Wenger-Ära sind unter Erfolgscoach Mikel Arteta kühler Effizienz gewichen: Kaum Gegentreffer, viele Standardtore.

 malochen und ma einlochen

Torschütze Robert Andrich: malochen und ma einlochen

Foto: Thilo Schmuelgen / REUTERS

So holte Arsenal auch in der Champions League bislang acht Siege aus acht Spielen – bis Robert Andrich kam. Bayer Leverkusens Kaputtmacher im Karriereherbst holte sich schon nach zwei Minuten Gelb für eine Ringkampfeinlage gegen Viktor Gyökeres, schraubte sich später nach einem Grimaldo-Eckball am zweiten Pfosten in die Luft und köpfte das Leverkusener Führungstor (46. Minute). Eine Performance, die zwar nicht zum Sieg reichen sollte, die aber gewiss auch einen Arteta verzückt hätte.

Das Ergebnis: 1:1 (0:0) bei Bayer Leverkusen: Nicht nur im SPIEGEL-Ranking war der FC Arsenal als Titelfavorit gehandelt worden, doch der Bundesliga-Sechste hält die Tür zum Viertelfinale der Königsklasse weiter einen Spaltbreit auf. Hier geht es zum Spielbericht.

El Invincibelico: Arsenal und Leverkusen eint eine beeindruckende Statistik. Sowohl die Gunners als auch die Werkself haben es in der heimischen Liga jeweils als einziger Club geschafft, eine komplette Saison ohne Niederlage zu überstehen. Arsenal gelang das Kunststück 2004 mit Stars wie Thierry Henry, die Leverkusener Invincibles holten sich die makellose Meisterschale im Frühjahr 2024 ab.

Ein Schraubstock namens Arsenal: Im Jahr 2026 wäre Vergleichbares vor allem den Engländern zuzutrauen. In der ersten Hälfte gab es seitens Arsenal zwar kein Chancenfeuerwerk, aber immerhin einen Lattenkracher durch Gabriel Martinelli (19.), während Leverkusen sich nach vorn kaum entfalten konnte. Spielmacher Ibrahim Maza stand schon 30 Meter vor dem Arsenal-Tor stets jemand auf den Füßen, Stoßstürmer Christian Kofane sah sich nicht selten fünf (!) Gegenspielern auf einmal gegenüber. Die Gunners waren nicht gekommen, um Leverkusen Luft zum Atmen zu lassen.

Einstudiert: Allerdings hatte Bayer-Trainer Kasper Hjulmand offenbar einen Trick 17 mit seiner Elf erprobt. Direkt nach dem Anstoß zur zweiten Spielhälfte startete Maza in die Tiefe, bekam den Ball und setzte Kofane in Szene. Der spielte raus auf links zu Alejandro Grimaldo, dessen Flanke Martin Terriers Stirn fand. Den Kopfball des Franzosen lenkte Torhüter David Raya über die Latte – zum Eckball, den Andrich für die Führung nutzen sollte (46.).

Foul oder nicht Foul? Minuten von der Sensation entfernt ereilte Bayer doch noch der späte Schock: Noni Madueke war vom rechten Flügel in den Strafraum eingedrungen, Malik Tillman rutschte etwas unbeholfen in den Außenstürmer hinein und touchierte ihn offenbar leicht. Schiedsrichter Halil Umut Meler reichte das für einen Elfmeterpfiff. In der Nachbetrachtung war sich die Bayer-Defensive etwas uneins: »Ich weiß nicht, ob er fraglich war, der Elfmeter«, sagte Torhüter Janis Blaswich. Robert Andrich hatte eine eindeutige Meinung: »Ich weiß nicht, wie man da nicht sagen kann: nimm es bitte zurück. Das reicht doch nicht!«

Noni Madueke holte den Elfmeter für Arsenal raus

Noni Madueke holte den Elfmeter für Arsenal raus

Foto: Martin Meissner / AP

Kai macht 'ne Kiste: Von der Jugend bis in den Profibereich spielte Kai Havertz für Bayer Leverkusen, reifte zum Bundesliga-Shootingstar. Viele Wiedersehen hatte die Zeit bei Chelsea und Arsenal seitdem nicht zu bieten, in der 75. Minute wurde der DFB-Stürmer dann in seinem alten Wohnzimmer eingewechselt – und schob den Elfmeter ins Tor (89.). »Ich bin froh, dass ich angetreten bin, ich bin froh, dass ich getroffen habe. Es tut mir leid für die Leverkusener, aber das ist Fußball«, sagte Havertz nach Abpfiff. Und, zum altbekannten Strafraum, in dem er zum Elfmeter antreten durfte: »Ich kenne die Entfernung.« Irgendwo steckt sie ja auch im Namen.

Es wird nicht leichter: Als »drei Bretter hintereinander« betitelte Andrich schließlich die Bayer-Woche. Am Samstag (15.30 Uhr) folgt nämlich das Bundesliga-Heimspiel gegen Bayern München, ein doch arg anspruchsvolles Warm-up für das Achtelfinal-Rückspiel kommenden Dienstag (21 Uhr) in London.

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