Bundesweit ließe sich die Hälfte aller Klinikaufenthalte vermeiden. Das ist das Ergebnis einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK, vorgestellt im „Krankenhaus-Report 2026“. Der AOK zufolge wären von den 15,2 Millionen Krankenhausfällen im Jahr 2024 rund 8,6 Millionen ambulant behandelbar gewesen, also ohne stationären Aufenthalt.
Deutschlands größte Krankenkasse schätzt, dass 42 Prozent der Tage in einem Klinikbett und 39 Prozent der Krankenhauskosten gespart werden könnten. Innere Medizin und allgemeine Chirurgie seien die Felder mit dem größten Potenzial zu mehr ambulanten Eingriffen. Dies beträfe etwa Operationen wegen vergrößerter Mandeln oder zur Entfernung der Gallenblase.
Deutschland verfügt statistisch über fast 7,5 Klinikbetten pro 1000 Einwohner. EU-weit beträgt die Quote nur fünf Betten. Bestimmte stationäre Eingriffe werden von den Krankenkassen so vergütet, dass für die Kliniken nach Abzug der Kosten ein Überschuss bleibt. Die Krankenhäuser konkurrieren um solche Fälle, die über Pauschalen abgerechnet werden. Mehr als sieben Tage verweilen stationäre Patienten hierzulande im Schnitt in Kliniken, in der EU sind weniger als sechs Tage üblich.
Die noch vom früheren Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) initiierte Krankenhausreform zielte darauf, Synergien und Spezialisierung im Gesundheitswesen zu fördern. Kleinere Krankenhäuser würden demnach tendenziell schließen oder mit größeren fusionieren müssen.
Die amtierende Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat die Reform überarbeitet; an einigen Stellen wurden Ausnahmen zugelassen, der Prozess entschleunigt. Die Krankenkassen dringen darauf, kostspielige stationäre Aufenthalte zu vermeiden. Sie fürchten, die Reform würde verwässert.
Das Ambulantisierungspotenzial ist laut AOK regional verschieden: von 53 Prozent in Bremen bis zu 58 Prozent in Nordrhein-Westfalen.
Für Berlin weist die Modellrechnung aus, dass von 605.000 stationären Krankenhausfällen im Jahr 2024 circa 325.000 Fälle ein „ambulantes oder vermeidbares Potenzial“ gehabt hätten, also 54 Prozent. Davon wären 251.000 Behandlungen ambulant, also mitunter in Praxen niedergelassener Ärzte, möglich gewesen; 74.000 Fälle hätten der AOK zufolge durch bessere Versorgung im Vorfeld, etwa in der Altenpflege, vermieden werden können.

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