Wassersprudler im Test: SodaStream, Brita und Mitte im Vergleich

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Präsentation von Wassersprudlern

Präsentation von Wassersprudlern

Foto: Arne Dedert / dpa

Dieser Testbericht erschien erstmals am 8. Mai 2022. Wir haben ein neues Produkt getestet und den Text aktualisiert.

Wenn man im Fragebogen für deutsche Teilzeit-Inselbewohner des »Mallorca Magazins« die Antworten auf »Was braucht Mallorca am dringendsten?« vergleicht, kommt mit weitem Abstand als häufigste Nennung: »Ein Pfandsystem für Wasser und andere Getränke«. Das nämlich gibt es auf den Balearen trotz eines auch dort langsam zunehmenden Umweltbewusstseins nur für die Gastronomie. Privathaushalte werden zwar von den Stadtwerken angehalten, das Wasser aus dem Hahn zu trinken. Doch das kommt meist in derart unterirdischer Qualität oder mit kaum zu ertragendem Chlorgehalt ins Glas, dass die gelben Tonnen permanent überquellen von den entsorgten Einwegplastik-Wasserflaschen aus dem Supermarkt.

Wohlhabende Finca-Residenten lassen sich sündhaft teure Umkehr-Osmose-Anlagen in ihre Keller bauen, während Otto-Normal-Pendler versuchen, das Wasser mit Aktivkohlefiltern wenigstens zum Nudelkochen aufzubereiten. Mein erster Anlauf, das Nass mithilfe eines Kohlendioxidsprudlers (siehe unten) zu halbwegs erträglichem Blubberwasser aufzupumpen, scheiterte trotz guten Willens am fiesen Basisaroma des Leitungswassers. Die anderen Sprudler in diesem Vergleich wurden daher mit dem bewährt hochwertigen, im Bundesdurchschnitt angenehm weichen Wasser getestet, das in Hamburg aus dem Hahn fließt. Bei einer Umfrage gab im Jahr 2019 ein Drittel der Befragten in Deutschland an, ein solches Gerät zu benutzen .

Foto: Sodastream

Für den neuen Enso-Sprudler hat sich Marktführer SodaStream mit dem für seinen minimalistischen Stil bekannten japanischen Designer Naoto Fukasawa zusammengetan. Das System steht trotz schmalem Fuß felsenfest und passt in allen drei Farbvarianten – Edelstahl (von uns getestet), Mattschwarz und Sandfarben – gut zu anderem hochpreisigem Küchenzubehör von Marken wie Alessi, SMEG, Philippe Starck, Bodum und Eva Solo. Die Flasche hängt offen im markanten Galgensystem. So kann man zusehen, wie das CO₂ ins Wasser geblasen wird. Das geschieht angenehm leise und ist wegen der offenen Bauweise auch hygienisch, weil sich nirgends Brackwasser sammeln kann.

 Den Blasen beim Blubbern zusehen

Sodastream Enso: Den Blasen beim Blubbern zusehen

Foto: Peter Wagner / DER SPIEGEL

Der Enso wird wahlweise mit einer oder drei Kunststofflaschen (spülmaschinengeeignet und BPA-frei) geliefert. Anders als bei Modellen wie dem Duo (siehe unten), lassen sich aber weder SodaStreams Glasflaschen nutzen, noch die aus Edelstahl gefertigte Duo-Thermic. Dafür funktionieren alle transparenten Kunststoffbehälter aus dem Zubehörangebot. Das Ein- und Aushängen ist dank des Snap-and-Lock-Verschlusses auch einhändig möglich. Dennoch hängt die Flasche bombenfest in ihrer Halterung, sodass beim Sprudeln weder Gas noch Wasser austreten.

Die als Extra angebotene »Fizz&Go«-Thermosmetallflasche mit Haltebügel konnte uns nicht überzeugen. Der Anschluss an den Streamer ist hakelig und die leer schon 450 g schwere Flasche hält die Kohlensäure nicht so lange wie die mitgelieferten Flaschen. Zudem ist im Rucksack ein wenig Wasser aus ihr ausgelaufen.

Alle aktuellen Sprudler von SodaStream arbeiten ausschließlich mit CO₂-Kartuschen mit dem praktischen Quick-Connect-Anschluss. Der Zylindertausch ist daher auch beim Enso mit einem Handgriff erledigt. In der Praxis ist ein solcher Zylindertausch allerdings meist spürbar vor der vom Hersteller angegebenen maximalen Menge von 60 Litern Blubberwasser fällig. Wir kamen im Test auf 50 bis 54 Liter und damit nicht ganz so weit wie mit dem Duo.

Wie der sprudelt auch der Enso das Wasser gefühlt nur medium auf, also mit einem Druck von drei bis fünf Bar Druck auf einen Kohlensäuregehalt von vier bis sechs Gramm CO₂ pro Liter. Mineralwasser der »Spritzig«-Klasse hat bis zu acht Bar mit sechs bis acht Gramm CO₂ pro Liter. Wie bei allen Wassersprudlern kann man den CO-Gehalt erhöhen, indem man eiskaltes Wasser aufsprudelt, weil das mehr Gas aufnehmen kann.

Was ist das? Ein formschöner und gut funktionierender Wassersprudler, nicht nur für Designerküchen.

Wer braucht das? Alle, die ihren Brizzler nicht verstecken wollen und für maximal zwei bis drei Personen täglich Wasser sprudeln.

Was kostet das? Beim Hersteller ab 200 Euro (im Set mit einem CO₂-Zylinder und einer Kunststoffflasche).

Foto: SodaStream

Mit den Modellen Duo und Terra sorgte der im Jahr 2018 für 3,2 Milliarden Dollar vom PepsiCo-Konzern übernommene Weltmarktführer aus Israel vor fünf Jahren für Aufregung: Beide funktionieren nur noch mit den neuen »Quick-Connect«-Gaskartuschen, nicht jedoch mit den millionenfach verbreiteten Zylindern mit Schraubgewinde. Bei diesem System wird die Flasche nicht direkt eingeschraubt, sondern in einen ausklappenden Behälter gesetzt, der von oben mit einem senkbaren Kopf abgeschlossen wird.

Genau wie ihre Vorgänger können die neuen Kartuschen wieder aufgefüllt werden. Doch der Kompatibilitätsbruch mit der alten Generation bedeutete, dass man sich beim Kauf eines neuen SodaStream-Sprudlers zeitweise zwischen den beiden Welten entscheiden musste.

Im Test kamen wir bei beiden Modellen, Duo und Terra, mit einer Kartuschenfüllung 50 bis 60 Liter weit. Bei maximal möglicher Besprudelung (bis zum Auslösen des Überdruckventils) waren es allerdings deutlich weniger. Der Blubbereffekt am Gaumen ist im Vergleich zu Industriesprudel eher bei »medium« als bei »spritzig« angesiedelt.

Während man sich durchs Selbstsprudeln Schlepperei erspart, bringt es keine finanziellen Vorteile gegenüber gekauftem Mineralwasser. Selbst wenn man die Anschaffung des Gerätes nicht berücksichtigt, kostet ein Liter Sprudel bei 60 Litern Ertrag pro Kartusche bis zu 13 Cent. Hinzu kommen ca. 0,2 Cent für das Wasser. Sprudelt man etwas kräftiger, kommt man auf mehr als 20 Cent pro Liter. Auf Dauer ist das deutlich teurer als Mineralwasser vom Discounter, bei dem es Sprudel in 1,5-Liter-Pfandflaschen schon für 17 Cent pro Liter gibt.

Auch wenn die beiden SodaStreams identische Sprudelergebnisse liefern, unterscheiden sie sich in der Handhabe. Der einfache, schlanke Terra arbeitet mit spülmaschinengeeigneten BPA-freien Kunststoffflaschen, während man mit dem Duo auch Glasflaschen verwenden kann (jeweils ein Liter mit 840 ml Maximalfüllung).

Was ist das? Standard-Wassersprudler. Der Duo kann wahlweise mit Glas- oder Kunststoffflaschen benutzt werden.

Wer braucht das? Wo immer alte Sprudler gut funktionieren, gibt es nur wenige Gründe zum Systemwechsel. Bei einer Neuanschaffung sind Duo und Terra eine gute Wahl.

Was kostet das? Das Modell Duo kostet beim Hersteller ab etwa 130 Euro (im Set mit CO2-Zylinder und zwei Flaschen). Den kleineren Terra gibt es schon ab etwa 80 Euro.

Foto: BRITA

Nachdem wir unser erbärmliches Palma-Leitungswasser mithilfe von Aktivkohlefiltern wenigstens zum Nudel- und Kartoffelkochen hernehmen konnten, probierten wir das vergleichsweise preiswerte und in der Miniküche nicht viel Platz beanspruchende sodaOne-System von Brita. Es funktioniert ohne große Erklärung und nach dem Aufsprudeln tröpfelt nichts heraus, was bei anderen Geräten ziemlich nervig sein kann.

Die anfängliche Euphorie, damit unseren Plastikmüll zu reduzieren, verflog rasch. Die hinzugekaufte Glasflasche desselben Herstellers passt nicht in den sodaONE, dessen Kunststoffbuddeln wir schon ab dem zweiten Tag mit abgefülltem Mineralwasser aus dem Supermarkt füllen mussten – auch aufgesprudelt war das mallorquinische Leitungswasser nicht genießbar.

Ein weiteres Manko, das dieses Gerät aber mit fast der gesamten Sprudlerkonkurrenz teilt: Die versprochenen 60 Liter pro Gaszylinder sind kaum zu schaffen, weil selbst sonst als »medium« verkaufte Spritzigkeit mehr als fünf bis sechs Gasstöße benötigt. Das lässt die Kartusche schon nach 30 bis 40 Litern schlapp machen.

Außerdem hatten wir den Eindruck, dass das System trotz der versprochenen Kompatibilität mit Zylindern anderer Hersteller aus den markeneigenen Kartuschen mehr herausholt als bei Produkten der Mitbewerber. Wie auch immer, als Fans hochschäumender Trinkfreuden griffen wir nach ein paar Wochen doch wieder zum industriell aufgeblasenen Mineralwasser.

Was ist das? Ein schicker, nur 13 Zentimeter breiter Wassersprudler.

Wer braucht das? Eine schlanke Alternative für alle, die wenig Platz in der Küche haben.

Was kostet das? Ca. 60 Euro.

Foto: Mitte Home

Nachdem das Narrativ »Wassersprudler« technisch als auserzählt gilt, versucht das Berliner Start-up Mitte Home zwar nicht die Neuerfindung des Rades, sehr wohl aber, mit einer cleveren Kombination aus Wasserfilter und -sprudler den Blubbermarkt aufzumischen.

Um Investoren wie Bitburger, Kärcher und Danone einen zweistelligen Millionenbetrag aus den Rippen zu leiern (zusätzlich kamen niedliche 400.000 Euro per Crowdfunding zusammen), braucht es offenbar eine Menge Start-up-Lyrik. Auf der Website etwa das »Manifest« mit den »vier Säulen, die Mitte tragen«. Bleibt noch eine fünfte hinzuzufügen: das Geschäftsziel. Satte 420 Euro kostet das zugegeben todschicke, mattweiße System, das auch gut zu Apple-Hardware passen würde.

Zudem verkauft Mitte Home seine Produkte nur im Direktvertrieb  über seine Website. Das hat für das Unternehmen den Vorteil, dass es seine Kunden eng an sich bindet und die Marge der Zwischenhändler einspart. Der Nachteil: Die Produkte sind zwischenzeitlich immer mal wieder ausverkauft.

Mitte bearbeitet das etwas umständlich in den Gerätetank einzufüllende Wasser zunächst in einer Filterkartusche, die mittels Aktivkohle den Gehalt an Schadstoffen, darunter Mikroplastik, reduziert. Im Anschluss werden dem Nass nach je nach gewähltem Kartuschentyp Kalzium, Magnesium, Kalium oder Natrium hinzugefügt oder der Kalziumanteil reduziert. Das solchermaßen mineralisierte Wasser wird in schicke Glas- oder PET-Literflaschen (Nettoinhalt 860 ml) gepumpt, in denen es in einer von drei per Knopfdruck einstellbaren Stufen aufgesprudelt wird.

Das Mitte-Modell hat also neben dem CO2-Zylinder noch eine Filterkartusche und benötigt zum Betrieb eine Steckdose. Weil es viel zu groß ist, um unter einen Hängeschrank zu passen, fügt sich das System am besten in eine 30-Quadratmeter-Designerküche ein. Überall, wo das Wasser besonders kalkhaltig oder gechlort ist, durch alte Bleirohre fließt oder aus dem eigenen Brunnen hochgepumpt wird, würde man es vor dem Trinken ohnehin mit einem Filtergerät säubern.

Da Trinkwasser in Deutschland nun aber zu den am besten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt gehört, dünnt sich die Mitte-Zielgruppe nicht nur wegen der hohen Kosten aus. Die bleiben auch im Gebrauch deftig: Nach 300 Filtervorgängen sperrt das System den weiteren Gebrauch der Filterkartusche und legt nahe, über die ansonsten eher nutzlose Smartphone-App eine neue zu ordern. Kostenpunkt: 50 Euro. Ein Doppelpack CO2-Zylinder kostet ebenfalls 50 Euro, kommt immerhin mit kostenlosem Rücksendeetikett. Pro CO₂-Füllung werden beim Zylindertausch vier Euro fällig.

Was ist das? Ein ebenso schicker wie teurer Versuch, Wasserfilter und -sprudler in einem Gerät zu kombinieren.

Wer braucht das? Besitzer geräumiger Küchenlofts in Berlin-Mitte.

Was kostet das? 420 Euro.

Info: Webseite Mitte-Home 

Hintergrund: Produkttests im Ressort Tests

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