Warnstreik in Frankfurt (Archivbild)
Foto: Helmut Fricke / dpaFahrgäste in zahlreichen deutschen Städten müssen sich am Montag, den 2. Februar, auf erhebliche Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr einstellen. Die Gewerkschaft Ver.di hat im Rahmen von parallel laufenden Tarifverhandlungen für den Tag in fast allen Bundesländern zu Warnstreiks bei kommunalen Verkehrsunternehmen aufgerufen. Es sei davon auszugehen, dass in den betroffenen Betrieben der Verkehr zum Erliegen komme.
Mit dem Ausstand will die Gewerkschaft im Tarifkonflikt um den kommunalen Nahverkehr den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen. Die Aktion ist Teil bundesweiter Arbeitsniederlegungen.
Hier wird gestreikt:
In Bayern sind unter anderem München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Bamberg, Passau, Landshut und Schweinfurt betroffen. Im Südwesten erstreckt sich der Arbeitskampf auf die Städte Stuttgart, Karlsruhe, Heilbronn, Freiburg, Baden-Baden, Esslingen und Konstanz, wie der zuständige Ver.di-Landesbezirk mitteilte. Auch im Saarland werden Busse und Bahnen bestreikt.
In Rheinland-Pfalz werden die Mainzer Verkehrsgesellschaft, die Stadtwerke Pirmasens, die Stadtwerke Kaiserslautern sowie die Stadtwerke Trier bestreikt. Es sei auch mit Einschränkungen im Berufs- und Schülerverkehr zu rechnen.
Zu den kommunalen Verkehrsbetrieben, um die es in den Verhandlungen geht, gehören auch nahezu alle großen Städte in Nordrhein-Westfalen – von Köln, Düsseldorf und Duisburg über Oberhausen, Gelsenkirchen und Dortmund bis nach Bielefeld. Die Aachener Verkehrsbetriebe Aseag sind eine der wenigen Ausnahmen in NRW, auf die sich die Tarifverhandlungen nicht beziehen.
In Schleswig-Holstein hat Ver.di die Busfahrer in Kiel, Lübeck, Neumünster und Flensburg zum Streik aufgerufen.
In Sachsen-Anhalt sind laut Gewerkschaft Busse und Bahnen in Halle, Magdeburg und dem Burgenlandkreis betroffen.
In Thüringen geht es nach Gewerkschaftsangaben um kommunale Verkehrsunternehmen in Erfurt, Jena, Gera, im Saale-Holzland-Kreis, im Kyffhäuserkreis, in Mühlhausen, Sondershausen, im Unstrut-Hainich-Kreis, in Gotha, Weimar und im Weimarer Land.
In Sachsen bezieht sich der Streik auf Chemnitz, Dresden, Leipzig und Zwickau.
Für Hessen hat Ver.di die Beschäftigten der kommunalen Verkehrsbetriebe zu Streiks in Frankfurt am Main, Kassel, Wiesbaden, Gießen und Marburg aufgerufen.
In Brandenburg sind 16 Verkehrsgesellschaften von Streiks betroffen: die Regionen Uckermark, Barnim, Frankfurt (Oder), Oder-Spree, Märkisch-Oderland, Schöneiche-Rüdersdorf, Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg an der Havel, Potsdam, Potsdam Mittelmark, Teltow Fläming, Cottbus, Spree-Neiße, Dahme Spreewald und Oberspreewald-Lausitz.
In Mecklenburg-Vorpommern wird etwa in den Regionen Schwerin, Ludwigslust-Parchim, Rostock, Greifswald, Nordwestmecklenburg und Vorpommern-Rügen gestreikt. Ver.di gehe davon aus, dass mindestens 80 Prozent aller Busse und Straßenbahnen im Nordosten ausfallen, sagte Sascha Bähring, der Verhandlungsführer von Ver.di Nord im Tarifstreit. Neben dem Nahverkehr sollen in Mecklenburg-Vorpommern außerdem Teile des Regionalverkehrs beeinträchtigt sein. Die EVG rief für Montagvormittag zum Streik auf.
Auch in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen soll der öffentliche Nahverkehr laut Ver.di zum Erliegen kommen.
Das einzige Bundesland, in dem nicht gestreikt werden soll, ist Niedersachsen. Dort gilt noch die Friedenspflicht.
Auch fahren die Züge der Deutschen Bahn ohne Einschränkungen, wie der bundeseigene Konzern mitteilte. »Die S-Bahnen in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Köln, Nürnberg, Rhein-Main und der Regional- und Fernverkehr der DB werden als Unternehmen nicht von Ver.di vertreten und sind daher von dem Streik nicht betroffen«, hieß es.
In den Verhandlungen, die in allen 16 Bundesländern meist mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden geführt werden, fordert Ver.di insbesondere deutlich bessere Arbeitsbedingungen – etwa durch kürzere Wochenarbeitszeit und Schichtzeiten, längere Ruhezeiten, aber auch durch höhere Zuschläge für Arbeit in der Nacht und am Wochenende. Insgesamt betroffen sind wohl fast 100.000 Beschäftigte in 150 städtischen Verkehrsunternehmen und Busbetrieben der Landkreise sowie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen.
In Berlin fahren Bahnen ohne Fahrgäste
In Berlin werden einige Bahnen trotz des Streiks fahren. Fahrgäste werden die Straßenbahnen allerdings nicht befördern, die Türen bleiben zu, wie Serat Canyurt von Ver.di am Samstag sagte. Grund für die Fahrten sind die Oberleitungen in der Hauptstadt, die zuvor in tagelanger Arbeit vom Eis befreit worden waren. »Wir wollen gewährleisten, dass die Straßenbahn am nächsten Tag wieder fahren«, sagte Canyurt.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten kritisiert, der Warnstreik sei »besonders angesichts der aktuellen Extremwetterlage und der weiterhin bestehenden Herausforderungen – vor allem im Straßenbahnbetrieb – problematisch«. Viele Mitarbeitende hätten »rund um die Uhr daran gearbeitet, vereiste Oberleitungen zu enteisen«. Würden sie bei der angekündigten Wetterlage nicht regelmäßig befahren, könne es zur Wiedervereisung kommen und damit zu weiteren Einschränkungen für die Fahrgäste.

vor 2 Tage
1





English (US) ·