US-Drohnen von Starlink abhängig, Ukraine sucht eigenen Weg

vor 2 Stunden 1

Probleme bei Manövern der US-Kriegsmarine zeigen, dass auch die USA von Starlink abhängig sind. Weithin bekannt ist, dass die durch das Satellitennetz ermöglichten mobilen Datenverbindungen eine wichtige Rolle im Ukraine-Krieg spielen. Fällt die Datenverbindung aus, kann das militärische Systeme lahmlegen. So ist es auch vor der Küste Kaliforniens passiert.

Betroffen waren sowohl schwimmende als auch fliegende Drohnen. Interne Unterlagen, die Reuters vorliegen, berichten demnach von mehrfachen Schwierigkeiten. Im April 2025 erwies sich Starlink als nicht leistungsfähig genug. „Das Verlassen auf Starlink hat Beschränkungen unter der Last mehrerer Fahrzeuge offengelegt”, zitiert Reuters aus einem Sicherheitsbericht. Die Kriegsmarine testete den gleichzeitigen Einsatz von Drohnen zu Wasser und zur Luft, was aber die Datenverbindungen überlastete. Im Sommer wiederholten sich die Verbindungsprobleme mehrfach, zudem gab es Schwierigkeiten mit Funkmodulen der Marke Silvus und einem Viasat-Netz.

Am 18. August 2025 kam es schließlich zu einem Totalausfall: Starlink war in Teilen Nordamerikas außer Betrieb. Als Folge trieben zwei Dutzend Drohnen der US-Kriegsmarine fast eine Stunde lang auf dem Meer. Die Fernsteuerung funktionierte ohne Starlink-Anbindung nicht mehr. Eine Sprecherin des US-Verteidigungsministeriums ist gegenüber Reuters auf die Details des Berichts nicht eingegangen. Sie meinte lediglich, dass die Militärs „mehrere, robuste Systeme für ihr weites Netzwerk” einsetzen würden.

Starlink gehört SpaceX, dessen Chef der reichste Mensch der Welt ist, Elon Musk. Laut einer früheren Aussage Musks ist Starlink nicht dafür konzipiert worden, Drohnenkriege zu erleichtern. Das Satellitennetz wurde Anfang 2015 angekündigt – im Jahr davor hatte die russische Föderation die ukrainische Halbinsel Krim besetzt und den Krieg im Donbass eröffnet. 2021 ging Starlink in Betrieb, im Jahr darauf versuchte Russland einen großen Angriff mit dem Ziel, binnen weniger Tage die gesamte Ukraine einzunehmen. Das ist nicht gelungen, der Krieg dauert mit hohen Verlusten auf beiden Seiten an.

Auf Ersuchen der ukrainischen Regierung schaltete SpaceX Starlink in dem Land frei. Daraufhin nutzten beide Kriegsparteien den Dienst für militärische Zwecke. Spätestens im Jahr darauf war Starlink an allen Fronten im Einsatz. Ebenfalls 2023 beschloss das EU-Parlament den Aufbau einer europäischen Starlink-Alternative namens IRIS2. Erstaunlich ist, dass die Bundeswehr laut deutscher Bundesregierung weder IRIS2 noch Starlink benötigt.

Seit etwa einem Jahr soll Russland in der Lage sein, Starlink umfangreich zu stören. Erst im Februar 2026 hat SpaceX die unautorisierten russischen Starlink-Empfänger im Kriegsgebiet gesperrt, mit abträglichen Folgen für die russischen Angriffe.

Mindestens einmal soll Elon Musk einen ukrainischen Angriff sabotiert haben, indem er Starlink unvermutet abdrehte. Auch bei der Aufklärung ist die Ukraine von den USA abhängig, was diese als Druckmittel genutzt und die Informationen zeitweise ausgesetzt hat.

Kein Wunder, dass die Ukraine eine eigene Weltraumstreitmacht (Space Force) und eigene Satelliten plant, die allerdings aus dem Ausland zugekauft werden müssen. Dafür ist vorgesehen, die Satelliten mit ukrainischen Raketen in den Orbit zu bringen. Mitten im Krieg sollen bereits zwei Teststarts erfolgreich verlaufen sein. Das hat Fedir Wenislawskyj, Vorsitzender des Unterausschusses für Verteidigungsinnovation im ukrainischen Parlament der dortigen Nachrichtenagentur RBC-Ukraïna verraten.

Weil klassische Raketenabschussrampen große, stationäre Objekte und damit relativ leichte Ziele für den Feind sind, setzt die Ukraine auf Raketenstarts von Flugzeugen aus. Aus rund 8.000 Metern Höhe sei zweimal eine Rakete gestartet worden. Eine habe die als Grenze zum Weltraum geltende Kármán-Linie in 100 Kilometern Höhe überquert, die andere sei sogar 240 Kilometer hochgeschossen, sagte Wenislawskyj. Das wäre Weltrekord, den der Politiker auch für sein Land reklamiert.

Die Technik soll einerseits für Satellitenstarts in den erdnahen Orbit, andererseits zur Abwehr gegen russische, ballistische Mittelstreckenraketen genutzt werden. Die Flugbahn dieser Raketen führt durch den Weltraum, wo sie schwer zu entdecken sind, weshalb es bislang keine effektive Abwehr gibt.

Der Aufbau der vollen ukrainischen Space Force werde drei bis fünf Jahre dauern, schätzt Wenislawskyj. Die ersten „praktischen Resultate” soll es aber schon früher geben. Die Mindestausstattung seien acht bis zehn Satelliten: Vier bis fünf Radarsatelliten, zwei bis drei für optische Aufklärung und ein bis zwei weitere für Telekommunikation.

Ein voller Ersatz für Starlink könne das aber nicht sein; dafür „müssen wir mit mehreren hundert Satelliten anfangen, um das gesamte Territorium der Ukraine abzudecken.” Das Budget dafür sei derzeit nicht vorhanden. Nach dem Krieg könne die ukrainische Space Force zum Wirtschaftsfaktor werden, „weil es da fortschrittlichste Technik gibt”.

(ds)

Gesamten Artikel lesen