„Ich oder die AfD“: Darauf scheint, wie die Berliner „taz“ schon erkannt und geschrieben hat, die Wahlkampfstrategie der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig (SPD), zu lauten.
Außer ihr, so das inoffizielle Motto, kann die Rechtspartei im Nordosten niemand stoppen, und deshalb soll es neben ihr und dem AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm in der gemeinsamen Vorwahlsendung von RTL und ntv und dem Radiokanal Ostseewelle auch niemand anderen geben, die „Zwerge“ von der CDU oder der Linkspartei schon gar nicht. Und so wird es auch sein. Bei RTL und ntv heißt es: Schwesig gegen Holm.
Das stößt dem Spitzenkandidaten der CDU, Daniel Peters, und dem Landeschef der Linken, Hennis Herbst, selbstverständlich übel auf, wie die „taz“ berichtet. Von „bei den Sendern mit dem Vorgang betrauten Personen“ sei ihnen zugetragen worden, Schwesig stehe nur für ein „Duell“ mit dem AfD-Mann Holm zur Verfügung und für sonst nichts. Also wurden die Kandidaten von CDU und Linken erst zu einer gemeinsamen Wahlsendung ein- und dann wieder ausgeladen – auf Druck aus Schwesigs Umfeld. Ist das so?
Blaudszun: „Jeder Sender entscheidet über sein Format selbst“
„Das trifft nicht zu“, sagt Lilly Blaudszun, die Kommunikationschefin des SPD-Landesverbands. „Jeder Sender entscheidet über sein Format selbst. Frau Schwesig hat sowohl beim NDR als auch bei ntv/Ostseewelle für ein Kandidatenduell zugesagt.“ Bei RTL und ntv ist man, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt, von ganz allein (also ohne Druck von außen) auf die Idee gekommen, nur Schwesig und Holm in die Arena zu schicken. Zunächst habe man „auch eine größere Runde mit den Spitzenvertretern von SPD, AfD, CDU und Linken“ geprüft, nach „weiterer redaktioneller Abwägung“ habe man sich jedoch anders entschieden.
„Ausschlaggebend für die Zuspitzung auf ein Duell“ seien „die aktuellen Umfragewerte sowie die bundesweite Ausrichtung der Berichterstattung von RTL und ntv“ gewesen. Die betroffenen Parteien habe man über die „redaktionelle Entscheidung und deren Hintergründe“ informiert. „Versuche, inhaltlich Einfluss zu nehmen“, habe es „weder von der Landesregierung noch von der SPD“ gegeben. Die Spitzenkandidaten von CDU und Linkspartei kämen an anderer Stelle im Programm zu Wort.
Nehmen wir diese Äußerungen beim Nennwert, denken wir uns, dass die „redaktionelle“ Entscheidung bei RTL/ntv gar nicht anders hätte ausfallen können: Manuela Schwesig sagt für ein „Duell“ zu und – basta. Dem gelernten Radiomoderator Holm kann das nur recht sein, bekommt die AfD doch auf diese Weise mehr Sendezeit, als sich eine Oppositionspartei beim größten deutschen Privatsenderverbund für gewöhnlich erhoffen kann.

vor 3 Stunden
1










English (US) ·