Trolle im Netz: Fake News über den „Drachenlord“ zum Irankrieg

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Wer wissen will, wie es um die Verrohung im Netz steht, muss als Suchbegriff nur den Namen „Drachenlord“ eingeben. Denn gegen den „Drachenlord“ richtet sich seit anderthalb Jahrzehnten eine Hasskampagne, die ihresgleichen sucht.

Der damals junge Mann postete als „Drachenlord“ auf Youtube Videos, in denen es um Videospiele oder Heavy Metal ging. Er redete in breitem Fränkisch mitunter gefährlichen Unsinn, ließ sich leicht aus der Reserve locken, reagierte aggressiv und zog den Hass eines Netzmobs auf sich, der mit ihm das „Drachengame“ spielte.

Hunderte belagerten sein Haus

Das besteht darin, ihn zu beleidigen, zu provozieren und zu verleumden. Schließlich belagerten, nachdem er unvorsichtigerweise seine Adresse preisgegeben hatte, Hunderte sein Haus in Altschauerberg-Emskirchen. Obwohl dieses längst abgerissen und Rainer W., der „Drachenlord“, abgetaucht ist, versammelten sich noch im vergangenen Jahr Krawallsucher zum sogenannten Schanzenfest. Vor drei Jahren wurde Rainer W. zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und einer Geldstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt – er war auf „Hater“, die vor seinem Haus auftauchten, losgegangen.

Eine nicht besonders originelle Spezialität derjenigen, die dem „Drachenlord“ nachstellen, ist es, seinen Namen und sein Konterfei in alle möglichen Zusammenhänge zu montieren. Im Oktober 2021 etwa wurde ihm ein Amoklauf in Kongsberg, Norwegen, bei dem fünf Menschen getötet wurden, angedichtet. „Rainer Winklarson“ sei der Täter, lautete die Fake News, die zu dementieren sich schließlich die Polizei Mittelfranken veranlasst sah.

Und jetzt, nach dem Angriff der USA und Israels auf Iran, ist der X-Nutzer mit dem passenden Namen „Demon“ zur Stelle und meldet auf X: „Breaking, Rāyān Vinklapor, Head of Media in Iran, was eliminated“. Zu sehen ist – dreimal darf man raten – das Konterfei des „Drachenlords“, mit dem sich jetzt US-Nutzer beschäftigen. Das höhnische Gefachsimpel der Trolle kann man auf X nachlesen oder bei Reddit; auf Youtube, wo der Kanal des „Drachenlords“ 2022 geschlossen wurde, geht die Produktion von ihm gewidmeten Videos weiter. Die Asozialität „sozialer“ Medien zeigt sich hier in Reinkultur.

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