Nahost: Trump: Irans oberster Führer Chamenei ist tot

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Irans Staatsoberhaupt und Religionsführer Ayatollah Ali Chamenei ist nach Angaben von US-Präsident Donald Trump tot. Das schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Aus Iran lag dafür zunächst keine Bestätigung vor. Das sei die „größte Chance für das iranische Volk, sein Land zurückzuerobern“, betonte Trump. Er kündigte an, die Bombardierungen in Iran würden weitergehen, bis Frieden in der Region und in der ganzen Welt einkehre.

Chamenei, eine der bösartigsten Personen der Geschichte, ist tot.

US-Präsident Donald Trump

Zuvor war bereits nach Berichten über Chameneis Tod in Teheran spontan Jubel ausgebrochen. Bewohner der iranischen Hauptstadt berichteten von Menschen, die vor Freude aus ihren Fenstern schrien. Die Nachricht war unter anderem von iranischen Exilmedien verbreitet worden, die in Iran über Satellit empfangen werden können. Auf den Straßen waren Hupkonzerte zu hören.

Am Samstagmorgen hatten Israel und die USA Iran erneut angegriffen. Dabei bombardierte Israel auch Chameneis Amtssitz in einem Hochsicherheitsbereich der Hauptstadt Teheran. Ein vom iranischen Nachrichtenkanal Sabrin-News veröffentlichtes Satellitenfoto zeigte das vollständig zerstörte Areal des als „Beyt“ bekannten Bereichs. Es war jedoch öffentlich nicht bekannt, ob sich der 86-jährige Chamenei zum Zeitpunkt der Attacke dort aufgehalten hatte und dort getötet worden war.

Schwarzer Rauch steigt über dem schwer beschädigten Anwesen von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei in Teheran auf.
Schwarzer Rauch steigt über dem schwer beschädigten Anwesen von Irans oberstem Führer Ayatollah Ali Chamenei in Teheran auf. (Foto: Pleiades Neo (c) Airbus DS 2026/via REUTERS)

Bis zu seinem Tod war Ali Chamenei, Irans Religionsführer, der mächtigste Mann der Islamischen Republik. Als oberster geistlicher Führer und als weltliches Staatsoberhaupt galt er als unantastbar.

Bereits Jahre vor der iranischen Revolution 1979 schloss sich der damals junge Student der islamischen Bewegung um den noch unbekannten Ruhollah Chomeini an, die schließlich zum Sturz der Schah-Dynastie führte. Mit der Geburt der Islamischen Republik fand der zunächst eher gemäßigte Chamenei 1980 seinen Weg in die Politik. Nur knapp entkam er im Jahr darauf einem Attentat der oppositionellen Volksmudschaheddin, sein Arm blieb seitdem gelähmt.

1981 wurde der damals 42-jährige Chamenei zum iranischen Staatspräsidenten gewählt und übte dieses Amt bis zu Chomeinis Tod im Juni 1989 aus. Ein sogenannter Expertenrat kürte ihn dann zu dessen Nachfolger als oberstem politischen und religiösen Führer des Landes.

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Der Religionsführer prägte in den vergangenen Jahrzehnten wie kein anderer die iranische Außen- und Innenpolitik und baute das Land mit den einflussreichen Revolutionswächtern, einer elitären und ideologischen Streitmacht, zu einer Regionalmacht aus.

Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Herbst 2023 stand die Islamische Republik mehrmals am Rande eines offenen Kriegs. Im vergangenen Jahr attackierte Israels Militär im ZwölIran gemeinsam mit den USA. Auch nichtstaatlichen Verbündeten Irans versetzte Israel empfindliche Schläge, etwa der Hisbollah in Libanon und der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen – der Sturz des syrischen Langzeitmachthabers Baschar al-Assad schwächte darüber hinaus die Stellung Teherans in der Region.

Nach innen regierte Chamenei mit harter Hand. Kritik an seiner Person wurde nicht geduldet, Proteste gegen das islamische Herrschaftssystem ließ er wiederholt blutig niedergeschlagen. Bei den schwersten Massenprotesten seit Jahren wurden im Januar nach Angaben des Aktivistennetzwerks HRANA mehr als 7000 Menschen getötet, unter ihnen auch mehr als 200 Staatskräfte. Ausgelöst worden waren die Demonstrationen durch die massive Wirtschaftskrise. Einer der Protestrufe galt Chamenei: „Tod dem Diktator“.

Wer folgt auf Chamenei? Sein Sohn?

Chameneis Tod könnte erhebliche Folgen für das politische System der islamischen Republik haben. „Damit wäre erstmal die zentrale Figur, auf die alles zusammenläuft, ausgeschaltet“, sagte der Professor für Islamwissenschaften, Simon Wolfgang Fuchs, von der Hebräischen Universität in Jerusalem der Deutschen Presse-Agentur. „Auf der anderen Seite ist Iran natürlich kein Regime, das nur auf eine Familie baut oder auf einen ganz engen Kreis an Leuten, an denen alles hängt“, schränkte er ein. Chamenei habe zudem angeordnet, für alle führenden Positionen im Staat mindestens vier Stellvertreter zu ernennen, damit Befehlsketten nicht unterbrochen würden. Das gelte auch für sein eigenes Amt.

Wer auf Chamenei folgen könnte, ist unklar. Öffentlich hatte sich der Religionsführer dazu nicht geäußert. Dem Staatsapparat dürfte es zudem schwerfallen, mitten im Krieg das Machtgefüge neu zu ordnen. Nach der Verfassung müsste der Expertenrat, ein Gremium aus 88 einflussreichen Geistlichen, den Nachfolger bestimmen. In den vergangenen Jahren war immer wieder Chameneis Sohn Modschtaba genannt worden, der bislang kaum in der Öffentlichkeit stand.

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