Tiger in Sachsen: Warum die Polizei eine Raubkatze auf der Straße erschoss

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Es hieß Sandokan Warum die Polizei in Sachsen einen Tiger auf der Straße erschoss

In der sächsischen Stadt Schkeuditz attackiert ein Tiger einen Mann, auf der Flucht wird die Raubkatze von der Polizei getötet. Was war da los? Eine Spurensuche am Tag danach.

18.05.2026, 21.14 Uhr

 »Queen of Tigers«
 »Queen of Tigers«

Raubtier-Gehege von Carmen Zander im Ortsteil Dölzig: »Queen of Tigers«

Foto: Peter Maxwill / DER SPIEGEL

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Es war ein Koloss von einem Tier, rund 280 Kilogramm schwer, neun Jahre alt, ein großer »majestätischer Sibirer«. Am Sonntag wurde der Tiger mit dem poetischen Namen Sandokan von Beamten der sächsischen Polizei erschossen, in Dölzig, einem Ortsteil der Stadt Schkeuditz, nahe einer Kleingartenanlage.

Die Raubkatze hatte sich aus ihrem Gehege befreit und einen 72-Jährigen angegriffen. Dann machte sich das Tier auf in Richtung der Kleingartenanlage. Der Mann, offenbar ein Pfleger des Tieres, musste mit Beiß- und Kratzwunden in einem Krankenhaus operiert werden. Laut Staatsanwaltschaft Leipzig ist er schwer verletzt und kann noch nicht vernommen werden.

Sandokan war einer von mehreren Tigern, die von der ehemaligen Dompteurin Carmen Zander, 52, in der Stadt südlich des Leipziger Flughafens gehalten werden. Die Raubkatzen leben dort in einem mit Maschendraht umzäunten Areal von der Größe eines durchschnittlichen Spielplatzes.

Wie der Tiger entweichen konnte, ist der Staatsanwaltschaft Leipzig zufolge unklar. Noch am Sonntag wurde das Gelände auf Anordnung eines Richters bis in die Nacht durchsucht. Die Staatsanwaltschaft teilte dem SPIEGEL mit, es müsse geklärt werden, was genau passiert sei, welche Rolle der Geschädigte hatte – und auch, ob gegen Sicherheitsvorschriften verstoßen worden sei.

Im Gartenhaus versteckt

Am Tag nach dem Tigerangriff sind die Menschen noch immer aufgeregt, selbst diejenigen, die dem Tiger gar nicht persönlich begegnet sind. Reiner Wieschollek zum Beispiel, ein älterer Herr mit schlohweißem Haar und Brille.

Er steht in seinem Kleingarten in der Frühlingsonne, nicht weit von jener Wiese entfernt, auf der Polizisten das entlaufene Raubtier am Sonntag getötet hatten. Wieschollek sagt, er sei in seinem Garten gewesen, als plötzlich sein Freund auf ihn zugekommen sei, mit unglaublichen Neuigkeiten: ein ausgewachsener Tiger, freilaufend, vielleicht 25 Meter von ihm entfernt.

Die beiden, so erzählt es Wieschollek, hätten sich im Gartenhaus versteckt. Sie hätten viele Polizeifahrzeuge und einen Hubschrauber aus der Ferne gesehen. »Dann hab ich nur noch die Schüsse gehört.«

Warum keine Betäubung?

Aber warum wurde der Tiger erschossen? Das fragt sich zum Beispiel Erhard Lüttich, ein freundlicher Mann mit Tarnfleck-Käppi, der an der Tankstelle neben den Tiger-Käfigen seinen BMW auftankt. Er verstehe nicht, weshalb die Polizei mit einem Großaufgebot angerückt sei. »Warum fragt man nicht erst mal im Zoo nach, oder schießt mit einem Betäubungsgewehr?«

Ein Sprecher der Polizei sagte dem SPIEGEL, Beamte hätten scharfe Munition verwendet, da es in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen sei, Veterinärmediziner zu erreichen. »Von dem Raubtier ging eine Gefahr aus. In der Gartenanlage befanden sich aufgrund des guten Wetters viele Personen, sodass eine Gefahr für diese bestand, wenn der Tiger in die Gärten gelangt wäre.« Anders als Tierärzte verfüge die Polizei nicht über Betäubungsmittelgewehre.

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