Sachbuch über Stadt-Land-Entfremdung: Wer Misstrauen sät, erntet kein Staatsvertrauen

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 Landlust oder Landfrust?
 Landlust oder Landfrust?

Traktor vor der Skyline in Frankfurt am Main: Landlust oder Landfrust?

Foto: Pat Meise / plainpicture

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Das Land spielt kaum eine Rolle im öffentlichen Diskurs und wenn doch, dann entweder als romantisch verklärter Sehnsuchtsort, ein Schauplatz betulicher Vorabendserien – oder als Brennpunkt ganz eigener Art, ein ruraler Problembezirk, wenn man so möchte, in dem Ewiggestrige am Auto kleben wie an der Ölheizung, indem sie über die »Verspargelung« der Landschaft durch Windräder schimpfen und bedenkenlos Nitrate und Pestizide in die Natur spritzen, toxische politische Ansichten natürlich sowieso.

Die Landlust vieler Städter ist deswegen groß, solange sich nur keine Landbewohner ins Bild schieben. Dann wird aus Landlust schnell Landfrust.

Übertrieben? Klar, aber der Kulturkampf lebt von Übertreibungen.

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Mit Treckern durch die Diskursgräben

Ein neues Sachbuch, »Die Unterschätzten«, vermisst die Diskursgräben zwischen Stadt und Land. Wie tief die sind, das zeigten die Bauernproteste vor zweieinhalb Jahren: Landwirte blockierten mit ihren Treckern die Straßen, bremsten also das Leben in den Städten aus, weil sie sich allzu oft von Städtern ausgebremst fühlten, weil sie es satthatten, dass der Takt ihres Lebens und ihrer Arbeit auf dem Land vermeintlich oder auch tatsächlich vorgegeben wird aus den Städten: von den Politikerinnen und Politikern in Berlin und Brüssel, von den Medienmenschen in Frankfurt, Hamburg, Köln und München.

Der Autor des Sachbuchs, Andreas Möller, hat selbst als Journalist für Deutschlandfunk Kultur gearbeitet, leitet seit 2015 aber die Kommunikation des Maschinenbauers Trumpf im baden-württembergischen Ditzingen. Die Kulturkampfrhetorik kontert er mit dem wohl wirksamsten Gegenmittel: persönlichen Geschichten, denn nur persönliche Geschichten, nur Nähe und Anschauung ermöglichen Empathie – und so ein Verständnis dafür, warum die einen den ach so fortschrittlichen Ansichten der anderen nicht in jedem Fall bedingungslos folgen wollen.

Der Wolf als Sinnbild für Kränkungen

Möller besucht seinen Jugendfreund Hendrik, einen Landwirt nahe Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Hendrik klagt über Verwaltungsprozesse, Nachweispflichten und technische Vorgaben, vor allem aber über den Hochmut, den in seinen Augen manch Theoretiker aus der Stadt gegenüber den Praktikern auf dem Land an den Tag legt.

Da soll der Bauer keine Pflanzenschutzmittel spritzen, sagt der Städter, hat aber noch nie eine Pflanze gesehen, die von sogenannten Schädlingen befallen ist. Da soll der Wolf geschützt werden, sagt der Städter, hat aber noch nie eins der blutigen Weidetiere zu Gesicht bekommen, das von einem Wolf gerissen worden ist. Der Wolf, warnt Autor Möller, sei vielerorts zum Sinnbild anderweitiger Kränkungen geworden, denn der Wolf triggere ein Ohnmachtsgefühl. Als ließen die da oben in Berlin nicht nur Bürokratiemonster von der Leine.

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