"Tatort" Saarbrücken: Der Stich ging direkt ins Herz

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In Hohenweiler sitzen die Messer locker. Der Saarbrücker "Tatort" handelt von zwei verfeindeten Familien – und der wunderbaren Bromance der beiden Kommissare.

8. Februar 2026, 21:46 Uhr

 Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov)
Adam Schürk (Daniel Sträßer) und Leo Hölzer (Vladimir Burlakov) © SR/​Manuela Meyer

Die hotten Sex-Szenen in Berlin letzte Woche zwischen Kommissar und Verdächtigem bezogen ihren Reiz auch aus der körperlichen Intimität zweier entgegengesetzter Figuren. Eine Heated Rivalry also, wie der Serienhit der Stunde heißt. Darin geht es um zwei Eishockey-Spieler, die in der Halle Rivalen sind, daneben aber ein Paar. Eine gay romance, wie das literarische Genre heißt, zu dem die Buchvorlage von Rachel Reid gehört, die sich auch bei heterosexuellen Frauen großer Beliebtheit erfreut, weil das schwule Begehren andere Vorstellungen von Männlichkeit produziert. 

Entwickelt hat sich die gay romance aus der Fan-Fiction, wie Esther Schelander unlängst im Deutschlandfunk Kultur erzählt hat, also dem ungefragten Weiterspinnen von Geschichten und Figuren durch Leute wie dich und mich, die sich ausmalen, was ihre Lieblingsfiguren aus Film, Fernsehen, Literatur noch so alles erleben könnten – auch oder gerade an homosexuellem Sex. Für den Tatort finden sich in diesem Feld etwa Geschichten, die den ersten Kuss zwischen Thiel und Boerne imaginieren. Die diesbezüglich schönste und am meisten bespielte Projektionsfläche bietet aber – wenig überraschend – die Saarbrücker Bromance. 

Denn wie zu Beginn der neuen Folge Das Böse in dir (SR-Redaktion: Christian Bauer, Alexandra Fritsch, Degeto-Redaktion: Birgit Titze) zu sehen ist, schreit der Tatort danach, eine schwule Lovestory zu explizieren. Hölzer (Vladimir Burlakov) kommt genesen von seiner Versehrung aus dem letzten Abenteuer zurück ins Revier. Dort wird er zuerst von den Kolleginnen Baumann (Brigitte Urhausen) und Heinrich (Ines Marie Westernströer) begrüßt, ehe die Kamera in das freudig-kokette Gesicht von Schürk (Daniel Sträßer) blickt. 

Der umarmt Hölzer scheinbar so fest, dass dieser Schmerzen verspürt, die sich, wiederum freudig-kokett lächelnd, als nur gespielt herausstellen, was Schürk mit einem vorwurfsvoll-knuffigen "Du Arsch" kommentiert. Was sich neckt, das liebt sich. Man sollte diese Bromance als Faktor für die Beliebtheit des Saarbrücker Teams nicht unterschätzen. 

Mit Fällen wie dem aktuellen ist die nämlich nicht zu erklären. Das Böse in dir wäre gern komplex, ist leider aber nur kompliziert (Drehbuch: Daniela Baumgärtl, Kim Zimmermann, Regie: Luzie Loose). Die Ermittlung spielt in einem Dorf namens Hohenweiler, aus dem Baumann stammt, die deshalb mit den beiden Boys ausrücken darf; die letztes Mal als Geisel genommene Heinrich muss bis zur psychischen Wiederherstellung Innendienst schieben. 

In Hohenweiler bekriegen sich die Familien Feidt und Louis seit Generationen. Den ab jetzt hier so genannten Shakespeare-Test zur Vermessung des Bildungshuberniveaus besteht Michel Louis (Gerhard Liebmann) nicht – auf Schürks literaturgeschichtlichen Hinweis ("Das ist wie mit den Montagues und Capulets"), reagiert der Tischlereibesitzer mit Unverständnis ("Was?"). Dorf halt, soll das wohl sagen.

Tot ist Emil Feidt, der fest davon überzeugt war, dass jemand aus der Louis-Familie vor Jahren seine Tochter umgebracht hat. Diese Becky Feidt hatte eine Beziehung mit Claire Louis (Carolin Wege), und der Tod war ein Unfall im Streit, bei dem Claire Becky geschubst hatte, blöderweise einen Felsvorsprung hinunter. 

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