Syrien: Syrische Regierungstruppen rücken in Kurden-Hochburg ein

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Zuletzt tobten noch Kämpfe zwischen dem Militär und den Kurden. Nun kommt die Regierung in Syrien ihrem Ziel, das Land zu einen, einen Schritt näher: Gemäß einem Abkommen mit den kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) sind Regierungstruppen in die Kurden-Hochburg Hasaka eingerückt. Ohne Gewalt.

Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP beobachteten, wie ein Konvoi von Regierungsfahrzeugen einen Kontrollpunkt kurdischer Kräfte in Richtung der Stadt passierte. Kurdische Quellen und Regierungskreise bestätigten der Nachrichtenagentur dpa die Ankunft der Regierungstruppen. Das sei »das Ende der Herrschaft der Selbstverwaltung und der Beginn einer neuen Ära eines vereinten Syriens«, hieß es aus Militärkreisen. Offiziell äußerten sich die Regierung und die SDF bislang nicht.

Bereits im März vergangenen Jahres hatten SDF-Kommandeur Mazloum Abdi und Übergangspräsident Ahmed al-Sharaa ein Abkommen getroffen, um kurdische Institutionen in Syrien einzugliedern. Demnach sollten auch die SDF in die reguläre syrische Armee eintreten.

Verhandlungen dazu, wie das genau geschehen und ablaufen sollte, scheiterten jedoch. Daraufhin rückten Regierungstruppen zuletzt immer weiter in bisher kurdisch kontrollierte Gebiete vor und brachten sie unter ihre Kontrolle. Dabei kam es auch zu schweren militärischen Gefechten. Schließlich wurde ein Waffenstillstand verkündet. In dem Rahmen kam es auch zum Abschluss eines neuen Abkommens zur Eingliederung. Es sieht die schrittweise Integration von den bisher kurdisch geführten Strukturen in den Staatsapparat vor.

Freudenschüsse in Hasaka

Dass die Regierungstruppen nun in Hasaka einrücken, ist ein erster Schritt, um das Abkommen umzusetzen. Aus kurdischen Kreisen heißt es, rund 100 Mitarbeiter des syrischen Innenministeriums seien in der Stadt eingetroffen. Berichte über Gefechte gab es zunächst nicht.

Anwohner berichteten der Nachrichtenagentur dpa, dass Menschen als Ausdruck der Freude in die Luft geschossen hätten. In der Stadt wurde zuvor eine Ausgangssperre verhängt. »Selbst diejenigen, die nicht auf die Straßen gehen konnten, standen vor ihren Türen, streuten Reis und Süßigkeiten und feuerten Schüsse ab«, sagte Mohammed al-Sajed, ein Bewohner Hasakas.

In den kurdisch kontrollierten Gebieten leben nicht nur Kurden, sondern unter anderem auch Araber. Arabische Stammeskämpfer hatten die Regierung bei ihrer kürzlichen Offensive gegen die SDF unterstützt. Vielen von ihnen fühlten sich unter kurdischer Verwaltung diskriminiert und sehen die Übernahme der Regierung als Befreiung.

Die Kurden ihrerseits fürchten einen Verlust ihrer Rechte. Unter der Assad-Herrschaft hatten viele von ihnen keine syrische Staatsangehörigkeit. Die kurdische Selbstverwaltung in Syrien galt als wichtiger Schritt im kurdischen Streben nach einem eigenen Staat. Die Kurden gelten als das größte Volk ohne eigenen Staat. In Syrien stehen sie der aus der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) hervorgegangenen Übergangsregierung skeptisch gegenüber. Sie fürchten erneute Unterdrückung nach Jahren der Selbstverwaltung.

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