Super Bowl: Alles zum NFL-Endspiel zwischen den New England Patriots und den Seattle Seahawks

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 Neuer Hoffnungsträger der New England Patriots

Drake Maye: Neuer Hoffnungsträger der New England Patriots

Foto: Dustin Bradford / Icon Sportswire / IMAGO

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In diesem Jahr ist der Super Bowl ein kleines bisschen besonderer als in anderen Jahren.

Nicht nur feiert das größte Spiel im American Football sein 60. Jubiläum, obendrein gibt es diesmal auch noch die unwahrscheinlichste Paarung in der Geschichte der NFL: Die Seattle Seahawks gegen die New England Patriots (Anpfiff 0.30 Uhr, Stream: DAZN/RTL+, Liveticker: SPIEGEL.de).

Dem Football-Datencenter Pro Football Reference zufolge stand die statistische Chance, dass genau diese beiden Teams am Ende um den Titel spielen, bei eins zu 4800. Seit Beginn der Datenerfassung 1989 hatte keine Super-Bowl-Paarung eine niedrigere Chance.

Im Rückblick ist die Einschätzung der beiden Teams leicht zu verstehen.

Die Patriots steckten seit dem Abschied Tom Bradys vor sechs Jahren im Neuaufbau, die Bilanz in den vergangenen beiden Saisons: acht Siege, 26 Niederlagen. Damit zählte das erfolgreichste Team seit der Jahrtausendwende zum Bodensatz der NFL.

Ganz so schlimm war es für die Seahawks nicht. Immerhin 19 Siege, mehr als Niederlagen, gab es im gleichen Zeitraum, dafür aber keine Playoff-Teilnahme.

In der eigenen Conference, der NFC, gab es vor Saisonbeginn neben Vorjahreschampion Philadelphia noch sechs bis acht Teams, die höher bewertet wurden.

Seattles Star-Receiver Jaxon Smith-Njigba beim Touchdown-Jubel gegen die Los Angeles Rams

Seattles Star-Receiver Jaxon Smith-Njigba beim Touchdown-Jubel gegen die Los Angeles Rams

Foto: Godofredo A. Vásquez / AP

Jetzt sind alle Prognosen der Fachwelt dahin. Ins Endspiel der NFL haben es zwei Mannschaften geschafft, mit denen kaum jemand gerechnet hätte.

Die Überraschungserfolge sind auf viele Faktoren zurückzuführen, bei den Seahawks etwa der Durchbruch von Star-Receiver Jaxon Smith-Njigba und die lückenlose Elite-Defense oder in New Englands Fall, dass mit dem früheren Patriots-Profi Mike Vrabel einer der besten Trainer der Liga verpflichtet wurde.

Beide Teams vereint aber vor allem, dass jeweils endlich Klarheit auf der wichtigsten Position im American Football herrscht.

Die Hauptdarsteller

Die Seahawks sind die Profiteure der wohl folgeträchtigsten Personalentscheidung des vergangenen Sommers, durch die Sam Darnold in Seattle landete. Der 28-Jährige ist die Personifikation dessen, was man im englischen »late bloomer« nennt. Vor nunmehr acht Jahren kam Darnold als großes Versprechen in die NFL und floppte dermaßen, dass er die ersten fünf Jahre seiner Footballkarriere trotz seines Talents von Team zu Team gereicht wurde.

Sam Darnold beim Warmhalten während des NFC Championship Games gegen die Los Angeles Rams

Sam Darnold beim Warmhalten während des NFC Championship Games gegen die Los Angeles Rams

Foto: Kevin Ng / Imagn Images / IMAGO

Als eigentlich schon Konsens herrschte, dass Darnold höchstens als Ersatzquarterback einen Platz in der NFL bekommen könne, spielte er vergangene Saison plötzlich auf Spitzenniveau bei den Minnesota Vikings, die ihn aber nur für ein One-Hit-Wonder hielten und sich im Sommer für ein Nachwuchstalent entschieden.

Offensichtlich die falsche Entscheidung, denn Minnesota verpasste dieses Jahr die Playoffs. Darnold hingegen könnte seine unverhoffte Erfolgsgeschichte mit einem Titel krönen.

Darnolds Gegenüber bei den Patriots heißt Drake Maye. Sein Weg zum Super Bowl war ebenso überraschend wie Darnolds, dafür aber viel kürzer. Maye, 23, spielt erst seine zweite Saison. Im Vorjahr wechselten sich brillante Momente mit groben Anfängerfehlern ab, die er zu dieser Spielzeit reduzieren konnte.

Für die starke Verbesserung wurde Maye zum zweitbesten Quarterback der Saison gewählt, zudem ist er sogar ein Finalist für die Wahl zum MVP.

Sein Talent ist kaum verwunderlich, schaut man auf seine Familie. Zwei seiner Brüder spielten Basketball in der College-Liga, ein weiterer Baseball auf dem gleichen Niveau. Und der Vater der vier Maye-Bros war früher Quarterback am College und sogar kurz in der NFL.

Drake Maye und Cheftrainer Mike Vrabel haben die Patriots zurück in den Super Bowl geführt

Drake Maye und Cheftrainer Mike Vrabel haben die Patriots zurück in den Super Bowl geführt

Foto: Dustin Bradford / Icon Sportswire / IMAGO

Maye, der wegen der TikTok-Backrezepte seiner Frau bereits den Spitznamen Cake Maye erhielt, tritt in große Fußstapfen, um nicht zu sagen, die größten, die es im Football überhaupt geben kann. Denn der letzte Patriots-Spielmacher, der auf diesem Niveau unterwegs war, hieß Thomas Edward Patrick Brady. Dessen Spitzname lautet GOAT, der Greatest Of All Time.

Gemeinsam haben Brady und Maye ein fotogenes Grinsen, einen starken Wurfarm, ähnliche Körpermaße (1,90 Meter bei etwa 100 Kilo).

Der große Unterschied zeigt sich in der Fußarbeit. Brady war ein Standgeschütz mit unheimlicher Präzision, vor allem aber kognitiv überlegen. Er konnte Deckungsmuster gegnerischer Defensiven antizipieren, wusste immer, was zu tun ist.

Maye kann auch hervorragend werfen, anders als sein Vorgänger ist er aber ein Spitzenathlet und zählt mit dem Ball in der Hand zu den besten Läufern auf seiner Position.

Darauf wird es ankommen

Besonders wichtig könnte Mayes Fähigkeit, sich zu Fuß aus Schwierigkeiten zu befreien, ausgerechnet im Super Bowl werden. Der Receiver-Korps der Patriots ist nichts Besonderes, Seattles Defense hingegen eine der Besten. Ohne freie Anspielstationen wird Maye wahrscheinlich häufiger improvisieren müssen, wobei er gegen die übergriffigen Seahawks-Verteidiger aber gut aufpassen muss.

Zum Auftakt der Playoffs wurde Maye in den ersten zwei Spielen insgesamt zehnmal zu Boden gebracht, ließ dabei sechsmal den Ball fallen und warf zweimal zum Gegner.

Houstons Will Anderson schlägt Drake Maye den Ball aus der Hand

Houstons Will Anderson schlägt Drake Maye den Ball aus der Hand

Foto: Robert F. Bukaty / AP

So viele Ballverluste darf sich Maye im Super Bowl nicht erlauben, wenn er die Seahawks besiegen will. Die haben aber ähnliche Sorgen, denn bei aller Begeisterung über Darnolds Entwicklung lauert bei vielen Fans immer noch die Angst vor seinem Übermut. Riskante Würfe zu versuchen, die er lieber lassen sollte, war schon immer Darnolds Schwäche. Manche Saison beendete er mit mehr Interceptions (abgefangene Pässe) als geworfenen Touchdowns. Ein Flashback zum alten Darnold gab Mitte November, als gegen die Los Angeles Rams gleich viermal zum Gegner warf. Seitdem sind die Seahawks unbesiegt, auch weil Darnold sich zur Vorsicht zwingt.

Für ihn sind es die Ballverluste im Wurfspiel, für Maye sind es die Ballverluste im Stehen oder Laufen. Möglicherweise wird dieser Super Bowl nicht durch brillantes Offensivspiel entschieden, sondern dadurch, wer am wenigsten Fehler macht.

Historisches Wiedersehen

Ein Ballverlust im kritischen Moment, Seattle gegen New England – da werden bei vielen NFL-Fans Erinnerungen wach. 2015 gab es schon einmal die gleiche Paarung im Super Bowl. Tom Brady peilte seinen vierten Titel an, den ersten seit elf Jahren, es ging um die Wiederbelebung einer Dynastie. Die Seahawks wollten als erstes Team seit Bradys Patriots zum zweiten Mal hintereinander den Super Bowl gewinnen.

Nach einer Aufholjagd in der zweiten Hälfte führte New England kurz vor Spielende 28:24. Noch etwa eine Minute war auf der Uhr, als Seattles Passempfänger Jermaine Kearse auf dem Boden rollend einer der wundersamsten Catches der NFL-Historie gelang. Plötzlich standen die Seahawks vor der Endzone. Ein Touchdown und der Sieg wäre sicher, am Spielfeldrand stand der ohnmächtige Brady und schüttelte den Kopf.

»Jetzt musst du Marshawn Lynch stoppen«, sagte TV-Kommentator Cris Collinsworth, denn allen war klar, dass bei so kurzer Distanz der wuchtige Star-Runningback den Ball bekommen würde. Und so war es auch, mit dem ersten Versuch kam Lynch direkt vor die Goalline. Nur noch ein Yard war zu gehen.

Mit dieser Interception entschied Malcolm Butler 2015 den Super Bowl

Mit dieser Interception entschied Malcolm Butler 2015 den Super Bowl

Foto: AP/dpa

Dann schockte Seattles Trainer die Welt und entschied sich für einen Wurfspielzug. New Englands Malcolm Butler sprach dazwischen und fing den Pass ab, das Spiel war entschieden. Für die Patriots brach eine zweite Erfolgsära an, die Meistermannschaft der Seahawks zerbrach an diesem Moment.

Die Halbzeitshow(s)

Beinahe ebenso wichtig wie das Sportliche ist beim Super Bowl jedes Jahr die Halbzeitshow. Historisch bietet diese ein breites Spektrum. Mal bietet sie ikonische Auftritte wie etwa 2007 Prince mit »Purple Rain« im strömenden Regen, mal Skandale wie 2004 Janet Jacksons »Nipplegate« und mal musikalische Entgleisungen wie die Black Eyed Peas 2011. In jedem Fall gibt es immer eine große Aufmerksamkeit, die Veranstalter sprechen gern von der »größten Bühne der Welt«.

Dieses Jahr gehört sie Bad Bunny. Der Puerto-Ricaner macht von unter anderem Bachata, Salsa und Reggaeton inspirierten Rap auf Spanisch, spätestens seit seinem Album »Un Verano Sin Ti« (2022) sollte er wohl jedem ein Begriff sein, der ein Spotify-Abo besitzt. Dort war er in jenem Jahr mit 18,5 Milliarden Abrufen der meistgestreamte Künstler weltweit – sogar vor Taylor Swift. Auch 2023 und 2024 behielt Bad Bunny den Spitzenplatz.

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Seine Nominierung zur Halbzeitshow des Super Bowls ist in den USA ein kleines, für manche aber ein sehr großes, Politikum geworden, weil sich Bad Bunny kritisch zu Abschiebungen und Razzien in den USA sowie allgemein der Politik unter Donald Trump äußert. So kündigte er vor mehreren Monaten an, aus Sorge vor ICE-Einsätzen im Rahmen seiner Welttournee vorerst keine Konzerte in den USA zu spielen.

Die Wahl der Super-Bowl-Acts – das Vorprogramm spielt die Punkband Green Day – gefällt einigen konservativen und Trump-nahen Gruppen nicht. Sie verurteilten diese als »politische Statements« und forderten eine »All-American«-Alternative. Dafür will Erika Kirk sorgen. Die Witwe des ermordeten rechten Aktivisten Charlie Kirk, leitet nun dessen Organisation »Turning Point USA« und kündigte bereits im Oktober eine eigene Show an, die »Glaube, Familie und Freiheit« feiern soll.

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