Studieren in Kiel: Campus, Wohnviertel, WG-Zimmer-Preise, Kneipen

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Bei einem Spaziergang entlang der Förde lässt man sich die Meeresluft um die Nase wehen, oder man schaut während der Kieler Woche bei einem Krabbenbrötchen Segelschiffe nach. In der touristisch beliebten Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins lebt und studiert auch die 20-jährige Anne-Lene Genz.

Aufgewachsen ist sie in der Nähe von Stralsund in Mecklenburg-Vorpommern. Für ihr Bachelorstudium in Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation zog sie fast 300 Kilometer weiter entlang der Ostseeküste. Nun studiert sie an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Kiel. Einen Studienplatz in Hamburg schlug sie dafür aus – auch aus finanziellen Gründen. »Als Bafög-Empfängerin kann ich mir einen höheren Lebensstandard erlauben, wenn ich nicht in einer teuren Metropole wohne.« Außerdem habe sie nah am Meer bleiben wollen, sagt sie. Die Entscheidung für die Küstenstadt habe sie daher bis heute nicht bereut.

Ob altehrwürdige Universitätsstadt oder eher unbekanntes Örtchen: Wer zum Studium an einen neuen Ort zieht, muss sich erst einmal orientieren. In der Reihe »Stadt, Land, Studium« stellen wir Hochschulstädte vor – und lassen Studierende erzählen, wie der Alltag dort abläuft.

Was hat der Campus zu bieten? In welchen Vierteln wohnt es sich am schönsten, was kostet ein WG-Zimmer? Welche Partys sind legendär und wo verbringt man seine Zeit, wenn man nicht im Hörsaal sitzt?

Campusleben: Standort, Mensa und Café

»Kiel erstreckt sich hufeisenförmig um die Kieler Förde – eine Meeresbucht – mit Fährverbindungen zwischen beiden Seiten. Mit der Fähre wechselt man in Kiel also öfter mal das Ufer. Das Westufer gilt als etwas belebter. Dort befindet sich etwa die Christian-Albrechts-Universität und die Innenstadt mit vielen Einkaufsmöglichkeiten.

Das Ostufer empfinde ich als ruhiger. Hier liegt der Hauptcampus der HAW im Stadtteil Neumühlen-Dietrichsdorf. Außerhalb von Kiel gibt es noch den Fachbereich Agrarwirtschaft, der seinen Sitz im etwa 40 Kilometer entfernten Osterrönfeld bei Rendsburg hat. Meine Veranstaltungen finden aber alle am Hauptcampus statt, die Gebäude dort sind bequem zu Fuß erreichbar.

Das brandneue Highlight der HAW: das Lerndock23. Das offene, moderne Lernzentrum mit vier Etagen wurde im Dezember 2025 eröffnet. Neben einer Bibliothek, Gruppenlernräumen und vielen Einzelarbeitsplätzen befindet sich dort auch das Café Boje23 mit Snacks und Getränken.

Viele HAW-Studierende essen aber in der altbewährten Schwentine Mensa. Dort kosten die meisten Gerichte ungefähr zwischen 2,50 Euro bis 5,50 Euro – ein veganes Angebot ist auch immer dabei. Zu meinen Lieblingsgerichten zählen Nudeln mit Spinat und Frischkäse sowie das Kichererbsencurry. Im Souterrain des Großen Hörsaalgebäudes ist außerdem das American Diner mit Snacks wie Bagels oder Baked Potatoes.«

• Größte Stadt (gemessen an Einwohner:innenzahl) in Schleswig-Holstein

250.743 Einwohner:innen (Stand: Juni 2025), rund 33.000 Studierende (WiSe 2024/2025)

Sehenswürdigkeiten: Schifffahrtsmuseum Fischhalle, Aquarium Geomar, Rathaus

Berühmtheiten: Max Planck, Ida Hinz, Caroline Wahl 

Wohnen: WG-Preise und Stadtteile

»Ich wohne in Elmschenhagen im Südosten, ein ruhiger Stadtteil, in dem nicht viele Studierende wohnen. Aber ich habe hier eine sehr günstige Einzimmerwohnung gefunden. Ich zahle 420 Euro warm für 31 Quadratmeter – so viel zahlen viele meiner Kommiliton:innen für ein WG-Zimmer. Zu meiner Hochschule brauche ich etwa eine halbe Stunde mit Bus oder Fahrrad, zur Universität am Westufer wäre es sogar etwa eine Stunde. Der vergleichsweise günstige Mietpreis macht die längeren Wege jedoch für mich wett.

Viele meiner Freund:innen wohnen in Neumühlen-Dietrichsdorf, im selben Stadtteil wie der Hauptcampus der HAW. Die meisten zahlen zwischen 400 und 500 Euro für ein WG-Zimmer. Auch das Westufer ist beliebt zum Wohnen. Durch die Innenstadtnähe fallen die Mietpreise dort höher aus.«

Die HAW  ist die zweitgrößte Hochschule in Kiel. Dort liegt der Semesterbeitrag im Sommersemester 2026 für die meisten Studiengänge bei 377,20 Euro und enthält das Deutschlandticket. Die größte Hochschule ist die Christian-Albrechts-Universität . Daneben gibt es noch die Muthesius Kunsthochschule  und die Duale Hochschule Schleswig-Holstein .

In Kiel liegt der Medianpreis für ein WG-Zimmer im Sommersemester 2025 bei rund 412 Euro. Das bedeutet: Die Hälfte der Zimmer ist günstiger, die andere Hälfte teurer. Das ergab ein Scoring des Moses-Mendelssohn-Instituts gemeinsam mit dem Portal WG-gesucht.

Das Studentenwerk Schleswig-Holstein  bietet in Kiel 1.964 Plätze auf zehn Wohnheime verteilt an. Die monatliche Miete für ein Zimmer liegt zwischen 201 und 489 Euro.

Freizeit: Kultur, Kneipe und Klub

»Kiel zieht Wassersport-Fans magisch an – in der Gegend kann man segeln, kiten und schwimmen. Beispielsweise wird im Sommer an der Bellevue-Brücke immer ein Badesteg eingerichtet für eine Erfrischung in der Förde. Die HAW hat im Übrigen ein eigenes Drachenbootteam. Als HAW-Studierende dürfen wir auch das Hochschulsportangebot der Christian-Albrechts-Universität nutzen.

Tagsüber gehe ich gern ins Café Alma, ein süßes Lokal mit südamerikanischem Flair, und gönne mir dort einen Käsekuchen, serviert auf buntem Geschirr. Auch für Gruppenarbeiten war ich schon dort. Das Café Anderwaffel ist auch bei vielen beliebt, dort werden etwa heiße Waffeln, Churros und leckeres Eis serviert. Im Semesterbeitrag ist auch ein Kulturticket enthalten – damit kann man zu vielen Stücken kurzfristig kostenlos ins Theater Kiel gehen.

 Der Rathausplatz

Kieler Innenstadt: Der Rathausplatz

Foto: ollo / Getty Images

Wer Lust auf Party und Drinks hat, ist in der Bergstraße genau richtig. Dort befinden sich zum Beispiel das Luna oder das Tucholsky, beliebte Klubs bei Studierenden. Ich bevorzuge gemütliche Bar-Atmosphäre. Besonders im Irish Pub Pogue Mahone in der Bergstraße war ich schon oft. Jede Woche gibt es dort eine Karaokenacht und einen Quizabend. Häufig gibt es auch Livemusik. Technofans zieht es eher in den Bunker, etwa einen Kilometer von der Bergstraße entfernt.

 Das Tucholsky

Anlaufstelle in der Bergstraße: Das Tucholsky

Foto: Felix Müschen / dpa

Und einmal im Jahr: Kieler Woche – ein riesiges Sommerfest mit Livemusik, leckerem Essen und Segelregatta.«

Der Name Kiel leitet sich von dem früheren Namen Holstenstadt tom Kyle (etwa: Holsteinische Stadt am Keil) ab. Kyle bezeichnet wohl ganz pragmatisch die Förde, wie sie spitz ins Land ragt – und wurde im Volksmund zu Kiel.

Nach dem Abschluss: Wie geht’s weiter?

»Etwa die Hälfe meines Studiums ist um – soll ich danach bleiben oder gehen? Die Frage hängt für mich am Master. Für meinen Bachelor in Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation gibt es von Nachhaltigkeit bis Politik verschiedene Spezialisierungen, zwischen denen ich mich am Ende entscheiden müsste. Noch kann ich nicht sagen, wohin die Reise gehen wird. Aber eines ist sicher: Sollte ich wegziehen, wäre Kiel niemals der Grund dafür.«

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