Studie stellt Verdoppelung fest: Starker Anstieg bei Pflegebedürftigkeit

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Die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland ist seit einer Reform im Jahr 2017 deutlich stärker gestiegen als erwartet. Die Zahl der Leistungsempfänger habe sich seit 2017 von drei auf fast sechs Millionen verdoppelt, teilte der GKV-Spitzenverband der Krankenkassen am Dienstag mit. Hauptursache sei nicht die Alterung ⁠der Gesellschaft, sondern eine vermehrte Beantragung durch im Schnitt jüngere Personen, von denen über drei Viertel einen niedrigen Pflegegrad erhielten. Dies gehe aus einer vom Verband beauftragten Studie des ‌IGES-Instituts hervor. Der Anteil der Pflegebedürftigen an ‌den gesetzlich Versicherten stieg demnach bis 2024 von 4,6 auf 7,6 Prozent. Der GKV-Spitzenverband forderte eine politische Debatte über die Kriterien für den Leistungszugang. Der starke Anstieg stelle die Pflegeversicherung vor große Herausforderungen, sagte GKV-Vorstandschef Oliver Blatt. „Bei der Reform 2017 ist die Politik den Empfehlungen der Wissenschaft seinerzeit nicht gefolgt, sondern hat den Zugang ‌zur Pflege großzügiger gestaltet als vorgeschlagen“, erklärte Blatt. In einem solidarischen System müsse darauf geachtet ‌werden, dass diejenigen ‌Hilfe bekämen, die darauf angewiesen seien, und das System finanzierbar bleibe. Die Gutachter des IGES-Instituts empfehlen demnach eine Überprüfung der Schwellenwerte für die einzelnen Pflegegrade. Es solle geprüft werden, die Bewertungssystematik wieder an ‌die Empfehlungen von Experten vor der Reform 2017 anzupassen. Die damaligen Prognosen hätten die tatsächlichen Folgen nicht ausreichend abgeschätzt. Die Studie stellt zudem einen Anstieg von Anträgen bei Kindern und Jugendlichen fest, was die Autoren auf psychische ⁠Erkrankungen und Problemlagen zurückführen. Dieser Trend sei ‌auffällig und solle ‌genauer untersucht werden.

Erst kürzlich hatte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt, sie wolle bis Mitte Mai Vorschläge für eine Pflegereform vorlegen, um die Finanznot der Pflegekassen zu lindern. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz zeigte sich verwundert über die Kritik der Kassen an der damaligen Umstellung des Pflegesystems. „Noch 2017 sprach der GKV-Spitzenverband von einer neuen Ära in der Pflegeversicherung. Schließlich erhielten erstmals Menschen mit demenzieller Erkrankungen Leistungen“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Nicht mal zehn Jahre später wollen die Kassen nichts mehr davon wissen. Die Kurzatmigkeit und Planlosigkeit der Gesundheitspolitik müssen gestoppt werden.“

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