Ver.di im Tarifstreit Diese Brücken und Tunnel sind im Norden und in Nordrhein-Westfalen wegen Warnstreik gesperrt
Verdi und die Tarifgemeinschaft der Länder konnten sich nicht einigen – nun gibt es Warnstreiks in großen Tunneln und Brücken. Autofahrer müssen sich auf Umleitungen und Staus einstellen.
20.01.2026, 07.47 Uhr
Gesperrte Jann-Berghaus-Brücke (Foto vom November 2023)
Foto: Lars Penning / dpaAuf Autobahnen, Landstraßen sowie an Brücken und Tunneln müssen Autofahrer heute mit Verkehrsbehinderungen rechnen. Der Grund sind Warnstreiks im öffentlichen Dienst. Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di hat zeitgleich zu gemeinsamen Arbeitsniederlegungen in zwei großen Tarifrunden aufgerufen, bei den bundesweit rund 14.000 Beschäftigten der Autobahn GmbH sowie bei den Tausenden Beschäftigten der Landesstraßenbauverwaltungen, also zum Beispiel Straßenmeistereien.
Anlass der Warnstreiks sei der »jeweils zähe bis inakzeptable Verlauf« der Tarifrunden zur Autobahn GmbH und zum Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder, teilte die Gewerkschaft mit. Verdi fordert in beiden Tarifrunden sieben Prozent mehr Gehalt pro Monat, mindestens aber 300 Euro, um die unteren Lohngruppen zu stützen. Auch die Nachwuchskräfte sollten deutlich besser entlohnt werden.
Ein Schwerpunkt der Aktionen ist Nordrhein-Westfalen, dort sollen am Nachmittag alle 28 Tunnelleitzentralen des Landes bestreikt werden, wie Verdi bereits am Sonntag mitgeteilt hatte. Für Autofahrer könnte es auch darüber hinaus ein harter Tag werden:
Störungen in Norddeutschland
Der Hamburger Elbtunnel soll wegen des Warnstreiks nur eingeschränkt befahrbar sein. Je Richtung wird einer von drei Fahrstreifen des Autobahntunnels geschlossen, wie die Autobahn GmbH mitteilte. Die Teilsperrung, die die A7 betrifft, soll bis Dienstagabend dauern.
In Ostfriesland wird infolge des Warnstreiks die Jann-Berghaus-Brücke über die Ems in Leer für Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger gesperrt. Die Sperrung betreffe den Zeitraum zwischen 6 und 23 Uhr, kündigte die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an. Autos und Lastwagen können eine Umleitung über den Emstunnel der Autobahn 31 nehmen, müssen dort aber mit entsprechend mehr Verkehr rechnen.
Auch in der Wesermarsch müssen sich Pendler und andere Reisende auf Probleme einstellen. Dort werde der Wesertunnel für den Verkehr infolge des Warnstreiks gesperrt, sagte ein Verdi-Sprecher.
Anders ist es dagegen bei der Hunteklappbrücke bei Berne. Die wichtige Brücke an der Bundesstraße 212 soll diesmal geöffnet bleiben, anders als beim Warnstreik im Dezember.
Die Weserfähre Bremerhaven-Nordenham kündigte zwar an, wegen der Sperrung des Wesertunnels häufiger zu fahren. In der Zeit von 5 Uhr bis 23 Uhr seien zwei Fähren im Pendelbetrieb unterwegs, teilte der Betreiber mit. Trotzdem: »Es ist mit Wartezeiten an den Anlegern und Fahrplanabweichungen zu rechnen«, hieß es.
Außerdem: B3, Tunnel Bovenden (Landkreis Göttingen)
B241 Butterbergtunnel (Landkreis Göttingen)
L111, Schwingeklappbrücke bei Stade
Störungen in Nordrhein-Westfalen
Allein in Nordrhein-Westfalen müssen Auto- und Lkw-Fahrer bei elf langen Tunneln im Verlauf von Bundes- und Landesstraßen mit Sperrungen rechnen, wie der Landesbetrieb Straßen.NRW bekanntgab. Demnach betrifft es (Stand 7:30 Uhr):
B42 Oberdollendorf Tunnel Königswinter, Fahrtrichtung Nord
B42 Oberdollendorf Galerie Königswinter; offen ist hier die Fahrtrichtung Nord
B42 Tunnel Oberkassel Bonn, Fahrtrichtung Nord
B61 Weserauentunnel Porta Westfalica
B62 Bühltunnel Siegen
L70 Kiesbergtunnel Wuppertal
L107 Tunnel Velbert-Langenberg Velbert
L614 Emmerauentunnel Lügde
L697 Hestenbergtunnel Plettenberg
L751 Tunnel Menkhauser Berg Oerlinghausen
L666n Tunnel Engelbert Gevelsberg
Aktionen auch in Süddeutschland
Die Gewerkschaft betont, dass durch Notdienstvereinbarungen die »Verkehrssicherheit jederzeit gewährleistet« sei. Es dürfte allerdings noch mehr Verkehrsknotenpunkte treffen. Folgende Standorte will Verdi an diesem Dienstag bestreiken:
Hannover (Niederlassung Nordwest und Niedersächsischer Landesbetrieb Straßen)
Leer (Jan-Berghaus-Brücke)
Hamm (Niederlassung Westfalen)
Gelsenkirchen (Betriebssitz Straßen.NRW)
Köln (Außenstelle Köln und Straßen.NRW/NL Rheinland)
Hamburg (Niederlassung Nord und Elbtunnel)
Stuttgart(gemeinsame Streik-Demo),
Mannheim und Karlsruhe
Freiburg (Gewerkschaftshaus)
Nürnberg (Niederlassung Nordbayern)
Halle (Niederlassung Ost)
Berlin (Zentrale der Autobahn GmbH, Europacity)
Rostock (Außenstelle Güstrow)
Montabaur (Niederlassung West)
Rosenheim und Regensburg (Niederlassung Südbayern)
Kiel (gemeinsame Demo LBV und Autobahn Außenstellen Lübeck und Rendsburg)
IHK kritisiert ganztägige Tunnelsperrung
Dass der Wesertunnel streikbedingt den ganzen Tag geschlossen bleibt, kritisiert die Oldenburgische Industrie- und Handelskammer (IHK). »Gerade in einer wirtschaftlich unsicheren Zeit sendet eine ganztägige Sperrung einer Schlüsselinfrastruktur das falsche Signal an Unternehmen«, sagte der Vorsitzende des IHK-Verkehrsausschusses, Fokke Fels. Die Sperrung zwinge den Berufs- und Lieferverkehr zu weiträumigen Umleitungen über andere Weserquerungen und verlängere Fahrzeiten erheblich, hieß es.
Verdi will mit dem Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite in dem Tarifkonflikt erhören. »Straßen sind der Verkehrsträger Nummer 1 in Deutschland – jeden Tag kümmern sich Abertausende Beschäftigte um einen möglichst reibungslosen Verkehr auf Autobahnen, auf Bundes- und Landesstraßen, auf Brücken und in Tunneln«, sagt Christine Behle, stellvertretende Ver.di-Vorsitzende in einer Mitteilung. »Und sie wollen mit diesem gemeinsamen Streiktag zeigen, dass ihre Arbeit besser bezahlt gehört.«
Nachdem ein Durchbruch in den Tarifverhandlungen nach der zweiten Runde am vergangenen Freitag ausgeblieben war, hatten die Gewerkschaften angekündigt, ihre Warnstreiks im öffentlichen Dienst deutlich auszuweiten.
Der Verhandlungsführer der Länder, Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD), hatte die Gewerkschaftsforderungen wegen knapper Länderhaushalte zuletzt wiederholt als überzogen zurückgewiesen. Er zeigte sich am Freitag aber zuversichtlich, dass ein Abschluss der Tarifverhandlungen im Februar zustande kommt. Man spüre die »gemeinsame staatspolitische Verantwortung« und sei an mehreren Punkten »trotz großer Differenzen« vorangekommen.
Verdi kritisiert die Position der Tarifgemeinschaft deutscher Länder danach dagegen als ungenügend und unkonkret. »Da muss definitiv mehr kommen«, sagte Verdi-Vize Behle. »Und das wissen die Arbeitgeber auch: Wir brauchen attraktive Arbeitsbedingungen, um Menschen für diese extrem wichtigen Aufgaben zu halten und zu gewinnen.«

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