Russland geht erneut gegen den Messengerdienst Telegram vor. Die Telekom-Aufsichtsbehörde Roskomnadsor kündigte weitere Beschränkungen gegen mehrere Anbieter an. Diese verstießen gegen russische Gesetze, ließen Personendaten ungeschützt und unternähmen nichts gegen Betrug und die Nutzung ihres Services zu kriminellen und terroristischen Zielen. Das teilte die Behörde laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax mit. Daher werde Roskomnadsor schrittweise weitere Beschränkungen einführen.
Nach SPIEGEL-Informationen aus Russland ist es bereits jetzt schwierig, auf Telegram Videos zu öffnen oder weiterzuleiten. Zahlreiche Nutzer klagen online und in Medienberichten über Probleme beim Laden von Telegram. Offenbar drosselt Roskomnadsor die Geschwindigkeit des Messengers, um die Nutzung zu erschweren.
Eingriffe beeinträchtigen offenbar auch den neuen Kreml-Messenger
In der Vergangenheit hatten die russischen Behörden den Zugriff auf Telegram zeitweise blockiert. Damals führten die Maßnahmen auch zu Problemen bei Bankingseiten und Onlineshops. Andere Messenger wie WhatsApp sind in Russland bereits blockiert.
Laut aktuellen Berichten führten die aktuellen Maßnahmen allerdings auch zu Problemen bei Messenger Max – mit diesem staatlichen Angebot versucht der Kreml seit einiger Zeit, eine eigene Telegram-Alternative zu etablieren.
Die staatliche Nachrichtenagentur Tass berichtete, dass seit Jahresbeginn mindestens sieben administrative Verfahren gegen Telegram anhängig seien. Der Messenger soll der Aufforderung nach dem Löschen extremistischer oder pornografischer Inhalte nicht nachgekommen sein. Wie es weiter hieß, drohten dem Unternehmen Strafen in Höhe von bis zu 64 Millionen Rubel.
Telegram-Chef Pawel Durow: Inzwischen im Ausland
Foto: La Nacion / ZUMA Press Wire / IMAGODer Konflikt zwischen Telegram und den russischen Behörden hat eine lange Geschichte. Telegram-Gründer Pawel Durow lebt seit 2014 nicht mehr in Russland. Seine Ausreise soll mit der Weigerung zusammenhängen, persönliche Daten von Telegram-Nutzern in der Ukraine an den russischen Geheimdienst weiterzugeben. Später gab es wegen des Streits um den Zugang zu Nutzerdaten mehrere Anläufe russischer Behörden, Telegram auszubremsen.
Anrufe über WhatsApp und Telegram sind bereits gesperrt
Seit Kriegsbeginn haben die russischen Behörden die Kontrolle und Zensur im Internet noch einmal drastisch verschärft. Kritik an dem von Kremlchef Wladimir Putin befohlenen Krieg gegen die Ukraine gilt als extremistisch. Im vergangenen Sommer sperrte Roskomnadsor Anrufe über WhatsApp und Telegram. Diese sind in Russland seither nur noch mithilfe eines Virtual Private Network (VPN) möglich.
Zeitgleich wurde in Russland der Messenger Max auf den Markt gebracht. Während offizielle Stellen diesen als sicher bewerben, gab es bereits zahlreiche Klagen über Betrugsversuche. Auch die russischen Sicherheitsbehörden können bei Max mitlesen.

vor 2 Stunden
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