Auswärtiges Amt Wadephul besetzt prestigeträchtige Botschafterposten neu
Im Sommer rotiert jedes Jahr das Karussell an der Spitze wichtiger Auslandsvertretungen. Nun soll nach SPIEGEL-Informationen Alexander Graf Lambsdorff von Moskau nach Tel Aviv wechseln und Heiko Thoms bereits nach einem Jahr von Kyjiw nach Madrid.
10.02.2026, 18.09 Uhr
Außenminister Wadephul: Neue Botschafterinnen und Botschafter in sieben wichtigen Hauptstädten
Foto:Sebastian Christoph Gollnow / dpa
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Die Bundesregierung besetzt sieben prestigeträchtige und politisch bedeutende Botschafterposten neu: Tel Aviv, Moskau, Mexiko-Stadt, Madrid, Peking, Neu-Delhi und Brasília. In Regierungskreisen heißt es dazu, auf Vorschlag von Außenminister Johann Wadephul (CDU) sei die turnusmäßige Rotation nun in der Koalition geeint. Das Tableau der Posten in der Besoldungsstufe B9 solle an diesem Mittwoch im Kabinett beschlossen werden.
Nach SPIEGEL-Informationen soll Alexander Graf Lambsdorff, derzeit Botschafter in Moskau, nach Tel Aviv wechseln. Lambsdorff hatte nach Abschluss seiner Attaché-Ausbildung 1997 verschiedene Posten an der Botschaft in Washington und in der Zentrale des Auswärtigen Amtes inne. 2004 zog er ins Europaparlament ein, 2017 dann in den Bundestag, wo er dem Verteidigungsausschuss und dem Auswärtigen Ausschuss angehörte. Im Sommer 2023 legte er sein Mandat nieder, um Botschafter in Russland zu werden. Lambsdorff soll auf dem Schlüsselposten in Israel nun Botschafter Steffen Seibert ablösen, der regulär in den Ruhestand geht. Seibert, früher Regierungssprecher unter Kanzlerin Angela Merkel, hatte seinen Job im Sommer 2022 angetreten.
Nachfolger in Moskau wird Botschafter Clemens von Goetze, derzeit leitet er die Vertretung in Mexiko-Stadt. Er verfügt über eine breite außen- und sicherheitspolitische Erfahrung und war zuvor bereits als Botschafter in Tel Aviv, Peking und Tokio im Einsatz. In Mexiko-Stadt wiederum übernimmt die derzeitige Botschafterin in Madrid, Maria Margarete Gosse. Sie hatte vor ihrem Posten in Spanien von 2018 bis 2022 die Zentralabteilung des Auswärtigen Amtes in Berlin geleitet, das organisatorische Rückgrat der Zentrale und der mehr als 200 deutschen Auslandsvertretungen.
Die Nachfolge in der Ukraine entscheidet das Kabinett noch nicht
Ihr folgt in Madrid, und das kommt eher überraschend, Botschafter Heiko Thoms. Er hatte erst im Sommer auf Wunsch von Wadephul den Posten in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw übernommen, nachdem die Bundesregierung Martin Jäger von dort an die Spitze des Bundesnachrichtendienstes berufen hatte. Thoms war zuvor unter anderem Botschafter in Brasília und arbeitete zu Zeiten der Ampelregierung als Staatssekretär im FDP-geführten Bundesfinanzministerium. Seine Nachfolge in der Ukraine ist allerdings noch offen. Sie steht nicht im Kabinett zur Entscheidung an.
Die Leitung der Botschaft Neu-Delhi zieht auch Veränderungen in der Leitungsebene des Bundesverteidigungsministeriums von Boris Pistorius nach sich: Jasper Wieck, derzeit Politischer Direktor im Bendlerblock, kehrt nach Indien zurück, wo er von 2017 bis 2020 bereits als stellvertretender Botschafter auf Posten war. Dem Vernehmen nach erfüllt sich für Wieck damit ein langgehegter Wunsch: Bereits sein Vater Hans-Georg Wieck hatte die Botschaft von 1990 bis 1993 geleitet.
Wieck übernimmt in Indien von Philipp Ackermann, der wiederum als Botschafter nach Peking wechselt. Ackermann war unter anderem als Gesandter in Washington tätig und leitete bis zu seinem Wechsel nach Indien die Politische Abteilung 3 im Auswärtigen Amt, die politischen Beziehungen zu den Ländern des Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und Lateinamerika zuständig ist.
Ackermanns Vorgängerin in China, Patricia Flor, wird neue deutsche Botschafterin in Brasília. Bevor sie den Botschafterposten in Peking übernahm, hatte sie die Delegation der Europäischen Union in Tokio geleitet und im Auswärtigen Amt die Abteilung für Internationale Ordnung, Vereinte Nationen und Rüstungskontrolle. Sie folgt auf Botschafterin Bettina Cadenbach, die regulär in den Ruhestand geht.
Bei der Besetzung von Botschafter- und Botschafterinnenposten handelt es sich um ein mehrstufiges Verfahren: Nach dem Abschluss des Planungsprozesses in der Bundesregierung, der mehrere Monate dauern kann, wird bei der Regierung des Gastlandes ein sogenanntes Agrément ersucht, also die Einwilligung der jeweiligen Regierung. Wenn dieses erteilt wurde, stellt der Bundespräsident ein Beglaubigungsschreiben aus, das die Diplomatinnen und Diplomaten bei Amtsantritt dem Staatsoberhaupt des Gastlandes überreichen. Um der Entscheidung eines Gastlandes nicht vorzugreifen, bestätigt das Auswärtige Amt Personalien grundsätzlich erst nach Erteilung des Agréments.
Aus dem Auswärtigen Amt hieß es auf Nachfrage des SPIEGEL, turnusgemäß »wechseln im Auswärtigen Amt jeden Sommer zahlreiche Kolleginnen und Kollegen zum sogenannten einheitlichen Versetzungstermin die Posten, so auch eine Vielzahl von Leiterinnen und Leitern deutscher Auslandsvertretungen«.

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