In der serbischen Teilrepublik von Bosnien und Herzegowina wurde die Präsidentenwahl teilweise wiederholt. Das Ergebnis veränderte sich nicht. Es gibt aber neue Vorwürfe.
9. Februar 2026, 1:33 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, dpa, AFP, vsp
In Bosnien und Herzegowina haben die Behörden den Kandidaten des Regierungslagers, Siniša Karan, endgültig zum Sieger der umstrittenen Präsidentenwahl in der serbischen Teilrepublik des Landes erklärt. Die Wahl war in einigen Wahlkreisen wiederholt worden, weil die staatliche Wahlkommission am ursprünglichen Wahltag im November schwere Unregelmäßigkeiten und Betrugsverdacht festgestellt hatte.
Letztlich habe sich am Ergebnis jedoch nichts geändert, teilte die Wahlkommission mit. Karan bleibt der gewählte Präsident der Republika Srpska (RS), und seine Separatistenpartei SNSD regiert im serbisch dominierten Bereich Bosniens. Karans Herausforderer Branko Blanuša räumte seine Niederlage ein, warf der Regierungspartei jedoch Stimmenkauf und Manipulation vor.
"Ich bin nicht enttäuscht", sagte Oppositionskandidat Blanuša. "Es geht hier um systemische Probleme im Wahlablauf, die auch durch den Einsatz von Scannern und neuen Technologien nicht gelöst werden können", zitierten ihn bosnische Medien. Wahlbeobachter bestätigten, dass es auch bei der Wahlwiederholung Unregelmäßigkeiten wie Druckausübung auf Wähler und Stimmenkauf gegeben habe.
Die Wahl wurde in 136 von etwa 2.200 Wahllokalen in der RS wiederholt. Rund 85.000 Wahlberechtigte mussten erneut wählen. Nach Auszählung aller Wahlzettel kam Karan auf 50,5 Prozent der Stimmen, wie die Wahlkommission am Abend mitteilte. Blanuša kam demnach auf 48 Prozent.
"Dies ist die Nacht, in der wir neu beginnen, das zu tun, was wir in den vergangenen 23 Jahren getan haben, aber mit noch mehr Nachdruck", kündigte der Wahlsieger Karan an.
Gericht hatte früheren Separatistenführer abgesetzt
In Bosnien und Herzegowina gibt es seit Monaten Spannungen um die serbischen Separatisten. Ein Gericht hatte Karans Vorgänger Milorad Dodik im August 2025 als Präsidenten der RS wegen separatistischer Aktivitäten des Amtes enthoben und mit einem sechsjährigen Politikverbot belegt. Dodik hatte sich Entscheidungen des internationalen Friedensbeauftragten und des Verfassungsgerichts widersetzt. Daraufhin gab es im November Neuwahlen in der Teilrepublik, die aber von Unregelmäßigkeiten überschattet waren.
Bosnien und Herzegowina besteht seit dem Friedensabkommen von Dayton im Jahr 1995 aus zwei weitgehend autonomen Teilen: der überwiegend von bosnischen Serben bewohnte Republika Srpska und der kroatisch-muslimischen Föderation aus Bosniaken und Kroaten. Karans Mandat läuft bis zu den regulären Wahlen im Oktober.

vor 2 Stunden
2








English (US) ·