Raubkunst: Jetzt bleibt nur der Zwergelgarten

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Da waren es nur noch zwanzig. Drei Wochen nach Eröffnung sind 210 der 230 im Salzburger Mirabellgarten aufgestellten güldenen Mozart-Skulpturen des deutschen Konzeptkünstlers Ottmar Hörl verschwunden. Weswegen die Ausstellung nun für beendet erklärt wurde. Wie kann das sein, wo doch die Gartenanlage am Ostufer der Salzach gegenüber der Altstadt um 18 Uhr geschlossen wird? Und die einen halben Meter großen Kunststofffiguren mit jeweils drei Schrauben an einem Stahlsockel befestigt waren?

Sie einfach so wegzutragen im hellen Sonnenschein des Festspieltages ist nicht gut möglich. Also vermutet Hörl nächtliche Diebe, organisiertes Verbrechen sozusagen, im großen Stil. Dabei ist Hörl Kummer gewöhnt, er kennt den Klaureflex, den seine seriellen Skulpturenparks auslösen, mittlerweile in- und auswendig. Man könnte so weit gehen und behaupten, der Mitnahmeeffekt sei Teil des Konzepts.

Die Herstellerfirma macht Betriebsurlaub

Als Hörl 1998 rund 4000 Gartenzwerge vor der Münchner Oper aufstellte, fehlten bald Tausende. Angeblich hat die Polizei damals gesagt, der Bürger klaue alles. Nicht anders erging es den 7000 Dürer-Hasen auf dem Nürnberger Hauptplatz, die 2003 den Besitzer wechselten. König Ludwig II. in München verschwand ebenso wie die kleinen Brechts in Augsburg oder die Hölderlins in Tübingen. Auch die goldenen Richard Wagners in Bayreuth bekamen Beine. Ob der Appell der örtlichen Polizei, sie freiwillig zurückzugeben, fruchten wird? Sind sie gemacht, um zu verschwinden?

Der Salzburger Raubzug hat Hörl schwerer getroffen als sonst. Der Spaß habe sich längst aufgehört. Hörl sprach im BR von „Respektlosigkeit gegenüber einem Kunstwerk“. Und von einer beispiellosen Radikalität auf Seiten der Täter. Womit der Bürger – hauchdünne Chance für Salzburg und sein Festspielpublikum – als Verdächtiger aus dem Schneider sein könnte. Auf 90 Euro beziffert Hörl den Wert einer Skulptur, dafür bekommt man in der Konditorei Fürst gerade einmal 40 Original Salzburger Mozartkugeln in der Geschenkpackung.

Mit Schraubenlöchern und ohne Signatur seien seine Figuren obendrein für den Kunstmarkt uninteressant, weil sogleich als gestohlen erkennbar. Und sie einfach nachzuproduzieren, scheidet laut Hörl aus: Die Herstellerfirma ist – das Kanzlerwort, Deutschland müsse mehr arbeiten, ignorierend – in Betriebsferien. Salzburgbesucher können sich ohne Mini-Mozarts nun mit einem Abstecher in den Zwergelgarten, einem Teil des Mirabellgarten-Areals, trösten. Dort findet man eine ganze Reihe von Zwergen aus der Barockzeit, gemeißelt aus Untersberger Marmor.

Vielleicht ein Denkanstoß für Ottmar Hörl, dem Frustrationspotential der seriellen Kunst mit der Wucht eines Monolithen zu begegnen. 2001 hat er für Frankfurt in zweifacher Ausführung das bekannte Euro-Symbol gestaltet, jeweils vierzehn Meter hoch und 50 Tonnen schwer. Größer denken, gewichtiger denken.

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