Pergamonmuseum eröffnet 2027: Das endlose Provisorium

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Die Mitteilung der Stiftung Preußischer Kulturbesitz klang wie ein Märchen: „Pergamonmuseum: Wiedereröffnung am 4. Juni 2026“. Der Pergamonaltar geöffnet – noch in diesem Jahr! Das konnte nur ein Wunder sein oder ein Versehen. Es war Letzteres. Nur wenige Minuten später kam die Korrektur: Das Museum und der Altar sind erst im Juni kommenden Jahres für das Publikum wieder zugänglich. Immerhin.

Allerdings werden dann, wie lange bekannt, nur der Mittelteil und der Nordflügel des Hauses nach sechsjähriger Sanierung wieder zu besichtigen sein – also der Pergamonaltar mit dem angrenzenden Hellenistischen Saal sowie das neu eingerichtete Islamische Museum mit der prächtigen Mschatta-Fassade, die hier erstmals, wenn auch zum Teil durch Pfeiler verdeckt, in ihrer vollen Breite zu sehen sein wird. Was fehlt und viele Jahre lang fehlen wird, sind die beiden anderen Großschätze des vielleicht bedeutendsten Museums in Deutschland, das Ischtartor aus Babylon und das Markttor von Milet. Die Grundsanierung des Südflügels, in dem sie stehen, soll offiziell bis 2037 abgeschlossen sein, aber Fachleute vermuten, dass sie drei oder sogar fünf Jahre länger dauern könnte. Denn mit Unwägbarkeiten ist auf der Museumsinsel jederzeit zu rechnen – und erst recht bei einem Projekt, das den Ehrgeiz hat, das gewaltige Bauwerk Alfred Messels auf Jahrzehnte hin zu sichern, wie es bei einer Vorbesichtigung vor zwei Jahren hieß.

Auch Schinkels Altes Museum ist längst ein Sanierungsfall

Und selbst wenn das Pergamonmuseum dann irgendwann schließlich fertig ist, wird das nicht das Ende der Bauarbeiten auf der Museumsinsel bedeuten. Das Alte Museum nämlich, der Schinkel-Bau, mit dem vor knapp zweihundert Jahren am Lustgarten gegenüber dem Berliner Schloss alles begann, ist schon lange sanierungsreif, denn es steht, wie fast alle Museumshäuser auf der Landzunge zwischen Spree und Kupfergraben, auf feuchtem und instabilem Grund, sein Westflügel neigt sich bedenklich und droht die Statik des Gebäudes zu gefährden. Auch hier ist Eile geboten, wenn ein Unglück verhindert werden soll, und so dürften sich die Arbeiten am Pergamonmuseum und am Alten Museum wohl geraume Zeit überschneiden, was den Zugang zu den übrigen Häusern nicht leichter machen wird.

Seit einem Vierteljahrhundert wird auf der Museumsinsel jetzt gebaut, an die drei Milliarden Euro sind bereits geflossen, und so könnte es weitergehen: Nach dem Alten Museum wäre wieder die Alte Nationalgalerie an der Reihe, danach das 2006 wiedereröffnete Bodemuseum und immer so fort. So ist der Gang der Dinge im Weltkulturerbe, könnte man sagen. Aber es ist eben auch eine deutsche Besonderheit, Kulturbaustellen in endlose Provisorien zu verwandeln, in denen die Schätze der Welt immer nur auf Abruf stehen. Bis zur nächsten Sanierung, die ihnen und uns wieder eine Atempause verschafft.

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