Die Polizei im australischen Bundesstaat Northern Territory hat im Mordfall Kumanjayi Little Baby einen 47 Jahre alten Mann angeklagt: Er muss sich unter anderem wegen Mordes verantworten, wie die Beamten am Sonntag erklärten. Zwei weitere Anklagepunkte machten sie nicht öffentlich.
Die fünf Jahre alte Sharon Granites war in der Nacht zum vergangenen Sonntag aus einem Haus im sogenannten Old Timers Town Camp am Stadtrand von Alice Springs verschwunden. Fünf Tage lang hatte die Polizei im Outback nach dem indigenen Mädchen gesucht. Hunderte Einsatzkräfte durchkämmten gemeinsam mit Freiwilligen ein unwegsames Gebiet aus dichtem Buschland – zu Fuß, mit Geländemotorrädern, Pferden, Drohnen und Hubschraubern. Auch erfahrene indigene Fährtensucher waren im Einsatz. Dutzende Freiwillige unterstützten die Suche, lokale Organisationen koordinierten die Einsätze.
Am Donnerstag wurde dann die Leiche der Fünfjährigen gefunden. Gemäß indigenen Traditionen wird sie seit ihrem Tod Kumanjayi Little Baby genannt.
Der Fall sorgt in Australien für große Anteilnahme. Premierminister Anthony Albanese sprach der Familie sein Beileid aus: »In dieser Zeit ihres schrecklichen Verlustes sind sie in den Herzen aller Australier.«
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Als Tatverdächtiger geriet der 47-Jährige schnell in den Fokus der Ermittler. Am Donnerstagabend hätten Anwohner den Mann gefunden und bewusstlos geschlagen, bevor die Polizei ihn festnahm, sagte Polizeikommissar Martin Dole am Freitag. Der 47-Jährige wurde ins Krankenhaus gebracht. Dort sei es zu weiteren Ausschreitungen gegen die Polizei, Rettungskräfte und das Krankenhauspersonal gekommen, so Dole.
Etwa 400 Menschen hätten sich vor dem Krankenhaus versammelt und versucht, sich gewaltsam Zutritt zu verschaffen. Demonstranten hätten Wurfgeschosse eingesetzt und Feuer gelegt, hieß es von der Polizei. Dabei seien mehrere Polizisten und Sanitäter verletzt sowie Polizeifahrzeuge, Krankenwagen und Feuerwehrautos beschädigt worden. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Menge zu zerstreuen.
Brennendes Polizeiauto vor dem Krankenhaus in Alice Springs, in dem der Tatverdächtige behandelt wurde (am Donnerstag)
Foto:Rhett Hammerton / AAP Image / AP / dpa
Die Familie des Mädchens rief daraufhin zur Besonnenheit auf. »Jetzt ist die Zeit für Trauerarbeit, um unserer Familie Respekt zu erweisen und Raum für Trauer und Erinnern zu haben«, sagte der Großvater des Mädchens dem australischen Sender ABC.
Der Tatverdächtige war erst wenige Tage vor dem Verschwinden der Fünfjährigen aus dem Gefängnis entlassen worden. Nach Angaben der Polizei hatte er eine rund 18-monatige Haftstrafe wegen schwerer Gewaltdelikte verbüßt. Er soll eine »lose Verbindung« zur Familie des Kindes gehabt haben. Er befindet sich inzwischen in der Stadt Darwin. Dort soll er am Dienstag erstmals vor Gericht erscheinen.

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