Falls aus ihrem im September bekannt gegebenen Deal mit den Saudis nichts wird, muss die Met womöglich ihre weltberühmten Wandgemälde von Marc Chagall verkaufen. Peter Gelb, Intendant der Metropolitan Opera, war in dieser Woche aber erkennbar um Zuversicht bemüht, als er der „New York Times“ in einem Interview die schlechte Nachricht verkündete. Die prekäre finanzielle Situation der von Pandemie und Zuschauerschwund gebeutelten Oper ist schon länger bekannt; während der Corona-Pandemie war das Orchester des Opernhauses aufgelöst worden, was zur Abwanderung vieler Spitzenmusiker in andere amerikanische Städte oder sogar in andere Berufe geführt hatte.
In diesem Jahr will Gelb fünfzehn, im Jahr darauf 25 Millionen Dollar einsparen. Eigentlich sollte der Met die Vereinbarung mit Saudi-Arabien aus der Misere helfen, der zufolge das Königreich das Haus über einen Zeitraum von acht Jahren mit insgesamt 200 Millionen Dollar unterstützen wollte. Im Gegenzug zur Großspende sollten die Stars aus New York jeden Winter drei Wochen lang im Royal Diriyah Opera House nahe Riad gastieren. Nun hieß es, die Zusammenarbeit komme vielleicht doch nicht zustande. Gelb sagte, er habe Verständnis für haushaltspolitische Probleme auf der Arabischen Halbinsel. Die Saudis hätten ihm aber signalisiert, dass sie nach wie vor an dem Deal interessiert seien. Die Oper im Lincoln Center hat ein Jahresbudget von 330 Millionen Dollar.
Metropolitan Opera House in New York CityReutersDie Kooperation wäre umstritten: Kritiker erinnerten die Met an die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien. Mit dem Argument, auch die amerikanische Regierung habe sich dem Königreich in den vergangenen Jahren angenähert, hatte Gelb das Projekt gerechtfertigt. Jetzt, da die Finanzspritze der Saudis auf der Kippe steht, verkündete er weitere Sparmaßnahmen. Mitarbeiter sollen entlassen, 22 Stellen in der Verwaltung gestrichen und die Gehälter der bestbezahlten Führungskräfte gekürzt werden. Das soll auch Gelb selbst betreffen, der 1,4 Millionen Dollar Jahresgehalt bekommt.
Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten dünnt die Met mittlerweile ihren Spielplan weiter aus. Eine Neuinszenierung in der nächsten Spielzeit, die Oper „Chowanschtschina“ von Modest Mussorgski, wird verschoben. Vor der Pandemie standen pro Saison 25 Produktionen auf dem Programm, jetzt werden es nur noch 17 sein. Es sind noch andere weitreichende Veränderungen im Gespräch. Eine potentielle Geldquelle, die die Oper auslotet, wäre der Verkauf ihrer beiden riesigen Wandgemälde von Marc Chagall, genannt „The Triumph of Music“ und „The Sources of Music“. Den Wert der mehrere Stockwerke hohen Kunstwerke von 1966, die auch durch die Fensterfronten von außen sichtbar sind, schätzt das Auktionshaus Sotheby’s auf 55 Millionen Dollar. Der Käufer müsste sich allerdings auf die Bedingung einlassen, dass die Werke im Foyer hängen blieben und er nur durch eine Namenstafel geehrt würde. Eine solche Konstruktion wäre in den USA ungewöhnlich, ließe sich aber über juristische Klauseln zu Dauerleihgaben absichern.
Gelb will das Opernhaus auch öfter für Popkonzerte oder Musicals vermieten. Im Sommer wird hier Sting mit „The Last Ship“ gastieren, einem Musical über den Untergang der Schiffbauindustrie in England. Gelb verteidigte seine Entscheidungen im Interview mit der „Times“ als notwendig. Der Intendant steht schon länger in der Kritik – das Haus verliert nach Meinung vieler Beobachter an Relevanz, es werde nicht gut gemanagt. Das Stiftungsvermögen soll in der Krise indes nicht weiter angetastet werden. Seit 2022 hatte die Verwaltung bereits 120 Millionen Dollar aus dem ursprünglich 218 Millionen Dollar schweren Fonds entnommen.
Bevor sie weiter an diese Substanz geht, könnte die Oper auch die Namensrechte für ihr Gebäude verkaufen, wie das zwei Säle im Lincoln Center taten. Das David H. Koch Theater, in dem das New York City Ballett zu Hause ist, ist nach dem verstorbenen Milliardär und Großspender der Republikaner benannt. Der Name der David Geffen Hall, Heimat der Philharmonie, ehrt den Musik- und Filmproduzenten. Der Vorstand der Met hat der „Times“ zufolge bereits eine Agentur beauftragt, die nach möglichen Unternehmenspartnern suche. Nicht ausgeschlossen, dass die 1883 gegründete Oper, die vor 1966 weiter südlich residierte, eines Tages zumindest offiziell ihren Namen ändert – in Coca-Cola-, Amazon- oder Michael-Bloomberg-Oper vielleicht.

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