Das Areal am Bogensee nordöstlich von Berlin liegt vielen am Herzen und auf der Seele. Der Berliner Senat, den der Unterhalt der dortigen Gebäude jährlich eine Viertelmillion Euro kostet, möchte es gern loswerden, die benachbarte Gemeinde Wandlitz will es unbedingt erhalten, der Bund hat für den Fall eines sinnvollen Nutzungsplans seine Unterstützung angekündigt. Private Investoren aus aller Welt haben ihr Interesse signalisiert, von Rechtsextremen über harmlose Spinner („I would love to have a house in Germany“) bis zu jüdischen Organisationen; die „New York Times“, die „Jerusalem Post“, sogar Al Jazeera hat berichtet.
Warum der Hype? Weil das Gelände historisch doppelt kontaminiert ist. Joseph Goebbels hat dort in einem Blockhaus seine schauspielende Geliebte Lída Baarová empfangen und später mit seiner Familie eine protzige Villa bewohnt; die DDR errichtete ab 1950 daneben die Jugendhochschule „Wilhelm Pieck“, eine Kaderschmiede der FDJ. Nach 1990 wurden die Großbauten im stalinistisch-klassizistischen Stil als Kongresszentrum genutzt, seit 2001 stehen sie leer. Und jetzt hat es dort gebrannt.
Einzentrales Gebäude ist zerstört: ein Löschkran der Feuerwehr am BrandortdpaIn der Nacht zum Donnerstag fing der Dachstuhl des zentralen Lektionsgebäudes Feuer, der Bau ist größtenteils zerstört, die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung. Ein Verbrechen aus Eigennutz, ein „warmer Abriss“, wie es im Volksmund heißt? Wohl nicht, es sei denn, die Täter hatten es nur auf den sozialistischen Teil des historischen Erbes abgesehen. Denn die Goebbels-Villa ist unbeschädigt geblieben, so wie übrigens auch die anderen, einst als Sporthalle, Internat, Gemeinschaftshaus und Kantine dienenden Gebäude der FDJ-Hochschule.
Allein die Sanierungskosten werden auf 300 Millionen geschätzt
Aber die Brandstiftung hat ihr Ziel dennoch erreicht, denn sie richtet die Fackel auf ein Problem, das mit den üblichen politischen Mitteln nicht lösbar ist. Für eine ökonomisch rentable Nachnutzung ist das Areal zu groß und zu abgelegen, allein die Sanierungskosten der von Schimmel befallenen DDR-Bauten werden auf 300 Millionen Euro geschätzt. Und ein Verkauf des offenbar gut erhaltenen Goebbels-Anwesens verbietet sich schon wegen der Gefahr, dass die toxische Nazi-Idylle auf Umwegen in falsche Hände geraten könnte. Ein Abriss der FDJ-Gebäude wäre volkswirtschaftlich sinnvoll, müsste aber gegen den Denkmalschutz vor Gericht und gegen die erstarkende Linke im Abgeordnetenhaus erstritten werden.
Aber soll man wirklich das Erbe der DDR plattmachen und die Villa des Reichspropagandaministers stehen lassen? Es gibt historische Hinterlassenschaften, die man zum Teufel wünscht. Das Areal am Bogensee gehört dazu.

vor 2 Stunden
2








English (US) ·