News: Treffen der »Koalition der Willigen« für Ukraine, Eskalation zwischen USA und Iran, Brandanschlag auf Zugstrecke Köln-Düsseldorf

vor 2 Tage 3

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Die harten Jungs nicht allein reden lassen

Die »Koalition der Willigen« wurde voriges Jahr auf Initiative des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und des britischen Premierministers Keir Starmer ins Leben gerufen, um die Ukraine militärisch und politisch zu stärken und um für Tag X bereit zu sein (mehr dazu hier ). Dann, wenn der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine zu einem Ende kommt, wollen die Europäer ihre Rolle bei Sicherheitsgarantien und der Bereitstellung möglicher Sicherungstruppen geklärt haben.

Staats- und Regierungschefs der »Koalition der Willigen« und der ukrainische Präsident Selenskyj im Mai 2025 bei einem gemeinsamen Telefonat mit US-Präsident Trump

Staats- und Regierungschefs der »Koalition der Willigen« und der ukrainische Präsident Selenskyj im Mai 2025 bei einem gemeinsamen Telefonat mit US-Präsident Trump

Foto:

Mstyslav Chernov / AP

Die Koalition hat auch die Funktion, sich als Europa in einer Welt zu behaupten, in der die richtig harten Jungs womöglich mal wieder auf die Idee kommen, die Dinge unter sich ausmachen zu wollen. Die Koalition formierte sich auch als Reaktion darauf, dass US-Präsident Donald Trump nach Amtsantritt Anfang 2025 begann, allein mit dem russischen Machthaber Wladimir Putin zu telefonieren.

Es gibt bereits viele politische Absichtserklärungen, und es ist unabdingbar, dass die europäischen Regierungen sich und ihre Gesellschaften auf die kommenden militärischen Aufgaben vorbereiten – es wird um nichts weniger gehen als um die Sicherung des Friedens in Europa. Auch darüber dürften die vorwiegend europäischen Staats- und Regierungschefs der Koalition heute in Paris sprechen, wenn sie sich zu Beratungen treffen. Doch noch ist vollkommen unklar, wann dieser Tag X eintreten wird. Die Realität in der Ukraine jetzt, heute, scheint sehr weit weg von diesem Tag. Und der Kreml zeigt wenig Interesse an einem Kriegsende.

In dieser Realität eskaliert die russische Kriegsmaschinerie und terrorisiert die ukrainische Zivilbevölkerung. Die ukrainische Flugabwehr ist zusehends überfordert, es fehlt an Munition für die Abwehrsysteme. Am Wochenende gab es erneut schwere Angriffe (mehr dazu hier) mit Raketen, Drohnen, Gleitbomben, betroffen waren unter anderem die Regionen Sumy, Odessa, Slowjansk, Saporischschja und Kyjiw mit mehreren Toten und Verletzten, den Angaben nach darunter auch ein Kind.

Zudem trauert Präsident Wolodymyr Selenskyj um den am Sonnabend überraschend verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham, der als einer der größten Unterstützer der Ukraine im US-Senat galt. Noch am Donnerstag feierte er Geburtstag, am Freitag war er in Kyjiw (lesen Sie hier  einen Nachruf).

Das Regime steht stabil

Sechs Tage lang trug das iranische Regime für alle Welt sichtbar und so gar nicht islamisch-bescheiden ihren getöteten Obersten Führer Ajatollah Ali Khamenei zu Grabe – es sollte nicht die einzige Machtdemonstration sein. Denn mehr als um Trauer ging es der Führung darum, zu zeigen, dass sie auch nach vier Monaten Dauerbombardierung durch die mächtigsten Armeen der Welt stabil steht. Nicht alle Anhänger goutieren das – offenbar konnten sich Präsident Masoud Pezeshkian und Außenminister Abbas Araghchi gerade so vor einem wütenden Mob retten (mehr dazu hier ).

 Weder ein Vor, noch ein Zurück im Konflikt

Regimeanhängerin während der Trauerzeremonie für Revolutionsführer Khamenei: Weder ein Vor, noch ein Zurück im Konflikt

Foto: Vahid Salemi / AP / dpa

Noch bevor der Revolutionsführer unter die Erde seiner Geburtsstadt Maschhad gebettet wurde, gingen die gegenseitigen Angriffe wieder los, US-Präsident Donald Trump erklärte das Mitte Juni vereinbarte Rahmenabkommen mit den Iranern für hinfällig – und damit auch die Waffenruhe (nachdem Iran zuvor Tanker in der Straße von Hormus angegriffen hatte). Auf US-Angriffe antwortete Iran seinerseits mit Attacken auf amerikanische Militäreinrichtungen in der Region.

Es scheint derzeit weder ein Vor noch ein Zurück zu geben. Wie es mit den Verhandlungen weitergeht, ist derzeit offen, am Samstag reiste Araghchi zu Gesprächen nach Oman, zunächst hieß es, dass auch eine amerikanische Delegation unter Leitung von US-Vize JD Vance kommen würde. Doch offenbar wurde die Reise dann abgesagt.

Die gute Nachricht: Die Weiterführung des heißen Konflikts würde die Parteien »nicht in eine grundlegend andere Lage versetzen als die, in der sie sich jetzt befinden«, sagt etwa Iranexperte Ali Vaez (das Interview mit ihm lesen Sie hier ). Die Logik laute: Keine Seite könne ihre Ziele mit militärischen Mitteln erreichen. Die schlechte Nachricht: Die Kontrolle über die Meerenge von Hormus ist mittlerweile zum wichtigsten Druckmittel des iranischen Regimes geworden – die Logik dürfte lauten: es nicht mehr aus der Hand zu geben.

Die Verwundbarkeit der kritischen Infrastruktur

Der Notruf kam am Freitag: Kurz hinter Leverkusen stiegen an zwei Stellen aus Kabelschächten auf der Strecke zwischen Köln und Düsseldorf, einer der wichtigsten Bahnverbindungen Deutschlands, Flammen auf. Schnell war klar, dass es sich um einen Sabotageakt handeln könnte, der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. Die Folge des mutmaßlichen Brandanschlags: Die Strecke war mehr als einen Tag lahmgelegt. Tausende Reisende mussten darunter leiden, bei hohen Temperaturen. Es kam zu massiven Verspätungen und Zugausfällen.

 Was ist links daran, Menschen in Gefahr zu bringen?

Feuerwehr bei Löscharbeiten in Langenfeld in Nordrhein-Westfalen: Was ist links daran, Menschen in Gefahr zu bringen?

Foto: Patrick Schüller / dpa

Bilder von der Tatumgebung legen nahe, dass die bislang unbekannten Täter es nicht sehr schwer hatten, an die Gleise zu kommen, ein steiler Pfad könnte ihnen den Weg geebnet haben. Am Sonnabend wurde auf der linksradikalen Szeneplattform Indymedia ein mutmaßliches Bekennerschreiben der Gruppe »Kommando Angry Birds« veröffentlicht, kurioserweise unter dem Thema »Ökologie«. Darin heißt es (im Stakkato-Telegramm-Stil): »Wir befinden uns mitten in einem Massensterben. Wird es nicht aufgehalten, wird ihm über kurz oder lang auch die Menschheit zum Opfer fallen.« Den Grund für das Massensterben sehen die Verfasser in der »technologischen Eskalation«, der Planet werde »geschreddert«, die industrielle Technologie müsse beseitigt werden, auch durch Sabotageakte. Immerhin bedanken sie sich bei der Feuerwehr für die Eindämmung des Brandes.

Es bleiben Fragen. Wie links es ist, Menschen in Gefahr zu bringen; wie gut, oder besser gesagt: wie schlecht unsere kritische Infrastruktur geschützt ist; und warum sich die Öko-Saboteure eines der klimafreundlicheren Fortbewegungsmittel ausgesucht haben, sind nur drei.

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Gewinner des Tages…

…ist Murat Yakın, Nationaltrainer der Schweiz. Er hat nicht nur sein Land nach 72 Jahren erstmals wieder bis zu einem Viertelfinale bei einer Weltmeisterschaft gebracht. Der Sohn türkischer Einwanderer, der als Arbeiterkind in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, hat auch noch eine extrem coole Brille und offenbar genug Humor, um sich über die Coolness ebenjener Brille lustig zu machen.

 Schweizer sind einfach keine Bösewichte

Schweizer Nationaltrainer Yakın: Schweizer sind einfach keine Bösewichte

Foto: Charlie Riedel / AP

Nachdem der britische Entertainer James Corden (bekannt aus »Carpool Karaoke«) Yakıns Look mit dem von Bösewichten und Gangstern aus dem James-Bond-Kosmos verglich, drehte der Schweizer Fußballverband kurzerhand ein Video mit seinem Nationaltrainer, um die Vorwürfe zu kontern. Die Kamera nähert sich dabei dem wie einst James-Bond-Superschurke Ernst Stavro Blofeld in einem Ledersessel sitzenden Yakın, der allerdings keine verstörte weiße Katze auf dem Schoß hat, sondern seinen Laptop und darauf Cordens Sendung schaut. »Wir Schweizer sind keine Bösewichte«, sagt Yakın dann. Böse Absichten habe er nur auf dem Platz, auf dem er die anderen Mannschaften schlagen wolle.

Nun ist die Schweiz gegen Argentinien ausgeschieden, was sicher keine Schande ist, aber von wohl kaum jemandem mehr bedauert wird als von der schweizerisch-türkischen Fraktion im Auslandsressort des SPIEGEL.

Heute bei SPIEGEL Extra: Wir sind hier alle eine Familie? Nichts wie weg!

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Zia Soleil / Stone / Getty Images

Du kannst mich doch nicht hängen lassen: Argumentieren Chefs mit Gefühlen, ist Vorsicht geboten. Denn was nach menschenzentrierter Führung klingt, kann schnell in emotionale Manipulation umschlagen. So können sich Betroffene wehren .

Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag.

Ihre Özlem Topçu, Leiterin des SPIEGEL-Auslandsressorts

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