Die Lage am Abend Jugend, grüß mir die Sonne!
25.03.2026, 18.17 Uhr
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1. Viele in der jungen Generation sorgen sich um die Wirtschaft – und die Rente
Junge Menschen bei einem Musikfestival in Bad Aibling, Bayern
Foto: Wirestock / IMAGO»Überall ist es besser, wo wir nicht sind« heißt ein schöner Film des deutschen Regisseurs Michael Klier aus dem Jahr 1989, in dem es um den Aufbruch zweier junger Menschen in die Ferne geht. Heute berichten meine Kolleginnen Helene Flachsenberg und Silke Fokken über die aktuelle Ausgabe der Trendstudie »Jugend in Deutschland«. Demnach hofft ein Fünftel der jungen Menschen, die in Deutschland leben, im Ausland bessere Bedingungen zu finden, und plant sogar konkret, das Land zu verlassen. Vier von zehn Befragten können sich grundsätzlich vorstellen, auszuwandern. (Lesen Sie hier mehr. )
Die Jobchancen sind mau, Wohnungen knapp und teuer. Die Mehrheit der jungen Menschen ist laut Studie zwar sehr zufrieden mit der Lebensqualität in Deutschland, stark unzufrieden sind jedoch viele mit der wirtschaftlichen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt. Zu den größten Sorgen der jungen Generation gehören neben den Kriegen in Europa und Nahost, Inflation, Staatsverschuldung und der Tatsache, dass Donald Trump Präsident der USA ist, das Thema Rente.
Stark zugenommen hat der Anteil der 14- bis 29-Jährigen, die von Depressionen berichten. Er stieg innerhalb eines Jahres um fünf Prozentpunkte auf 25 Prozent. Mädchen und junge Frauen fühlen sich den Ergebnissen zufolge im Schnitt deutlich häufiger psychisch belastet als Jungen und junge Männer.
»Die Studie ist wahrhaftig nicht der erste Weckruf. Sie zeigt erneut, dass den Sorgen und Interessen junger Menschen zu oft Ignoranz entgegenschlägt«, sagt meine Kollegin Silke Fokken. »Die Politik muss hier grundsätzlich umsteuern. Ein erster, kleiner Schritt könnte sein, flächendeckend Mental Health Coaches an Schulen zu schicken. Angesichts der Zahlen zur psychischen Belastung finde ich verheerend, dass der Bund ein entsprechendes Modellprogramm eingestellt hat.«
Lesen Sie hier mehr: Jeder fünfte junge Mensch in Deutschland denkt ans Auswandern
2. Deutschland sollte mehr für Prävention tun, damit Krankheiten erst gar nicht entstehen
Das deutsche Gesundheitssystem ist teuer und besonders komplex. Weil Gesundheitspolitik Bund- und Ländersache ist, reden insgesamt 17 Ministerien mit. 2024 machten 66 Prozent der deutschen Krankenhäuser Verluste, 2025 dürfte der Anteil weiter gestiegen sein.
Meine Kollegen Benjamin Bidder, Matthias Kaufmann und Martin U. Müller schreiben heute darüber, was im deutschen Gesundheitssystem schiefläuft und wie zumindest einige der Probleme zu lösen wären. (Hier mehr dazu. )
Die durchschnittlichen Krankenkassenbeiträge der gesetzlich Versicherten sind zuletzt jedes Jahr gestiegen, noch schneller steigen die Ausgaben der Kassen. Sie sind 2025 auf über 352 Milliarden Euro angewachsen, 25 Milliarden Euro mehr als im Jahr zuvor. »Kein Bereich des deutschen Gesundheitswesens verschlingt so viel Geld wie die Krankenhäuser«, berichten meine Kollegen. »In den Kliniken sind vor allem die Personalkosten ausgeufert.« Sie machten rund 60 Prozent der Klinikausgaben aus.
Die von den Kollegen befragten Experten schlagen unter anderem eine Reform der Abrechnung nach dem sogenannten Pflegebudget zur Senkung der Klinikkosten vor. Sie empfehlen dem deutschen Gesundheitssystem die Reduzierung von Doppel- und Dreifachuntersuchungen. Außerdem ließen sich die Kosten der Kassen auch durch eine Absenkung der Mehrwertsteuer auf Arzneimittel in Deutschland von 19 auf 7 Prozent senken.
Der einfachste Beitrag zum Eindämmen der Gesundheitskosten wäre allerdings, wenn Deutschland mehr unternehmen würde, um zu vermeiden, dass Krankheiten überhaupt entstehen; etwa durch Rauchen. »95 Prozent der Ausgaben fließen in die Therapie, aber nur etwa fünf Prozent in die Prävention«, sagt einer der befragten Fachleute. Es fehle an politischem Willen, gesunde Lebensweisen zu fördern. Auf dem 2025 erhobenen Public Health Index europäischer Länder landete die Bundesrepublik weit hinten. »An der Spitze stehen unter anderem Briten, Skandinavier und Franzosen«, so meine Kollegen. »Sie alle greifen zu schärferen Maßnahmen gegen gesundheitsschädigendes Verhalten.«
Lesen Sie hier mehr: Das steckt hinter dem Kostenschock der Krankenkassen
3. Der Kanzler hat provoziert – auf für ihn typische Art
In Fußballstadien wird immer mal wieder im Chor der Zuversichtsgesang »Jetzt geht’s loohoos!« angestimmt, und im Grunde liefen viele Redebeiträge von Friedrich Merz in seinem ersten Jahr als Bundeskanzler auf diese Parole hinaus. Heute hat sich der Kanzler im Bundestag den Fragen von Mitparlamentariern gestellt, für die angeblich nun aber wirklich anstehenden Reformen seiner Regierung geworben und mit einer Äußerung über das angebliche Ausmaß von Gewalt durch Zuwanderer für zornigen Protest gesorgt. (Mehr dazu hier.)
Mit seiner Äußerung während der Regierungsbefragung reagierte Merz auf die Frage einer Abgeordneten nach den Vorhaben der Regierung zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Die aktuelle Diskussion darüber ist nach der SPIEGEL-Berichterstattung über den Fall Collien Fernandes entbrannt. (Lesen Sie hier die SPIEGEL-Titelgeschichte. )
Den Vorwurf, dass er sich zum Thema digitale Gewalt nicht selbst äußere, wies Merz zurück. Er wolle »festhalten, dass nicht nur die Frauen in diesem Land über dieses Thema diskutieren und sprechen, sondern auch viele Männer – und ich gehöre dazu«. Es gebe eine »explodierende Gewalt« in der deutschen Gesellschaft, sowohl im analogen wie im digitalen Raum, so der Kanzler. »Und dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt.«
»Das war ein typischer Merz«, sagt mein Kollege Christian Teevs über den Auftritt des Kanzlers im Bundestag. »Immer wieder rutschen dem Kanzler solche provozierenden Sätze heraus. Vielsagend war die begeisterte Reaktion der AfD-Abgeordneten. Ich unterstelle Merz keine ausländerfeindlichen Ressentiments, aber so ungeschickte Äußerungen sollten einem Kanzler nicht so häufig passieren.«
Lesen Sie hier mehr: Merz nennt Zuwanderung als eine Ursache für »explodierende Gewalt«
Was heute sonst noch wichtig ist
Ungarn will Gaslieferungen an Ukraine schrittweise einstellen: Ungarn zählt zu den wichtigsten Gaslieferanten der Ukraine. Nach den eingestellten Öllieferungen durch die Druschba-Pipeline kündigt Viktor Orbán nun an, kein Gas mehr an das von Russland angegriffene Land liefern zu wollen.
Münchens abgewählter Oberbürgermeister Reiter offenbar schwer erkrankt: Nach seiner Wahlniederlage in München berichtet der scheidende Oberbürgermeister Dieter Reiter über eine ernste Erkrankung am Herz-Kreislauf-System. Die Amtsgeschäfte übernimmt sein Nachfolger nun früher als geplant.
Im Amt bestätigter Bürgermeister gesteht Wahlfälschung: Es ist ein schwerwiegender Verdacht: Der Bürgermeister von Wülfershausen an der Saale soll Stimmzettel verfälscht haben. Bei einer Vernehmung hat er laut Staatsanwaltschaft nun Manipulationen eingeräumt.
Mein Lieblingsinterview heute: »Den Wal zu erschießen oder ihn zu sprengen ist auch keine gute Option«
Sea Shepherd
Vor dem Badeort Niendorf an der Ostsee ist in der Nacht zu Montag ein Buckelwal gestrandet; und meine Kolleginnen Julia Köppe und Lea Rossa interviewen den Meeresökologen Joseph Schnitzler, der die Hoffnung nicht aufgeben will, dass der gestrandete Wal noch zu retten ist. »Der Wal ist relativ fit, sein Ernährungszustand gar nicht so schlecht«, sagt der Mann, der wie viele andere Menschen dem Wal zu helfen versucht. Der Wal liege relativ günstig in einer Mulde, sodass er nicht akut gefährdet sei – er könnte angeblich noch Tage, vielleicht sogar Wochen überleben, wenn er nicht schwer krank ist. Meine Kolleginnen fragen den Experten, für wie sinnvoll er Walrettungen grundsätzlich halte. Schnitzlers Antwort: Es lohne sich, alles zu versuchen, auch im Sinne des Artenschutzes. »Die Bestände haben sich zwar erholt, aber Wale sind noch immer bedroht.«
Lesen Sie hier die ganze Geschichte: »Den Wal zu erschießen oder ihn zu sprengen ist auch keine gute Option«
Was heute weniger wichtig ist
Talkmaster Colbert: »Ab Sommer habe ich Zeit«
Foto:Lloyd Bishop / NBC / Getty Images
Tolkien statt Talkmastern – Stephen Colbert, 61, Comedian und Fernsehtalker, darf das Drehbuch für einen neuen »Herr der Ringe«-Film schreiben. Von dem neuseeländischen Starregisseur und Filmproduzenten Peter Jackson hatte er bereits vor längerer Zeit grünes Licht fürs Verfassen eines Scripts nach Texten des Autors J.R.R. Tolkien bekommen, nun wird Colbert am 21. Mai zum letzten Mal seine vom US-Sender CBS abgesetzte Late-Night-Show moderieren. »Ich dachte nicht, dass ich die Zeit dafür haben würde«, so Colbert über seinen Tolkien-Job. »Aber wie sich herausstellt, werde ich ab diesem Sommer Zeit haben.«
Aus der »WAZ«
Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.
Klaus Stuttmann
Luna Bülent Ersahin in Kopenhagen 2026
Foto: Gonzales Photo / Erling Brodersen / picture allianceKönnten Sie, wenn Sie in Berlin leben, das Konzert der aus Dänemark stammenden Band AySay in dem Kreuzberger Club Gretchen besuchen .
Ich war gestern beim Konzert von AySay im Hamburger Knust und wirklich begeistert von der Band mit der Sängerin und Bağlama-Spielerin Luna Bülent Ersahin, die auf mitreißende Weise anatolischen Folk mit nordischem Elektropop verbindet. Natürlich kann man sich die Musik von AySay auch bei Streamingdiensten anhören, am Freitag erscheint ein neues Album unter dem Titel »Mal«.
Einen schönen Abend. Herzlich
Ihr Wolfgang Höbel, Autor im Kulturressort

vor 3 Stunden
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