News des Tages: Epstein-Files, Donald Trump schließt Kennedy Center, Marius Borg Høiby

vor 1 Tag 1

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1. Eine echte Männerfreundschaft

Das US-Justizministerium hat die aus Behördensicht letzte Tranche an Ermittlungsakten zum Fall Jeffrey Epstein veröffentlicht : mehr als drei Millionen Seiten, 2000 Videos und beinahe 200.000 Fotos. Darin geht es am Rande auch immer wieder um die deutsche Politik, wie meine Kollegen Timo Lehmann und Marc Röhlig herausgefunden haben .

So schrieb etwa Stephen Bannon an dem Tag, als Theresa May ihren Rücktritt als britische Premierministerin ankündigte, an Epstein: »May weg; Merkel und Macron am Montag«. Bannon war früher ein wichtiger Berater von US-Präsident Donald Trump. Am Montag – also am Tag nach den EU-Parlamentswahlen im Mai 2019 – werde die deutsche Kanzlerin »rausgeworfen«, frohlockte er in einer Nachricht. Die AfD liege in Deutschland mittlerweile bei 13 Prozent in den Umfragen. Es kam dann bekanntermaßen anders, Merkel blieb bis 2021 im Amt.

Die Unterlagen legen nahe, dass die Freundschaft Bannons und Epsteins deutlich tiefer ging, als bislang bekannt. Und sie zeigen die Dynamik der beiden Männer: Mal ging es ernsthaft zu, mal eher zotig. 2018 etwa schickte Epstein Bannon ein Merkel-Zitat, in dem sie sich über das Thema Migration als mögliche Sprengkraft für Europa äußert. »Rieche die Angst«, kommentierte Bannon. Dann wechselten die Männer das Thema hin zu gemeinsamen Reiseplänen, Epstein lud Bannon und eine »Ms Miller« ein – »oder wen du sonst auswählst«. Bannon antwortete, genannte Frau Miller »pausiere« derzeit – woraufhin Epstein witzelte, Bannon habe sicher eine »gut gefüllte Ersatzbank«.

2. Trump macht Leuchtturmprojekt dicht

Eigentlich gibt es genügend Baustellen auf der Welt, mit denen sich US-Präsident Donald Trump beschäftigen muss. Dennoch hat er jetzt eine neue Baustelle angekündigt und zwar im Wortsinn: Das prestigeträchtige Kennedy-Center in Washington soll im Sommer wegen Renovierungsarbeiten für zwei Jahre schließen.

Trump scheint wie besessen von dem Veranstaltungsort, in dem Konzerte, Opern, Musicals, Ballettaufführungen und interaktive Kunst zu sehen sind, und betont seit Langem, das Bauwerk sei marode. Im vergangenen Jahr besetzte er bereits das Direktorium neu und ließ sich selbst zum Vorsitzenden wählen. Im Dezember dann ließ er seinen eigenen Namen an die Außenwand des Kulturzentrums schrauben. Mein Kollege Sebastian Hammelehle, der das Center besucht hat, schrieb: »Kulturpolitisch ist das Kennedy Center nun, was der Nahe Osten und die Ukraine für die Außenpolitik bedeuten und die Zölle für den internationalen Handel: das Leuchtturmprojekt eines Präsidenten, der glaubt, als starker Mann die Welt so formen zu können, wie es seinen Launen entspricht«. (Lesen Sie hier Sebastians Text ).

Leider läuft es nicht so mit dem Leuchtturm: Die Kartenverkäufe sind eingebrochen, viele Kulturschaffende distanzieren sich. Zuletzt erklärte der bekannte Komponist Philip Glass, dass er die Uraufführung seines Werks »Lincoln« im Kennedy Center abgesagt habe (mehr dazu hier). Unter der aktuellen Führung würden Werte vertreten, mit denen er sich nicht arrangieren könne.

Praktischerweise spielt all das keine Rolle mehr, wenn das Center dann ohnehin geschlossen ist.

3. Marius Borg Høiby schon wieder festgenommen

Morgen soll der Prozess gegen den Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius Borg Høiby, beginnen. Heute wurde bekannt, dass der 29-Jährige am Sonntag festgenommen wurde. Mal wieder, muss man sagen. Laut Polizei geht es um neue Vorwürfe: mutmaßliche Körperverletzung, Bedrohung mit einem Messer und einen Verstoß gegen ein Kontaktverbot (hier mehr über die neuen Vorwürfe).

Høiby steht ab morgen unter anderem wegen Vergewaltigung und körperlicher und psychischer Misshandlung mehrerer früherer Partnerinnen vor Gericht. Die Anklage umfasst 38 Punkte, ihm drohen bis zu 16 Jahre Gefängnis.

Einige Punkte hatte er im Sommer 2024 bereits eingeräumt; vor allem die Anschuldigungen zu den Sexualdelikten bestreite er aber entschieden, sagte einer seiner Verteidiger später.

Die schweren Vorwürfe gegen Høiby und sein ausufernder Lebensstil bringen das norwegische Königshaus seit Monaten in Bedrängnis; eigentlich stellt sich die Familie sehr bodenständig dar, postet Fotos von Wanderungen und Charity-Aktionen. Dennoch zeigen sich die norwegischen Royals immer wieder an Høibys Seite, berichtet meine Kollegin Annina Metz, und betonen, dass Marius weiterhin zur Familie gehöre. Teil ihrer Kommunikationsstrategie sei es aber auch, immer wieder auf das Leid der Opfer hinzuweisen. Annina findet das »bemerkenswert« und »wichtig«.

Was heute sonst noch wichtig ist

  • ADAC-Verkehrspräsident plädiert für höheren Spritpreis, jetzt ist er seinen Job los: In einem Interview hat sich ADAC-Verkehrspräsident Hillebrand für höhere CO₂-Abgaben ausgesprochen. Das Echo war heftig, zumindest bei einem Teil der Autofahrer. Nun wird der Funktionär abgelöst.

  • Rita Süssmuth wird mit Staatsakt geehrt: Über Jahrzehnte prägte Rita Süssmuth die deutsche Politik. Nach ihrem Tod wird der ehemaligen Bundestagspräsidentin eine besondere Ehre zuteil.

  • Schifffahrtsamt-Mitarbeiterin verweigert Gendern und verliert ihren Job – ist das rechtens? Weil sie beim Verfassen einer Strahlenschutzanweisung keine geschlechtergerechte Sprache genutzt hat, kündigte eine Behörde ihrer Mitarbeiterin. Nun wird der Fall am Hamburger Landesarbeitsgericht verhandelt.

Meine Lieblingsgeschichte heute: Geht ein Psychologe ins Kino...

 Ein Gefühl namens Kama Muta

Zuschauer im Kino: Ein Gefühl namens Kama Muta

Foto: Pressmaster / Getty Images

Kennen Sie das plötzliche Gefühl von Verbundenheit, Liebe, Zugehörigkeit oder Einheit – mit einer einzelnen Person, einem Team oder Gott? Die Wissenschaft hat dafür erst kürzlich einen Namen gefunden, »Kama Muta«, angelehnt an das indische Sanskrit für »von Liebe bewegt«. Meine Kollegin Julia Köppe erklärt, wie es dazu kam.

Was heute weniger wichtig ist

Meryl Streep (l.) und Anne Hathaway in ihren Filmrollen in »Der Teufel trägt Prada 2«

Meryl Streep (l.) und Anne Hathaway in ihren Filmrollen in »Der Teufel trägt Prada 2«

Foto: Supplied by LMK / Landmark Media / IMAGO

Man sieht sich immer zweimal: Im Mai läuft der Film »Der Teufel trägt Prada 2« an, nun wurde der erste Trailer veröffentlicht. Und offenbar spielen alle aus Teil eins (2006) bekannten Gesichter auch in der Fortsetzung eine große Rolle. In dem Clip ist zu sehen, wie die Schauspielerin Anne Hathaway, 43, als Andy Sachs in die Redaktionsräume des Modemagazins »Runway« zurückkehrt, wo sie damals arbeitete. Geleitet wird das Magazin nach wie vor von Miranda Priestly (Meryl Streep, 76). Im Trailer fragt Priestly verwirrt: »Entschuldigung, wer ist das? Kennst du sie? Kenne ich sie?« »Sie war eine der Emilys«, wird ihr erklärt – also eine der von Priestly pauschal als »Emily« bezeichneten Assistentinnen.

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Werbeplakate in der U-Bahn-Station Rathaus Neukölln in Berlin

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Entdecken Sie hier noch mehr Cartoons.

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Klaus Stuttmann

Gestern wurden die Grammys verliehen. Die Musikpreisverleihung war politischer als sonst, schreibt mein Kollege Jurek Skrobala hier . Aber eines war wie im vergangenen Jahr: Der Rapper Kendrick Lamar gewann die meisten Preise, insgesamt fünf, und ist damit der am häufigsten ausgezeichnete Rapper in der Geschichte der Grammys. Sie könnten sich heute Abend also das prämierte Album »GNX« anhören (hier die Kritik  meines Kollegen Andreas Borcholte). Oder Sie hören »DeBÍ TiRAR MáS FOToS« von Bad Bunny, das in der wichtigsten Kategorie Bestes Album gewonnen hat. Das macht gute Laune bei diesem deutschen Winterwetter, versprochen. Außerdem können Sie dann mitreden, wenn nächste Woche alle über Bad Bunnys Halbzeitshow beim Super Bowl diskutieren.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend. Herzlich
Ihre Laura Backes, Autorin

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