Neuregelung für Passfotos: Das ändert sich ab Mai

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Neue Regelung Aus für Passfotos auf Papier – das müssen Sie wissen

Schluss mit Drucken und Einscannen: In Zukunft sind klassische Bahnhofsautomaten tabu, Passbilder werden nur noch von lizenzierten Fotografen oder von Terminals bei den Behörden akzeptiert. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

02.04.2025, 17.22 Uhr

 Für Passfotos bald tabu

Fotoautomat in Köln: Für Passfotos bald tabu

Foto: Gladys Chai von der Laage / Chai von der Laage / IMAGO

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In die Drogerie oder ins Fotostudio gehen und sich ein Passbild ausdrucken lassen: Das wird ab dem 1. Mai nicht mehr uneingeschränkt möglich sein. Die Bundesregierung führt neue Regeln für Lichtbilder für Pässe und Personalausweise ein. In Zukunft sollen diese nur noch digital erstellt und über eine Cloud direkt an die zuständigen Ämter übermittelt werden. Dort wird dann auch überprüft, ob es sich um ein biometrisches Foto handelt.

Was ist nicht mehr erlaubt?

Bilder, bei denen kein sicherer digitaler Transfer garantiert ist, dürfen künftig nicht mehr verwendet werden. Das gilt also auch für gedruckte Fotos, die eigenhändig in die Behörde gebracht, dort ausgeschnitten und eingescannt werden. Dabei ist es egal, ob diese vom Fotografen, von einem Drogeriemarkt mit Passfoto-Service, aus einer App für biometrische Lichtbilder oder aus einem Fotoautomaten stammen.

Der Grundstein für die Regelung wurde schon Ende 2020 gelegt. Damals ist das »Gesetz zur Stärkung der Sicherheit im Pass-, Ausweis- und ausländerrechtlichen Dokumentenwesen« veröffentlicht worden. Das Bundesinnenministerium wurde darin ermächtigt , Regelungen für die Qualitätssicherung und die sichere Übermittlung von Lichtbildern zu treffen.

Warum das Ganze?

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums soll mit der neuen Regelung unter anderem gegen Morphing vorgegangen werden. So nennt sich eine Manipulationstechnik, bei der zwei oder mehr biometrische Lichtbilder zu einem Foto verschmolzen werden. Es ist dann nicht mehr möglich, klar zu unterscheiden, um welche Person es sich handelt. Ein Pass kann dann von mehreren Menschen missbraucht werden. Laut Innenministerium kann es so etwa zu unerlaubten Grenzübertritten kommen.

Zudem lässt sich der Qualitätsverlust vermeiden, der durch das Ausdrucken und nachfolgende Scannen von Fotos entsteht. Und nicht zuletzt ist die Umstellung auch ein Schritt zu mehr Digitalisierung und Bürokratieabbau in Deutschland.

Wo gibt es die neuen Passbilder?

Bürger und Bürgerinnen sollen mit der Umsetzung der neuen Regelung entscheiden können, ob sie ihr Foto direkt in der Behörde oder bei einem externen Dienstleister, etwa einem Fotostudio, anfertigen lassen.

»In den Behörden wird es die Möglichkeit geben, das Passbild machen zu lassen«, schreibt das Bundesinnenministerium auf seiner Website. Dafür sollen spezielle Fototerminals zum Einsatz kommen, an denen man, ähnlich wie in Fotoboxen, selbst ein biometrisches Bild aufnehmen und weiterleiten kann. Dies soll allerdings unter Aufsicht eines Mitarbeiters geschehen. Einem Bericht der Deutschen Welle  zufolge hat die Bundesdruckerei angekündigt, 8000 dieser Geräte an die bundesweit 5500 Pass- und Ausweisbehörden liefern zu können. Jede Kommune soll demnach ein Angebot erhalten haben. Wie viele Terminals bereits installiert wurden, ist unklar.

Das Behördenfoto soll sechs Euro kosten und kann nicht nur für Reisepässe und Personalausweise, sondern auch für den Führerschein genutzt werden. Die Anforderungen für die Biometrietauglichkeit bleiben unverändert.

Ab wann gilt die Regelung?

Ursprünglich sollten die gedruckten Fotos bereits zum 1. Mai aus dem Verkehr gezogen werden. Das Bundesinnenministerium rudert nun aber zurück: In Ausnahmefällen werden Papierlichtbilder bis zum 31. Juli akzeptiert. Zunächst hatte darüber die »Bild« berichtet .

»Das Einführungsdatum des digitalen Lichtbilds ist weiterhin der 1. Mai 2025«, schreibt ein Sprecher auf SPIEGEL-Anfrage. Für einige Wochen soll es aber eine Übergangslösung geben – etwa, wenn eine Bürgerin oder ein Bürger im April ein Lichtbild erstellen lässt, aber erst im Mai einen Termin im Bürgerbüro hat. »Sollte die Behörde keine eigene Technik zur Lichtbilderfassung vorhalten, könnte in diesem Fall das Papierlichtbild dennoch angenommen werden.«

Sofern es bereits ein Fototerminal gibt, die Person aber dennoch ein ausgedrucktes Bild dabeihat, soll vor Ort ein neues digitales Lichtbild erstellt werden. »Die Kommunen sind gehalten, in solchen Ausnahmefällen auf die Erhebung der Lichtbildgebühr zu verzichten«, heißt es weiter.

Schon vor dieser Fristverlängerung schien das Ministerium befürchtet zu haben, dass es an der Ausstattung hapern könnte. In einem Online-FAQ  hieß es zunächst, man solle selbst erfragen, ob in der gewünschten Behörde schon ein Fototerminal verfügbar ist. Falls nicht, müsse man vorerst auf andere Dienstleister zurückgreifen.

Was müssen externe Dienstleister beachten?

Fotostudios und Fotografen dürfen auch ab Mai bzw. August weiterhin Passbilder anbieten, wenn sie deren sicheren Transfer an die Behörde garantieren. Dafür müssen sie das Foto in eine spezielle Cloud hochladen, bei deren Betreiber sie sich vorher als Anbieter registriert haben. Die Kunden erhalten anschließend einen zweidimensionalen Code (Data-Matrix-Code), den sie beim Amt vorzeigen können. Darüber erhalten die Mitarbeiter Zugriff auf das digitale Foto.

Auch Drogeriemärkte können diesen Service nutzen. Eigenen Angaben zufolge stammt aktuell rund ein Drittel der biometrischen Passfotos in Deutschland von dm. Der Konzern teilte auf Anfrage des SPIEGEL mit, dass ab dem 1. Mai ein verschlüsselter, digitaler Fotoservice starten wird. Dieser sei in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik entwickelt worden. »Die dm-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter werden speziell für die Umsetzung des neuen Passbildverfahrens geschult«, heißt es. Zudem habe man Unterstützung für Kommunen angeboten, in deren Behörden noch keine Fototerminals bereitstehen.

Die Preise für die Passfotos können externe Dienstleister weiterhin selbst festlegen. Oftmals sind sie höher als bei den Fototerminals der Behörden.

Wie reagieren die Foto-Dienstleister?

Schon bei der Ankündigung der möglichen Neuregelung 2020 gab es Kritik. So warnte etwa der Centralverband Deutscher Berufsfotografen vor Umsatz- und Arbeitsplatzverlusten. Auf Druck verschiedener Berufsverbände wurde ein erster Gesetzentwurf zurückgezogen und eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, die in Abstimmung mit dem Bundesinnenministerium das Cloudsystem entwickelte.

Man habe die Mitgliedsbetriebe bereits seit vielen Monaten auf dieses neue Verfahren vorbereitet, so der Centralverband Deutscher Berufsfotografen gegenüber dem SPIEGEL. Für die Betriebe sei dies allerdings mit zusätzlichen Kosten verbunden: eine Gebühr pro Passfoto oder Investitionen in Soft- und Hardware. »Ein Dorn im Auge ist uns, dass die Bundesdruckerei offensiv in den Ämtern Passfoto-Terminals aufstellt und hierüber Passfotos zu Dumping-Preisen anbietet«, heißt es. »Damit greift ein Staatsunternehmen massiv in den Markt ein und schwächt die lokalen Fotostudios und Fotohändler.«

Was passiert mit alten Passbildern?

Für andere Ausweisdokumente können weiterhin Fotos in Papierform verwendet werden: etwa für Schwimm- oder Anglerausweise. Auch bei Führerscheinen werden vorerst noch ausgedruckte Fotos akzeptiert. Das Bundesinnenministerium empfiehlt zudem: »Alte Passbilder können Sie als Andenken aufbewahren.«

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