Im Herbst schwang sich PSG-Leihgabe Nordi Mukiele zur Topform auf. Doch zuletzt präsentierte sich der Verteidiger wieder fehlerhaft. Auch bei der 1:2-Niederlage im Pokal-Halbfinale in Bielefeld betrieb der 27-Jährige alles andere als Eigenwerbung.

Machte beim Pokal-Aus in Bielefeld (hier gegen Mael Corboz) meist keine gute Figur: Bayer-Verteidiger Nordi Mukiele. IMAGO/Noah Wedel
Außer Abwehrchef Jonathan Tah erreichte bei der Leverkusener Pokal-Pleite auf der Alm kein Feldspieler der Werkself auch nur annähernd seine Normalform. Während der deutsche Nationalspieler, der auch den Leverkusener Führungstreffer erzielte, seinen Job gut erledigte, erwischten seine beiden Nebenleute in der Dreier-Abwehrkette einen gebrauchten Tag.
Überraschend dabei: Piero Hincapie, eigentlich der Inbegriff von Konstanz und Verlässlichkeit, erlebte als linker Innenverteidiger einen desaströsen Abend, war an beiden Gegentreffern entscheidend beteiligt, ermöglichte durch einen weiteren Fehler zudem Arminia-Stürmer Noah Joel Sarenren Bazee eine Hundertprozentige, die Torhüter Lukas Hradecky aber glänzend vereitelte.
Für den ecuadorianischen Nationalspieler stellte der Dienstagabend einen ungewohnten Tiefpunkt dar, nachdem er noch am Freitag beim 3:1-Sieg im Bundesliga-Spiel gegen den VfL Bochum geglänzt hatte, obwohl er erst einen Tag zuvor vom Länderspieleinsatz aus Südamerika zurückgekehrt war. Die kicker-Note 4,5 bei der 0:3-Niederlage in der Champions League in München war Hincapies bislang schwächste Bewertung in dieser Saison. Doch selbst Hincapie kann unter diesem Extremstress offensichtlich nicht dauernd wie eine Maschine abliefern.

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vor 6 Stunden 14:49 Minuten
Während dieser schwarze Dienstag bei den Bayer-Verantwortlichen keine grundsätzlichen Fragezeichen aufwerfen wird, was Hincapies Klasse betrifft, ist die Situation bei Nordi Mukiele, dem rechten Innenverteidiger, differenziert zu betrachten. Der von PSG bis zum Saisonende nach Leverkusen verliehene Abwehrspieler stand in Bielefeld ebenfalls neben den Schuhen, auch wenn er bei den beiden Gegentreffern keine Schuld trug.
Doch der Franzose agierte wiederholt ungenau bei seinen Zuspielen, offenbarte spielerische Schwächen, schenkte Bayer nach der Pause ohne große Not einige Einwürfe und eine völlig überflüssige Ecke, als er sich bei einem langen Pass beim Timing im Kopfball verschätzte. Schon vor der Pause hatte er sich durch einen leichtfertigen Ballverlust selbst in Bedrängnis gebracht und sich in der Not eine Gelbe Karte eingehandelt.
Kurzum: Mukiele, der sich im Herbst und auch noch zu Beginn des laufenden Jahres durch sein konsequentes, aggressives und mit hohem Tempo praktiziertes Defensivverhalten zu einem ganz wichtigen Faktor gerade in den bedeutenden Spielen im Pokal in München (1:0), gegen Inter (1:0), bei Atletico (1:2) und beim 0:0 gegen den Rekordmeister in der Liga aufgeschwungen hatte, präsentierte sich wie in seiner Startphase wieder von seiner schwachen Seite - und das nicht zum ersten Mal in diesem Kalenderjahr.
Schon im Pokal-Viertelfinale gegen den 1. FC Köln (3:2 n. V.) hatte Mukiele bei beiden Gegentreffern schlecht ausgesehen (kicker-Note 5,5), beim 4:1-Sieg in Frankfurt seine eigentlich gute Leistung durch einen zu kurzen Rückpass, der zum Frankfurter Treffer führte, abgewertet. Bei der 0:3-Niederlage in München in der Champions League hatte der Rechtsfüßer erst beim 0:1 durch Harry Kane keine gute Figur abgegeben, um Bayer nach der Pause durch eine völlig überflüssige Gelb-Rote Karte endgültig in höchste Not zu bringen und sich sogar die kicker-Note 6 einzuhandeln. Und jetzt der schwache Auftritt auf der Alm.
Eigenwerbung hat der Verteidiger, der bei PSG ein für Leverkusener Verhältnisse hohes Gehalt kassiert, zuletzt allgemein und speziell in Bielefeld nicht gemacht. So stellt er wieder einen Wackelkandidaten dar. Und klar ist: Mukiele wäre weder vom Gehalt noch von der Ablöse her als Schnäppchen einzustufen.
So bleibt abzuwarten, ob Bayer 04, das vor geraumer Zeit die Verhandlungen mit PSG zwecks eines fixen Wechsels von Mukiele nach Leverkusen aufgenommen hat, nicht noch mal umdenkt. Zuletzt bezeichnete Geschäftsführer Simon Rolfes die Personalie als "offen". Und das war vor Mukieles Minusleistung in Bielefeld.
Stephan von Nocks