Mit dem bisherigen Sportdirektor Marcus Mann, der zum Geschäftsführer Sport aufstieg, bildet er als Geschäftsführer Finanzen die neue Doppelspitze in der Administration des Zweitligisten. Ein großes Ziel ist für Henning Bindzus, dabei mitzuhelfen, den lange Zeit zerstrittenen Klub zu einen ...

Hannovers neue Doppelspitze in der Geschäftsführung der Fußball-KG: Henning Bindzus (Finanzen, li.) und Marcus Mann (Sport)
Gleich der erste Tag hatte es in sich für Henning Bindzus. Am Montag, 17. März, nahm der neue Geschäftsführer Finanzen bei Hannover 96 seine Arbeit auf und musste sogleich eine wichtige Formalität erfüllen: Die Unterzeichnung des Lizenzantrags für die neue Saison, der an diesem Tag bei der DFL fällig war und für den der Zweitligist bekanntlich händeringend und lange Zeit nach einer Person gesucht hatte, die als "Organ" des Klubs hierfür überhaupt zeichnungsberechtigt ist.
"Wir hatten einen besonderen Start, morgens ab 8 Uhr", erzählte der 41-Jährige jetzt, wie es mit seinem neuen Partner, dem zum Geschäftsführer Sport aufgestiegenen bisherigen Sportdirektor Marcus Mann, in der Doppelspitze der Administration direkt in die Vollen ging. "Wir haben uns getroffen, hatten am Abend vorher länger telefoniert. Wir sind alle Unterlagen durchgegangen, haben die Punkte besprochen und nach und nach die vielen Unterschriften geleistet, die erforderlich sind. Es war eine positive Überzeugung, dass es zu einer gemeinschaftlichen Lösung kommen wird und dass damit die Lizenzunterlagen Teil der ersten Aufgabe sein werden."
Der erste gemeinsame Job ist getan. Künftig wird sich Bindzus, der unter anderem zuletzt als Marketingchef des Hamburger SV im Bundesligageschäft tätig war, den kaufmännischen Belangen des Profi-Fußballs widmen. Dazu gehört unter anderem, die von den sportliche Verantwortlichen rund um Marcus Mann erstellten Planungen einzuordnen. "Sportliche Bewertungen bei Entscheidungen werde ich nicht vornehmen." Doch natürlich ist es seine Aufgabe, die Planungen unter finanziellen Aspekten einzuordnen. Ziel hier: "Wenn es zu unserem wirtschaftlichen Rahmen passt, werden wir es machen."
"Teil einer gemeinschaftlichen Lösung"
Seit vielen Jahren sind bei Hannover 96 Mutterverein und Profisparte zwar unter einem gemeinsamen Dach vereint, in der Sache und teilweise auch unter den handelnden Personen aber ziemlich hoffnungslos zerstritten. Als Kandidat für die Geschäftsführung, der von Seiten des Muttervereins vorgeschlagen wurde, war daher im Vorfeld nicht ohne Grund zu befürchten, dass Bindzus zu einem Gegenpol für den von der Kapitalseite favorisierten Marcus Mann fungieren könnte. Allein, um den Einfluss des e.V., der in vielen Dingen auf Basis der 50+1-Regel die letzte Entscheidung für sich beansprucht, durchzusetzen.
"Für mich war immer klar, dass ich in der Geschäftsführung Teil einer gemeinschaftlichen Lösung bin", tritt Bindzus möglicher Skepsis jedoch entgegen und verweist auf den vierköpfigen Aufsichtsrat der Management GmbH, der die Geschäftsführer beruft und in dem jeweils zwei Vertreter von Verein und Kapitalseite miteinander auskommen müssen: "Wir sind von allen vier Aufsichtsräten einstimmig berufen worden. Für diese Lösung stand und stehe ich zur Verfügung, dazu wurden Gespräche mit allen Verantwortlichen geführt. Nach vorne blickend bin ich einfach Teil des Geschäftsführungsteams."
Dieser Konsens ohne Hintergedanken bildete für Bindzus überhapt erst die Basis, um in Hannover einzusteigen. "Es war klar für mich, es nur zu machen, wenn alle Beteiligten für mich stimmen", so der zweifache Familienvater, der die Gemeinschaft weiterhin im Blick haben will: "Natürlich möchte ich einen gemeinsamen Weg fördern. Dass das gewünscht ist, ist überall wahrnehmbar. Die vorhandene Energie und Emotion in eine gemeinsame Bewegung zu bringen, wäre klasse. Ich bin überzeugt, dass ein gemeinschaftlicher Weg ein erfolgreicher Weg ist."
"Wertschätzender Austausch mit Kind"
Sollte es mit Bindzus' wesentlicher Mitwirkung gelingen, den Klub zu einen, wäre das ein enormer Erfolg mit Blick auf die Vergangenheit, in der es für die Vereinsseite im Wesentlichen darum ging, den langjährigen Klubboss Martin Kind abzulösen. "Ich kenne Martin Kind schon länger, wir haben einen guten, wertschätzenden Austausch", so Bindzus über den 80-jährigen Unternehmer, der nach wie vor als Geschäftsführer in Töchtern der Fußball-KG und als deren Aufsichtsrat fungiert. "Natürlich habe ich Gespräche mit ihm vor meiner Berufung geführt. Ich habe einen guten Eindruck und ein klares Bild." Man kenne sich schon eine Weile, so Bindzus über Kind weiter. "2022/23 habe ich im Kontext der Sportrechtevermarktung in einem gemeinsamen Projekt mit ihm zusammengearbeitet."
Auf die Rolle als "Vertreter des Muttervereins" will sich Henning Bindzus nicht einlassen. "Entlang des Prozesses habe ich natürlich auch mit den Verantwortlichen im e.V. gesprochen. Es war ein verlässlicher, zielgerichteter Austausch mit Blick auf Hannover 96. Der Blick geht nach vorne." Nach und nach sollen so die Gräben, Folgen der früheren Machtkämpfe, geschlossen werden. "Für mich steht das "Wir" im Vordergrund, zwischen Marcus und mir genauso wie an den Schnittstellen zu den anderen Gesellschaften." Künftig soll es nach Wunsch des Novizen in der Sacharbeit nur noch konstruktiv vorangehen. Mit einer hohen "Getan-gesagt-Quote", wie er es umschreibt, ohne unnötige oder gar öffentliche Verbalmanöver im Vorfeld. "Heißt: Umsetzen der Dinge, Dinge schaffen, und dann darüber reden."
Michael Richter