Kurz vor seinem 35. Geburtstag: Merz-Kritiker Johannes Winkel tritt erneut als Chef der Jungen Union an

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Er erntet wieder tosenden Applaus dafür, dass er sagt, was er vom teuren Entlastungspaket hält, das die unionsgeführte Regierungskoalition mit der SPD am Wochenende vereinbart hat. „Wir hatten in den letzten fünf Jahren den Wumms, den Doppel-Wumms, die Bazooka, und alles hat hunderte Milliarden Euro gekostet“, sagt Johannes Winkel am Mittwochabend, als er die Gäste eines Frühlingsempfangs in Berlin begrüßt und die aus seiner Sicht bessere Botschaft gleich mitliefert: „Die Gießkanne in Deutschland – die ist leer.“

Schon der Name der Veranstaltung, zu der er eingeladen hat, erhöht den Druck auf CDU-Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz, nun wirklich ernst zu machen mit dem Wahlversprechen, die Republik mit mutigen Wirtschafts- und Sozialreformen wieder nach vorne zu bringen. „Frühling der Entscheidung“, so der Titel, deutet darauf hin, dass dieses Jahr ein ganz besonderes für die Koalition wird.

Ein Parteitag kurz vor dem Erreichen der Altersgrenze

Das gilt auch für Johannes Winkel selbst, der am 28. Oktober 35 Jahre alt wird. Für jemanden aus der Jungen Union ist das ein ganz besonderer Geburtstag, weil damit die Altersgrenze erreicht ist, die zum Ende der Tätigkeit in der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU führt. „Die Mitgliedschaft erlischt“, heißt es im elften Paragrafen ihrer Satzung, „durch Vollendung des 35. Lebensjahres“.

Die Ausnahme von der Regel lässt sich ebenfalls dort finden: „Bekleidet ein Mitglied bei Vollendung des 35. Lebensjahres ein Amt in der JU, so erlischt die Mitgliedschaft mit Ausscheiden aus dem Amt.“ Für Funktionäre gibt es also eine Verlängerung über die eigentliche Altersgrenze hinaus.

Johannes Winkel hat in der Jungen Union und ihren Gremien, in der Jungen Gruppe im Bundestag und weit darüber hinaus großen Rückhalt für seine Wiederwahl.

Aus Kreisen der Jungen Union

Diese Möglichkeit nimmt nun auch Winkel für sich in Anspruch. Wie dem Tagesspiegel aus Kreisen der Jungen Union bestätigt wurde, strebt der Bundesvorsitzende weitere zwei Jahre im Amt an. Er bekleidet es seit November 2022 und hat sich spätestens auf dem sogenannten Deutschlandtag der Jungen Union im vergangenen November, als der Rentenstreit mit Kanzler Merz eskalierte, ein Image als parteiinterner Antreiber für tiefgehendere Reformen erarbeitet.

Johannes Winkel wird schon zur „Führungsreserve“ gezählt

Um erneut an die JU-Spitze gewählt zu werden, muss der nächste Deutschlandtag aber vor seinem Geburtstag stattfinden und nicht wie etwa im vergangenen Jahr im November. So ist das nächste Parteitreffen nun auf „Anfang Oktober“ terminiert worden, wie bei einem Frühlingsempfang der Jungen Union am Mittwochabend in Berlin zu erfahren war. Schon öfter hat sich die Parteijugend im zehnten Monat des Jahres getroffen – nur steckt dieses Jahr ein bisschen Kalkül im Sinne des bisherigen und künftigen Chefs dahinter.

Eine große Mehrheit für ihn gilt schon jetzt als sicher. „Johannes Winkel hat in der Jungen Union und ihren Gremien, in der Jungen Gruppe im Bundestag und weit darüber hinaus großen Rückhalt für seine Wiederwahl“, heißt es aus den Reihen des Parteinachwuchses gegenüber dem Tagesspiegel: „Er macht einen super Job.”

Beim JU-Empfang finden sich auch ältere Semester, die in ihm nicht mehr nur ein politisches Talent sehen, sondern ihn bereits zur „Führungsreserve“ der Union zählen. Sie schätzen, dass er einerseits anerkennt, warum Koalitionskompromisse „nicht CDU pur“ bedeuten können, und anderseits Merz mahnt, in Verhandlungen „auch nicht SPD pur“ zuzulassen. In ihrem Disput mit dem Kanzler unterstützt er auch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, die an diesem Abend noch etwas mehr Applaus bekommt als Johannes Winkel selbst.

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