Die Linke tauscht ihren Vorsitzenden: Wer ist der Mann, der auf Jan van Aken folgen soll?

vor 2 Stunden 1

Er war der erste, der die Hand hob: Luigi Pantisano will neben Ines Schwerdtner Co-Chef der Linken werden, wie der 46-Jährige Bundesabgeordnete am Mittwoch mitteilte. Damit will Pantisano beim Linken-Parteitag im Juni auf den Noch-Vorsitzenden Jan van Aken folgen, der nur wenige Stunden zuvor seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen angekündigt hatte.

Damit ist die Partei auf der Suche nach einem neuen Co-Vorsitzenden neben Ines Schwerdtner, die seit zwei Jahren neben van Aken die Partei führt und erneut kandidieren möchte.

„Ich freue mich sehr, dass Luigi Pantisano sich bereit erklärt, für die Partei Verantwortung zu übernehmen“, sagt Schwerdtner dem Tagesspiegel. „Mit seiner langjährigen Erfahrung in der Partei, im Bundestag und in der Kommunalpolitik bringt er wichtige Fähigkeiten mit, um die Partei weiter gut aufzustellen.“

Aber wer ist der Neue, der mit der Linken „den nächsten Schritt gehen“ will, wie er sagt?

Geldstrafe wegen Protestaktion

Zunächst einmal wäre Pantisano ein Novum: Würde er in zwei Monaten von seiner Partei gewählt, wäre er der erste Linken-Chef mit Migrationsgeschichte. Doch der in Waiblingen bei Stuttgart geborene Sohn italienischer Einwanderer passt auch aus anderen Gründen ins Anforderungsprofil der Partei. Pantisano ist studierter Stadtplaner und wurde in Stuttgart früh gegen Wohnungsnot aktiv. Einem Thema, das immer mehr zum Brot-und-Butter-Inhalt linker Politik wird.

Dass er im Jahr 2020, damals als Stuttgarter Gemeinderat, wegen Hausfriedensbruchs zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil er sich in einem besetzten Haus aufgehalten hat, dürfte ihm in der Partei dabei eher nützen als schaden.

Allerdings ist Pantisano erst vergleichsweise kurz im politischen Berlin aktiv – zumindest als Abgeordneter. Bei der Wahl im Frühjahr 2025 zog Pantisano erstmals in den Bundestag ein, wurde aber prompt zum stellvertretenden Vorsitzenden der Linksfraktion.

Den Betrieb kennt Pantisano jedoch schon länger, ab 2017 war er etwa Mitarbeiter im Büro des damaligen Linken-Chefs Bernd Riexinger – damals ein vehementer Gegenspieler von Sahra Wagenknecht.

Pantisano weiß also, welchen Weg die Partei in den vergangenen Jahren genommen hat. Zumal er selbst zeitweise so etwas wie der bekannteste einfache Fraktionsmitarbeiter der Republik war, da er immer wieder öffentlich einen Rauswurf Wagenknechts forderte.

Hoffnung auf Anschlussfähigkeit

Aber was will er politisch? Pantisano nennt unter anderem den Kampf gegen die AfD und das Thema Bezahlbarkeit als seine Prioritäten bei einem möglichen Parteivorsitz: „Ich gehe diesen Schritt in großer Demut“, schreibt er auf seiner Website zu seiner Kandidatur. Die Linke habe sich zuletzt stabilisiert, mehr als 70.000 Menschen seien neu in die Partei eingetreten. „Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, die Linke zur organisierenden Klassenpartei zu machen.“

Die Menschen haben zu Recht die Schnauze voll von der etablierten Politik.

Luigi Pantisano will mit seiner Politik enttäuschte Arbeiter und Beschäftigte ansprechen

Dabei wolle er jene zurückgewinnen, die von der Politik enttäuscht und wütend seien: „Ich möchte die Arbeiterinnen und Arbeiter für die Linke zurückgewinnen“, sagt Partisano dem Tagesspiegel. „Die Menschen haben zu Recht die Schnauze voll von der etablierten Politik.“

Als Hauptschüler und Kind italienischer Gastarbeiter kenne er die Erfahrung, „die so viele machen: von der Politik nur von oben herab behandelt zu werden“, sagt er. Als ersten Schritt habe er deshalb eine Hotline freigeschaltet, damit Arbeiter und Beschäftigte sich direkt an ihn wenden können. Er will also politisch in die Breite.

Hört man sich in der Partei um, trauen ihm die allermeisten zu, mit diesem Stil Erfolg haben zu können – nach innen wie nach außen. Er sei charismatisch und könne auch Menschen außerhalb der Parteiblase ansprechen, heißt es. In der Fraktion ist er äußerst beliebt und pflegt einen engen Kontakt zu Fraktionschefin Heidi Reichinnek und Schwerdtner. Von ernsthaften Gegenkandidaturen geht derzeit kaum jemand aus, Reichinnek selbst wischte eigene Ambitionen mit Verweis auf ihre Auslastung bereits vom Tisch.

Und letztlich folgt seine Kandidatur einem Plan. In der Linken-Spitze ist man überzeugt, dass Pantisano die Partei breiter aufstellen und für größere Anschlussfähigkeit sorgen kann. Im Kleinen hat er das bereits bewiesen: Als er 2020 Oberbürgermeister von Konstanz werden wollte, holte er im ersten Wahlgang aus dem Stand die meisten Stimmen. Am Ende zog er in der Stichwahl zwar den Kürzeren, konnte aber die Grünen und Teile der SPD hinter sich versammeln.

Es ist ein Arbeitsnachweis, der ihm in der Linken viel Respekt eingebracht hat. Und der nun zur Erwartung wird: Pantisano, so der Anspruch, soll die Lücke besetzen, die SPD und Grüne nach Ansicht einiger in der Partei links der Mitte offengelassen haben.

Gesamten Artikel lesen