Künstliche Intelligenz: SPD-Frauen fordern Schutz vor diskriminierenden Algorithmen

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Künstliche Intelligenz ist nicht frei von Vorurteilen. Sie erkennt Herzinfarkte bei Patientinnen schlechter, weil Frauen andere Symptome haben als Männer. Bewerberinnen stuft KI allein aufgrund ihres Geschlechts oft als weniger qualifiziert ein. Und zuletzt war es Grok, der KI-Chatbot von X, der für Schlagzeilen sorgte: Mithilfe des Bots wurden Tausende von sexualisierten Bildern erstellt. Die Betroffenen: vor allem Frauen, darunter auch Minderjährige.

Die Arbeitsgemeinschaft »SPD Frauen« fordert deshalb einen besseren Schutz vor Diskriminierung durch künstliche Intelligenz. »KI wird zum Verstärker für bereits bestehende Ungerechtigkeiten«, sagte Carmen Wegge, Co-Vorsitzende der Frauen in der SPD, dem SPIEGEL. »Damit wandelt sich der digitale Fortschrittsgedanke ins Gegenteil. Das müssen wir verhindern.«

Den »SPD Frauen« gehören alle weiblichen Mitglieder der Partei an. Nach eigenen Angaben sind das etwa 150.000 Sozialdemokratinnen.

»Vorurteile in Algorithmen beseitigen«

Der Bundesvorstand der SPD-Frauen dringt darauf, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) zu reformieren. Dieses schützt Personen vor Diskriminierung, etwa aufgrund des Geschlechts, der Herkunft oder des Alters. Wenn es nach den SPD-Frauen geht, soll es künftig auch vor Benachteiligung durch KI schützen.

Eine Reform des AGG müsse Rahmenbedingungen schaffen, »die Vorurteile in Algorithmen (Gender Bias) erkennen und beseitigen«, heißt es dazu in einem Papier der SPD-Frauen, das dem SPIEGEL vorliegt. Die Politik müsse sicherstellen, dass durch KI getroffene, »persönlichkeitssensible Entscheidungen vom Schutzbereich des AGG erfasst werden. Auch zukünftige technologische Entwicklungen, die aktuell nur schwer abschätzbar sind, sollten durch das AGG abgedeckt werden.«

»KI könnte uns Frauen allein auf das Geschlecht reduzieren und die Diskriminierung von Frauen in der Arbeitswelt fördern«, sagte Wegge. »Ein konkretes Beispiel hierfür wäre, dass eine Frau nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird, weil sie im gebärfähigen Alter ist.«

Die SPD-Frauen wollen zudem die Anwendung des AGG erleichtern. So sollen Betroffene länger das Recht haben, gegen Benachteiligung vorzugehen. Zudem fordern die SPD-Politikerinnen ein »Verbandsklagerecht«, sodass etwa Vereine anstelle einzelner Personen gegen Diskriminierung klagen können. Ein solches Recht gibt es zum Beispiel bereits im Verbraucherschutz. Die SPD-Frauen schlagen weiterhin vor, ein neues Merkmal ins AGG aufzunehmen: »Das Merkmal der ›familiären Fürsorge‹ soll vor Diskriminierung schützen, die vor allem Frauen wegen der von ihnen geleisteten Sorgearbeit erfahren.«

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