Kritik am US-Präsidenten: Warum die „Manosphere“ auf Distanz zu Trump geht

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Sie waren bislang unentbehrlich für seine Bewegung: Podcaster und Influencer, die Donald Trump und „Make America Great Again“ feierten. Zwischen Selbstoptimierung, Dating-Tipps und Sportergebnissen diskutierten sie auch seine Themen: Abschottung gegen Einwanderer, „America First“, Antifeminismus. Doch Trump hatte auch ein Ende jener „Forever Wars“, der endlosen Kriege, versprochen, die manche von ihnen als Soldaten traumatisiert hatten. Der Riss, der seit dem Beginn des Irankrieges durch die MAGA-Bewegung geht, zeigt sich auch in den Blogs, Foren und Social-Media-Netzwerken, die oft als „Manosphere“ bezeichnet werden. Viele der auch „Bro-Caster“ genannten Podcaster drücken ihre Enttäuschung emotional aus und betonen, dass sie Trumps Versprechungen geglaubt hätten.

Einer von ihnen ist Andrew Schulz. Bisher galt Schulz, der Trump im letzten Wahlkampf in seinem Podcast zu Gast hatte, als MAGA-nah, auch wenn er sich als politisch unabhängig definierte. In seinem Podcast „Flagrant“, der zu den meistgehörten des Landes zählt, fragte er kürzlich: „Spürt ihr existenzielle Angst wegen des Krieges?“ Die meisten Bürger beschäftigten andere Dinge, sagte Schulz, denn: „Amerikaner können sich verdammt noch mal keine Gesundheitsversorgung leisten!“ Was in Iran passiere, interessiere sie weniger. Mit Trump hätten die „Falken“ in Washington jemanden gefunden, der „dumm genug“ gewesen sei, den Krieg zu beginnen, sagte er. In einer früheren Folge hatte Schulz geschimpft, dass Trump auch die Preise und Staatsausgaben nicht gesenkt habe, wie versprochen.

Der zurückgetretene Terrorabwehr-Chef ist der neue Held

Sneako, ein anderer antifeministischer Influencer, schrieb auf X, Iran sei auch jetzt nicht frei, und es könne nicht sein, dass im heutigen Amerika eine „Antikriegsposition“ kontrovers sei. Die Regierung lasse den Krieg in ihren Videos aussehen wie das Spiel „Call of Duty“. Theo Vonn, ein unter rechten Männern populärer Comedian und Podcaster, schlug ähnliche Töne an, als er eine amerikanische „Kriegsmaschine“ anprangerte, die in anderen Ländern Leid anrichte.

Zum Teil finden die Enttäuschten Vorbilder in ihrem eigenen politischen Lager. So lobten viele den Rücktritt von Trumps Terrorabwehr-Chef Joe Kent. Myron Gaines, ein anderer bekannter Influencer, bezeichnete Kent, der seinen Rückzug mit dem Krieg begründet hatte, als „unglaublich mutig“. Vom berühmtesten Podcaster mit vielen Anhängern aus der „Manosphere“, Joe Rogan, sind schon seit einer Weile ähnliche Töne zu hören – und nicht nur über den Krieg, sondern auch über die von Trump versprochenen Massenabschiebungen. Die Abschiebetruppe ICE verglich Rogan im Januar mit der Gestapo. Über den Irankrieg sagte er, Trumps Vorgehen sei „verrückt“.

Antisemitische Töne mischen sich in die Kritik am Krieg

Auch der Umgang mit den Epstein-Akten brachte viele Menschen in den „Manosphere“-Subkulturen gegen Trumps Regierung, wenn auch nicht immer gegen den Präsidenten selbst, auf. Risse in diesem Teil der Koalition gibt es schon länger. Nun bringe der Irankrieg für viele das Fass zum Überlaufen, sagte etwa Charlie Sabgir, der Leiter der Organisation „Young Men Research Project“, dem Magazin „The Atlantic“. Ein Teil der Kriegskritiker kommt dabei aus jenem Lager, dessen Antisemitismus schon seit Monaten die MAGA-Koalition spaltet.

Prominente Rechte wie Candace Owens, Nick Fuentes und Tucker Carlson behaupten, Trump sei von Israel und „den Juden“ zum Krieg verleitet worden. Auch bei Joe Kents Rücktritt und in den Klagen vieler Podcaster über den Einfluss Israels gab und gibt es entsprechende antisemitische Untertöne. Doch viele vor allem junge Männer sehen sich auch einfach in ihren Erwartungen getäuscht. Trumps Rückhalt bei jungen Menschen, Latinos und Unabhängigen bröckelt laut Umfragen schon seit Monaten.

Auch außerhalb der „Manosphere“ melden sich immer mehr Menschen zu Wort, die eigentlich zur Kernwählerschaft der Republikaner gehören. So berichtet die „Washington Post“ über die wachsende Unruhe unter ehemaligen Soldatinnen und Soldaten. Dass die Regierung Videos und Memes postet, die den Krieg wie ein Videospiel wirken lassen, verärgert Veteranen und ihre Organisationen, die darin eine Verharmlosung des Krieges und der Opfer sehen, die Soldaten für ihr Land brächten. Unter jenen, die sich davon abgeschreckt fühlen, sind wohl auch immer mehr junge Männer, die Trump dringend für den Fortbestand seiner Koalition braucht.

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