Kriegserfahrene Ukrainer sollen Bundeswehr-Soldaten trainieren

vor 1 Stunde 1

Das Verteidigungsministerium will möglichst schnell ukrainische Soldaten bei der Ausbildung der Bundeswehr einsetzen, um die Kriegstüchtigkeit der eigenen Truppe zu erhöhen. Bereits am vergangenen Freitag hat Minister Boris Pistorius (SPD) dazu am Rande eines Termins mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ein entsprechendes Abkommen gezeichnet.

Laut einem Sprecher des Heeres ist geplant, »an den Truppenschulen des Heeres die Erfahrungen ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in die Ausbildung im Heer einfließen zu lassen«.

Verhandlungen seit 2025

Über die Details wollte das Heer aus Sicherheitsgründen zunächst nichts sagen. In Bundeswehrkreisen hieß es, dass man bereits seit 2025 mit der Ukraine verhandele, wie die Bundeswehr von der Fronterfahrung der ukrainischen Armee profitieren könne.

Geplant sei, dass Soldaten aus der Ukraine ihren Kameraden vom Heer praktische Kenntnisse aus ihren Gefechten mit der russischen Armee, dem eigenen Einsatz von bewaffneten Drohnen und dem Schutz vor gegnerischen Attacken nahebringen. »Niemand in der Nato hat derzeit mehr Kriegserfahrung als die Ukraine, das müssen wir nutzen«, hieß es von Offizieren.

Wie die Ausbildung ablaufen soll, ist noch nicht ganz klar. Wenn alles gutgeht, sollen allerdings möglichst schnell kriegserfahrene Soldaten aus der Ukraine nach Deutschland kommen und vor allem die robusten Infanterieeinheiten des Heeres besuchen. Da die Ukraine derzeit große Probleme bei der Rekrutierung von Soldaten hat, werden die Ausbilder wohl erst einmal nur für einige Wochen nach Deutschland kommen.

Besondere Erfahrung mit Drohnen

Vor allem beim Einsatz und der Abwehr von Drohnen hat die Ukraine in den vier Kriegsjahren »essenzielle Fähigkeiten« aufgebaut, von denen die Bundeswehr profitieren könne, hieß es in Militärkreisen.

Bisher hatte die Bundeswehr selbst Lehrgänge für die Ukraine angeboten. Tausende Soldaten waren seit Kriegsbeginn bereits in Deutschland, durchliefen mehrwöchige Trainings auf Truppenübungsplätzen. Zudem bildete die Bundeswehr Hunderte ukrainische Soldaten an den Waffensystemen aus, die Deutschland als Waffenhilfe in die Ukraine geliefert hatte, zum Beispiel am Flugabwehrsystem »Gepard«, der Panzerhaubitze2000 oder dem Leopard-Panzer.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius beim Besuch einer Offiziersschule der Luftwaffe

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius beim Besuch einer Offiziersschule der Luftwaffe

Foto: Daniel Vogl / dpa

In Bundeswehrkreisen hieß es, bei den nun anlaufenden Lehrgängen durch ukrainische Soldaten könne die eigene Truppe auch viel über deren Erfahrung mit den deutschen Waffensystemen lernen.

Wichtig dürfte für die Bundeswehr auch die ukrainische Erfahrung bei modernen Führungssystemen sein. Innerhalb von kürzester Zeit haben die Streitkräfte dort relativ simple Systeme zur Gefechtsplanung und Steuerung der eigenen Kräfte entwickelt, die meist als App auf handelsüblichen Mobiltelefonen genutzt werden kann. Auch der Nachschub mit Munition oder der Abtransport von Verletzten wird über entsprechende Apps organisiert.

Im Gegensatz zu den Bundeswehr-Systemen, die in Friedenszeiten entwickelt wurden und technisch sehr komplex sind, haben sich die ukrainischen Programme bereits an der Front bewährt und werden von Tag zu Tag verbessert.

Gesamten Artikel lesen