Krieg in Nahost: Seeblockade gegen iranische Häfen gestartet

vor 1 Stunde 1

Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Bericht: Trump fordert von Netanjahu Truppenabzug aus Syrien und Libanon

Trump will doch keine Hormus-Gebühr, sondern Handelsabkommen

Ölpreis klettert auf über 85 Dollar

US-Militär beendet dritte Angriffswelle

Emirate: Iran attackiert zwei Tanker vor Omans Küste

Christoph Heinlein

US-Seeblockade gegen iranische Häfen gestartet

Das US-Militär blockiert erneut iranische Häfen und Küstengebiete. Die Seeblockade sei um 22 Uhr deutscher Zeit (16 Uhr US-Ostküstenzeit) aufgenommen worden, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf der Plattform X mit. Schiffe werden so daran gehindert, dass sie iranische Häfen oder Küstengebiete ansteuern oder von dort wegfahren können. Wie lange die US-Blockade andauern wird, ist unklar.

Trump hatte die Wiederaufnahme am Montag angekündigt und in Aussicht gestellt, dass anderen Ländern ein „fairer und offener“ Zugang zur Straße von Hormus möglich sein soll. Die USA hatten während des Iran-Kriegs bereits ab Mitte April eine solche Seeblockade durchgesetzt, diese im Zuge des Rahmenabkommens mit Teheran dann Mitte Juni aufgehoben. 

Christoph Heinlein

US-Militär: Neue Angriffswelle auf Iran hat begonnen

Das US-Militär hat nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle auf Iran gestartet. Diese habe um 15 Uhr US-Ostküstenzeit (21 Uhr deutscher Zeit) begonnen, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf der Plattform X mit. Ziel sei es, die Möglichkeiten Irans weiter zu schwächen, Attacken auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus auszuüben, hieß es. „Die Angriffe finden statt, während sich die amerikanischen Streitkräfte darauf vorbereiten, die Seeblockade gegen iranische Häfen und Küstengebiete wieder aufzunehmen.“ Die Blockade trete um 16 Uhr US-Ostküstenzeit (22 Uhr deutscher Zeit) in Kraft, bekräftigte das US-Militär die schon am Vortag kommunizierte Startzeit. 

Der Sender ABC News berichtete bereits am frühen Nachmittag (US-Ostküstenzeit) unter Berufung auf einen US-Beamten von neuen Luftangriffen in Iran, die bereits seit Stunden im Gange seien. 

Christoph Heinlein

Angriffe in Kuwait und Warnsirenen in Bahrain 

Kuwait hat erneute Angriffe aus Iran gemeldet. Die Armee ​des Landes gab an, vier Soldaten seien beim Angriff auf eines ihrer Marineschiffe verletzt worden. Die Streitkräfte hätten zudem eine ballistische Rakete, fünf Marschflugkörper und 33 Drohnen abgefangen, heißt es in einer Mitteilung weiter. Die Angriffe hätten sich gegen zivile und strategisch wichtige Einrichtungen gerichtet. Einwohner wurden wie zuvor aufgerufen, sich keinen Trümmerteilen zu nähern und diese auch nicht anzufassen oder zu fotografieren. 

Auch in Bahrain ertönten wieder die Warnsirenen. Bürger wurden aufgerufen, Anweisungen der Behörden zu befolgen und sich in Sicherheit zu begeben, wie das Innenministerium mitteilte. 

Katja Guttmann

Bericht: Trump fordert von Netanjahu Truppenabzug aus Syrien und Libanon

US-Präsident Donald Trump hat den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu dem Nachrichtenportal Axios zufolge zum Abzug der israelischen Truppen aus Syrien und Libanon aufgefordert. Trump habe dies in einem Telefonat am vergangenen Donnerstag gesagt, berichtet das Portal unter Berufung auf US-amerikanische und israelische Regierungsvertreter. 

Christoph Heinlein

Trump will doch keine Hormus-Gebühr, sondern Handelsabkommen

Nur einen Tag nach der Ankündigung einer Gebühr für die sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus rückt US-Präsident Donald Trump wieder von seiner Idee ab. Nach „äußerst produktiven Gesprächen“ mit namentlich nicht genannten Vertretern von Staaten im Nahen Osten habe er beschlossen, die Gebühr „durch Handels- und Investitionsabkommen zu ersetzen, die die verschiedenen Golfstaaten mit den Vereinigten Staaten abschließen werden“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social.

Der Präsident behauptete, dass die nicht bezifferten Investitionen „massiv“ und von Vorteil für die Golfstaaten werden würden. Unklar war zunächst, mit wem Trump gesprochen hat und ob Golfstaaten tatsächlich derartigen Plänen zugesagt haben.

Über den plötzlichen Sinneswandel sagte Trump bei einer Pressekonferenz mit dem irakischen Ministerpräsidenten Ali al-Saidi, dass er von Menschen aus verschiedenen Ländern angerufen worden sei. Diese hätten andere Ideen vorgeschlagen und dabei auch Milliardeninvestitionen in den USA ins Spiel gebracht.
Trump betonte dabei auch, dass er es gut fände, dass „niemand“ eine Gebühr für die Nutzung im Kontext der Straße von Hormus verlangen sollte. „Ich mag das Konzept einer Gebühr nicht“, sagte er weiter. 

Trump hatte erst am Montag die Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. In diesem Zuge sagte er auch, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt der für den weltweiten Ölhandel strategisch wichtige Meerenge aus „Fairnessgründen“ Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen. 

Auf Trumps Vorstoß gab es prompt Kritik. Die Weltschifffahrtsorganisation IMO erinnerte daran, dass gemäß internationalem Recht die Passage weiterhin zoll- und gebührenfrei bleiben müsse. Auch die deutschen Reeder kritisierten Trumps Ankündigung. 

Nadja Lissok

Medienberichte: Explosionen im Süden Irans

Iranische Medien haben erneut Explosionen an der Südküste gemeldet. Der staatliche Rundfunk berichtete über fünf Detonationen im Westen der Hafenstadt Bandar Abbas. Kurz darauf sei die Stadt Buschehr unter Beschuss geraten, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Vier Ortsteile seien Ziel von Angriffen gewesen, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf den Vizegouverneur der gleichnamigen Provinz. Über Schäden oder Opfer gab es zunächst keine Details. 

Leon Wenz

Britische Behörden melden Angriff auf Tanker nahe Straße von Hormus 

Ein Tanker ist beim Verlassen der Straße von Hormus auf der südlichen Route von einer ​Rakete getroffen worden. Der Angriff habe sich am Montag rund 13 Seemeilen südöstlich der omanischen Ortschaft ⁠Limah ereignet, meldet die britische Informationsstelle für den Seehandel (UKMTO).

Unterdessen warnt der Verband Deutscher Reeder vor den Folgen einer neuen Blockade in ​der ​Straße von Hormus und den Gebührenplänen von US-Präsident Donald ‌Trump. „Die erneute Eskalation ist äußerst besorgniserregend“, sagt Hauptgeschäftsführer ‌Martin Kröger der Wirtschaftswoche. „Nach den Hoffnungen auf eine schrittweise Normalisierung erleben wir nun einen deutlichen Rückschlag.“ Betroffen seien rund 20 Schiffe ​in deutschem Eigentum ​oder unter deutschem Management. Sie seien derzeit ​mit etwa 400 Seeleuten in der Region unterwegs. In Trumps jüngstem Vorstoß sieht der Verband einen Verstoß gegen das Seerecht. „Kein einzelner Staat sollte den freien Zugang ‌zu einer internationalen Wasserstraße einseitig von Gebühren abhängig machen.“ Ein solcher Schritt würde die freie Schifffahrt infrage ‌stellen.

Leon Wenz

Trump droht mit Angriff auf „Pickaxe Mountain“

US-Präsident Donald Trump hat mit einem Angriff auf eine bislang wenig bekannte iranische Atomeinrichtung gedroht. In einem Radiointerview bezeichnete er den als „Pickaxe Mountain“ bekannten Standort als mögliches Ziel für einen „großen, fetten“ Angriff. Dieser werde wahrscheinlich „relativ bald“ erfolgen, sagte Trump. Der Komplex liegt im Berg Kuh-e Kolang südlich der Nuklearanlage Natans in Zentraliran. Natans war bereits im vergangenen Jahr Ziel amerikanischer Luftangriffe. Über den genauen Zweck von „Pickaxe Mountain“ ist nur wenig bekannt. Der Bau begann nach einem Brand und einer Explosion im Juli 2020, bei denen eine oberirdische Montagehalle für fortgeschrittene Zentrifugen in Natans schwerbeschädigt wurde. Iran sprach von Sabotage.

Der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, Rafael Grossi, bestätigte später, dass Iran mit dem Bau einer unterirdischen Ersatzanlage begonnen habe. Inspekteure der IAEA haben die Hallen bislang nicht betreten. Die bekannte Anreicherungsanlage Natans stand jedoch jahrelang unter internationaler Aufsicht. „Heute ist es uns vorläufig gelungen, eine Ersatzhalle für die explodierte Halle zu errichten. Derzeit arbeiten wir Tag und Nacht daran, sämtliche unserer Montagehallen im Inneren der Berge rund um Natans zu bauen“, sagte der damalige iranische Atomchef Ali Akbar Salehi gut ein Jahr nach dem Vorfall.

Leon Wenz

Ölpreis klettert auf über 85 Dollar

Nach einem Preissprung von zehn Prozent am Montag ist die Notierung von Brent-Öl am Dienstag erstmals seit einem Monat auf über 85 Dollar je Barrel gestiegen. Auslöser war die Ankündigung von Donald Trump, erneut eine Blockade gegen iranische Schiffe zu verhängen und für alle anderen Frachtschiffe eine Passagegebühr von 20 Prozent des Frachtwerts zu verlangen. Die globale Rohöl-Benchmark kostete im frühen Dienstagshandel zeitweise 85,64 Dollar und damit 2,8 Prozent mehr als am Vorabend. Die von Trump signalisierte 20-Prozent-Gebühr entspricht bei voll beladenen Supertankern mit Öl etwa 30 Millionen Dollar. 

Auch die europäischen Erdgaspreise steigen kräftig. Sie legten zeitweise um bis zu 3,3 Prozent zu und erreichten den höchsten Stand seit mehr als drei Monaten. Vor dem Beginn des Iran-Kriegs wurde etwa ein Fünftel der weltweiten Rohöl- und Flüssigerdgaslieferungen durch die Straße von Hormus transportiert.

Leon Wenz

Die Lage im Überblick

  • Das US-Militär erklärt die dritte nächtliche Angriffswelle in Folge für beendet. Iranische Medien berichteten in der Nacht von mehreren Explosionen an der Südküste. 
  • Iran hat zwei Tanker der Vereinigten Arabischen Emirate in der Straße von Hormus angegriffen. Bei der Attacke soll ein indisches Besatzungsmitglied getötet worden sein, zudem habe es acht Verletzte gegeben.
  • Auch Jordanien und Bahrain meldeten Vergeltungsangriffe aus Iran. 
  • US-Präsident Donald Trump hat eine Wiederaufnahme der Seeblockade gegen Schiffe angekündigt, die iranische Häfen ansteuern oder von diesen abfahren. Die Blockade soll ab 22 Uhr deutscher Zeit gelten.
  • Trump kündigte an, dass die USA fortan für die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus aus „Fairnessgründen“ Einnahmen in Höhe von 20 Prozent des Frachtwertes für sich beanspruchen würden.

US-Militär beendet dritte Angriffswelle

Das US-Militär erklärte die dritte nächtliche Angriffswelle hintereinander am Morgen für beendet. Iranische Medien hatten zuvor von mehreren Explosionen auf der Insel Kisch am Persischen Golf, aus der Hafenstadt Buschehr, der Insel Qeschm in der Straße von Hormus sowie der Großstadt Bandar Abbas berichtet. 

Am Montag um 16.45 Uhr US-Ostküstenzeit (22.45 Uhr MESZ) hätten die Streitkräfte die neue Angriffswelle gestartet, teilte das zuständige Regionalkommando des US-Militärs (Centcom) auf der Plattform X mit. Diese Angriffe würden die Fähigkeit Irans weiter einschränken, unschuldige Zivilisten und die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus zu attackieren, hieß es. 

US-Präsident Donald Trump hatte kurz zuvor weitere Angriffe auf Iran angekündigt. Das US-Militär werde heute Abend und morgen hart zuschlagen, sagte er am Montagnachmittag (Ortszeit) in einem Radiointerview. Iran könne nichts dagegen tun. 

Emirate: Iran attackiert zwei Tanker vor Omans Küste

Iran hat nach Angaben der Vereinigten Arabischen Emirate zwei Tanker des mit den USA verbündeten Golfstaats in der Straße von Hormus angegriffen. Wie das Verteidigungsministerium der Emirate in der Nacht auf der Plattform X bekanntgab, wurden die Schiffe bei der Durchquerung auf der südlichen Schifffahrtsroute innerhalb der omanischen Hoheitsgewässer von zwei Marschflugkörpern getroffen. Dabei sei ein indisches Besatzungsmitglied getötet worden, zudem seien acht verletzt worden, vier davon schwer.

Bei den Verletzten handele es sich um sechs indische und zwei ukrainische Staatsangehörige, hieß es weiter. Zudem seien Brände auf beiden Tankern ausgebrochen, schließlich aber unter Kontrolle gebracht worden. Der Angriff stelle einen „schwerwiegenden Verstoß und klaren Bruch des Völkerrechts“ dar, erklärte das Verteidigungsministerium. Die Emirate behielten sich vor, auf diese Eskalation zu reagieren. 

Irans Revolutionsgarde erklärte laut heimischen Medien, das US-Militär habe versucht, mehrere Schiffe auf eine „illegale Route“ zu lenken. Die beiden Tanker hätten ihre Navigationssysteme abgeschaltet und wiederholte Warnungen der Sicherheitskontrollstelle für die Straße von Hormus ignoriert. Daraufhin seien sie beschossen und manövrierunfähig gemacht worden. 

Leon Wenz

Revolutionsgarde: US-Luftwaffenbasis in Jordanien angegriffen

Die iranische Revolutionsgarde hat nach eigenen Angaben einen ​US-Luftwaffenstützpunkt ​in Jordanien mit ballistischen ‌Raketen angegriffen. In einer ‌von der Nachrichtenagentur Fars veröffentlichten Erklärung ruft ​die militärische Eliteeinheit ​die jordanische Bevölkerung ​dazu auf, die US-Militärbasen in ihrem Land niederzureißen. Zugleich betont die ‌Revolutionsgarde die Verbindung mit dem Land: ‌Man hege keine Feindschaft gegen ​Jordanien, heißt es in der Mitteilung. Vielmehr liebe man ‌das jordanische Volk, „das den Schmerz und die Unterdrückung der Palästinenser besser als jede andere Nation“ verstehe.

Grüne fordern: Marine-Schiffe zurück in heimische Gewässer

Die Grünen fordern Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) angesichts der neuen Eskalation im Nahen Osten auf, die beiden für mögliche Minenräumeinsätze in die Region verlegten deutschen Schiffe zurückzuholen. Jeder Tag erhöhe den Druck, die Besatzungen nicht länger vor Ort zu lassen, sagte Sara Nanni, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Sie kritisierte, dass die Beatzungen im Unklaren gelassen würden, wo sie die nächsten Wochen und Monate verbrächten. Die Ungewissheit betreffe auch Familien und Freunde. 

Das Parlament beginnt seine sitzungsfreie Zeit und Verteidigungsminister Pistorius lässt die Besatzung unnötig lange im Einsatz. Ich habe dafür kein Verständnis. 

Sara Nanni, sicherheitspolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion

„Die personellen und materiellen Ressourcen der Bundeswehr müssen umsichtig und sorgsam eingesetzt werden. Wer weiß, wofür man diese noch braucht", sagte Nanni.

Die Bundesregierung hatte bereits vor Wochen das Minenjagdboot Fulda und das Versorgungsschiff Mosel in die Region geschickt, um dort für einen Einsatz zur Räumung von Minen in der Straße von Hormus bereitzustehen. Pistorius selbst hatte Anfang Juli erklärt, derzeit sei nicht absehbar, dass Bedingungen für einen Militäreinsatz zur Sicherung des wichtigen Handelswegs bald erfüllt würden. 

Erneut Sirenengeheul in Bahrain

Nach den erneuten Angriffen des US-Militärs auf Ziele in Iran heulen im Golfstaat Bahrain wieder die Alarmsirenen. Das Innenministerium des mit den USA verbündeten Landes rief die Einwohner in der Nacht über die Plattform X auf, ruhig zu bleiben und Schutz zu suchen. Weitere Einzelheiten gab es zunächst nicht. Das US-Militär hatte zuvor in dritter Nacht in Folge mit Angriffen gegen Iran begonnen. Iranische Medien meldeten Explosionen. Bahrain wie auch Kuwait, die zuletzt im Zentrum iranischer Vergeltungsangriffe standen, hatten erst in der Nacht zuvor von feindlichem Raketenbeschuss berichtet. 

Gesamten Artikel lesen