Krieg in der Ukraine: Selenskij: Verbündete sehen Ukraine im Krieg gestärkt

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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Ukrainischer Außenminister sieht US-vermittelte Gespräche „erschöpft“

UNHCR: Zwei Tote bei russischem Raketenangriff auf Lagerhalle

Pentagon-Bericht: Ukraine gewinnt Gelände nach Starlink-Ausfall bei Russen zurück

Spannungen zwischen Moskau und dem Baltikum wachsen

Ukraine verstärkt Truppen im Norden

Selenskij: Verbündete sehen Ukraine im Krieg gestärkt 

Deutschland, Großbritannien und Frankreich sehen die Ukraine nach Angaben ihres Präsidenten Wolodimir Selenskij nach den jüngsten Angriffen Kiews auf russische Ziele in einer deutlich stärkeren Position. Das teilte Selenskij in den sozialen Netzwerken nach einer Videoschalte mit Kanzler Friedrich Merz (CDU), dem britischen Premier Keir Starmer und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit. Es sei um die Frage gegangen, wie die Friedensdiplomatie neuen Schwung bekomme und Europa daran beteiligt werden könne, sagte Selenskij.

„Alle Partner stellen fest, dass die Position der Ukraine deutlich gestärkt ist – sowohl auf dem Schlachtfeld als auch bei unseren Langstrecken-Operationen.“ Damit meint er vor allem die Schläge mit Langstrecken-Drohnen, die Ziele tief im russischen Hinterland treffen, darunter Anlagen der russischen Ölindustrie, die für Moskaus Kriegsfinanzierung wichtig sind. Selenskij präsentiert dazu in den sozialen Netzwerken auch immer wieder stolz Videos brennender Anlagen. Russland betont, dass die Lage unter Kontrolle sei.

Vereinbart sei, dass sich die nationalen Sicherheitsberater bald treffen, sagte Selenskij. Er habe die Staats- und Regierungschefs auch über die russischen Pläne informiert – in Bezug auf die Ukraine, Belarus und andere Richtungen in Europa, teilte der ukrainische Präsident weiter mit. Details nannte er nicht. „Unsere Teams werden auf Geheimdienstebene detailliertere verfügbare Informationen austauschen“, sagte Selenskij. „Wir tun alles, um echten Frieden zu gewährleisten.“

Leon Wenz

Putin wirft Ukraine „Terrorakt“ im Gebiet Luhansk vor – Kiews Generalstab widerspricht

Kremlchef Wladimir Putin hat nach einem mutmaßlich ukrainischen Angriff auf ein Studentenwohnheim in dem von Russland besetzten Gebiet Luhansk von einem „Terrorakt“ mit vielen Toten gesprochen. Es gebe bisher mindestens sechs Tote, 39 Verletzte und 15 Vermisste, sagte Putin in Moskau zum Auftakt eines Treffens mit Absolventen des staatlichen Ausbildungsprogramms „Zeit der Helden“. Das Gebäude einer Berufsschule in Starobilsk war in der Nacht nach russischen Angaben von einer ukrainischen Drohne getroffen worden. „Es gibt keinerlei militärische Einrichtungen, Einrichtungen der Geheimdienste oder verwandter Dienste in der Nähe des Wohnheims“, sagte Putin. Niemand könne behaupten, dass das Gebäude zufällig getroffen worden sei. Der Fall zeige, dass sich die Lage für die Ukraine von einer kritischen hin zu einer katastrophalen Situation wandele. Das Land wolle mit solchen „Verbrechen“ ablenken von den Verhältnissen im Land und an der Front.

Der ukrainische Generalstab bezeichnete die russische Behauptung als „irreführende Information“ und betonte, dass er sich strikt an das humanitäre Völkerrecht halte, wie das Onlineportal Kyiv Independent berichtete. Es würden nur militärische Infrastruktur sowie Einrichtungen angegriffen, die für militärische Zwecke genutzt werden.

Ukrainischer Außenminister sieht US-vermittelte Gespräche „erschöpft“

Die von den USA vermittelten Gespräche mit Russland stoßen nach den Worten des ukrainischen Außenministers Andrij Sybiha an ihre Grenzen. „Mein Eindruck ist, dass dieses Format allmählich einen Punkt erreicht, an dem die auf dieser Ebene möglichen Diskussionen erschöpft sind“, erklärte er vor Reportern. Eine stärkere Beteiligung Europas oder ein Treffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs könnten dem Prozess jedoch neue Dynamik verleihen.

Leon Wenz

Rutte: Selenskij wird an Nato-Gipfel in Ankara teilnehmen 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij wird nach den Worten von Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Gipfeltreffen des Verteidigungsbündnisses Anfang Juli in der türkischen Hauptstadt Ankara teilnehmen. Er habe Selenskij eingeladen und dieser werde auch kommen, sagt Rutte beim Treffen der Nato-Außenminister im schwedischen Helsingborg.

Leon Wenz

UNHCR: Zwei Tote bei russischem Raketenangriff auf Lagerhalle

Im Osten der Ukraine ist in der Nacht zum Donnerstag eine russische Rakete in eine Lagerhalle der Vereinten Nationen eingeschlagen. Dabei wurden nach UN-Angaben zwei Menschen getötet. Außerdem seien Hilfsgüter im Wert von einer Million Dollar zerstört worden, sagt die Vertreterin des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in Kiew, Bernadette Castel-Hollingworth. 

Die vernichtete Notausrüstung – darunter Schlafmatten und Hygieneartikel – sei für Vertriebene in den Frontgebieten bestimmt gewesen. Der Vorfall ​habe sich am Mittwoch in Dnipro ereignet. Es sei das erste Mal, dass eine UNHCR-Einrichtung angegriffen worden sei. Das Hilfswerk sieht die Attacke als Teil eines breiteren Trends von Angriffen auf Hilfstransporte. ⁠Bereits in der vergangenen Woche seien zwei deutlich gekennzeichnete UN-Konvois in den Regionen Dnipropetrowsk und Cherson mit Drohnen angegriffen worden. 

Julia Bergmann

Russland meldet Tote und Verletzte in besetztem Gebiet Luhansk 

Im russisch besetzten Gebiet Luhansk sind nach Angaben der Besatzungsbehörden bei einem Drohnenangriff mindestens vier Menschen getötet und 35 weitere verletzt worden. Die ukrainischen Drohnen seien in eine Berufsschule und ein Wohnheim in Starobilsk eingeschlagen, in dem sich 86 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren befanden, teilte der von Moskau eingesetzte Verwaltungschef Leonid Passetschnik im sozialen Netzwerk VK mit. Unter den Trümmern seien noch Minderjährige verschüttet, schrieb er. Von der Ukraine lag bislang keine Stellungnahme vor. Unabhängig ‌ließen sich die Angaben nicht überprüfen.

Pentagon-Bericht: Ukraine gewinnt Gelände nach Starlink-Ausfall bei Russen zurück

Die Ukraine hat bei einer Offensive Anfang des Jahres nach US-Angaben rund 400 Quadratkilometer von Russland zurückerobert, nachdem Tausende von russischen Truppen genutzte Starlink-Terminals deaktiviert worden sind. Das schreibt die US Defense Intelligence Agency (DIA) in einem aktuellen, vom Kongress verlangten Bericht zur US-Unterstützung.

Die DIA spricht von den ersten territorialen Gewinnen der Ukraine seit 2023 und davon, dass russische Fähigkeiten „vorübergehend, aber deutlich“ geschwächt worden seien. Russische Einheiten hätten Starlink-Terminals – betrieben von Elon Musks Space-X – genutzt, um Bewegungen zu koordinieren und Drohnenangriffe zu steuern. Space-X habe nach US-Angaben mit dem US-Militär kooperiert, um eine illegale Nutzung von Starlink durch russische Kräfte zu unterbinden 

Franziska Peer

Ostukraine: Tote und Verletzte durch Gleitbombenangriff

Durch russische Gleitbomben- und Drohnenangriffe sind im umkämpften ostukrainischen Gebiet Donezk vier Zivilisten getötet und weitere fünf verletzt worden. In der frontnahen Kleinstadt Druschkiwka seien zunächst drei Männer durch den Abwurf der Gleitbomben ums Leben gekommen, teilte die regionale Staatsanwaltschaft auf Telegram mit. Eine Stunde später habe eine Drohne einen Pkw getroffen, ein Insasse sei getötet worden.

Druschkiwka liegt südlich von Kramatorsk und nur etwa 20 Kilometer von den vordersten russischen Linien entfernt. Russische Kampfjets klinken die Bomben im sicheren eigenen Luftraum aus, die dann über Dutzende Kilometer gelenkt ins Ziel gleiten. Die Ukraine hat bislang kaum ein Gegenmittel gegen diese Waffe. Sie hat aber nach Angaben von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow in Medienberichten eine eigene ukrainische Gleitbombe mit 250 Kilogramm Sprengstoff entwickelt, die bald zum Einsatz kommen solle.

Tote in Russland und der Ukraine bei gegenseitigen Angriffen 

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff sind nach russischen Behördenangaben zwei Menschen in der Stadt Sysran an der Wolga getötet worden. Es gebe auch Verletzte, schrieb der Gouverneur des Gebiets Samara, Wjatscheslaw Fedorischtschew, bei Telegram, nannte aber keine Zahlen. Weder zu Schäden noch zu genauen Orten machte er Angaben. In der rund 1000 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernten Stadt befindet sich eine große Ölraffinerie, die bereits mehrfach von der Ukraine attackiert wurde. 

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij bestätigte in sozialen Medien einen ukrainischen Angriff auf die Raffinerie. Er danke den Drohnen- und Spezialeinheiten für ihre Treffsicherheit, schrieb er. Dazu veröffentlichte er einen Zusammenschnitt von Videos, die die brennende Raffinerie zeigen sollen. In sozialen Medien kursierten nicht überprüfbare Fotos und Videos, die das Feuer zeigen sollen. Die russische Außenministeriumssprecherin Maria Sacharowa warf Selenskij Zynismus vor. Er prahle zynisch mit Angriffen vor seinen ausländischen Unterstützern.

In ​der russischen ​Grenzregion Belgorod wurden den Angaben zufolge zudem drei Menschen ‌bei Drohnenangriffen verletzt. Auch in der Ukraine meldeten die Rettungsdienste ‌zwei Tote sowie mehrere Verletzte nach russischen Angriffen auf die Regionen Tschernihiw und Dnipropetrowsk.

Leon Wenz

Lettland meldet weiteren Drohnenzwischenfall

Lettlands Militär meldet einen weiteren Drohnenzwischenfall. Mindestens eine Drohne sei im Luftraum des Landes unterwegs, teilen die Streitkräfte auf ​dem Kurznachrichtendienst X mit. Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten weitreichende Drohnenangriffe auf Russland verstärkt. Dabei gerieten ⁠mehrere der unbemannten Fluggeräte auch in den Luftraum der Nato-Staaten Lettland, Estland, Litauen und Finnland. In Lettland löste der Umgang mit solchen Eintritten einen politischen ​Streit ​aus, der zum Rücktritt der Regierung führte. Gespräche zur ‌Ernennung eines neuen Kabinetts laufen noch.

Leon Wenz

Spannungen zwischen Moskau und dem Baltikum wachsen

Zwischen Russland und den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen verschärfen sich die Spannungen. Auslöser sind die ukrainischen Drohnenangriffe auf den Nordwesten Russlands – Moskau gibt den Balten eine Mitschuld. Andererseits schweifen immer wieder ukrainische Drohnen in den Luftraum der drei EU- und Nato-Länder ab. Die Länder vermuten dahinter russische elektronische Kampfführung. 

Estland hat eine solche Drohne abgeschossen. Am Mittwoch herrschte in Litauen erneut Drohnen-Alarm. Die Staatsspitze in Vilnius wurde zum Schutz vorübergehend in Bunker gebracht. Und in der prekären Sicherheitslage der kleinen Ostsee-Anrainer kommt noch Streit wegen der russischen Exklave Kaliningrad dazu.

Leon Wenz

Ukraine verstärkt Truppen im Norden

Die Ukraine verlegt angesichts ​einer möglichen neuen russischen Offensive zusätzliche Truppen in den Norden des Landes. Präsident Wolodimir Selenskij teilte mit, Geheimdienste hätten Pläne Moskaus für Angriffe in Richtung der Hauptstadt Kiew und der nördlichen Stadt Tschernihiw aufgedeckt. Es gebe fünf verschiedene Szenarien. Zudem kündigt Selenskij an, den diplomatischen Druck auf das benachbarte Belarus zu erhöhen. Russland versuche, seinen engen Verbündeten tiefer in den Krieg hineinzuziehen. Stellungnahmen aus Moskau oder Minsk liegen zunächst nicht vor.

Katja Guttmann

Insider: Fast alle Raffinerien in Zentralrussland gedrosselt

Die jüngsten ​Drohnenangriffe der Ukraine haben die Kraftstoffproduktion in fast allen großen Ölraffinerien in Zentralrussland gestoppt oder gedrosselt.  Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf verfügbare Daten und Angaben von Insidern. Die betroffenen Anlagen machten mit einer Leistung von mehr als 83 Millionen Tonnen pro Jahr etwa ein Viertel der gesamten russischen Raffineriekapazität aus, heißt es. Ihr Anteil an der russischen Produktion belaufe sich bei Benzin auf über 30 Prozent und bei Diesel auf etwa 25 Prozent. Eine Stellungnahme des russischen Energieministeriums liegt zunächst nicht vor. Die Regierung in Moskau hat ein Exportverbot für Benzin von April bis Ende Juli verhängt.

Leon Wenz

Ungarn und Ukraine wollen Unstimmigkeiten beilegen 

Die Außenministerien Ungarns und der Ukraine haben Konsultationen aufgenommen, um Unstimmigkeiten im beidseitigen Verhältnis beizulegen. Das gaben Ungarns neuer Ministerpräsident Péter Magyar und seine Außenministerin Anita Orbán bekannt. „Mit der Bildung der Regierung der Tisza-Partei besteht die Möglichkeit, ein neues Kapitel in den ungarisch-ukrainischen Beziehungen zu öffnen“, sagte Magyar auf einer Pressekonferenz in Warschau. 

Magyar, dessen bürgerliche Tisza-Partei die Parlamentswahl im April gewann, ist seit dem 9. Mai im Amt. Sein Vorgänger, der Rechtspopulist Viktor Orbán, hatte eine prorussische Politik verfolgt und die von Russland angegriffene Ukraine feindselig behandelt. Im Wahlkampf ließ er Magyar auf Plakaten als Marionette des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij darstellen. Für die Behauptung, Magyar werde von der Ukraine „finanziert“, gab es keinerlei Beweise. 

Vorwand für Orbáns verbale Angriffe gegen die Ukraine war häufig die wahre oder vermeintliche Missachtung der Rechte der ungarischen Minderheit in der Ukraine. Nach ungarischer Darstellung leben bis zu 100 000 ethnische Ungarn in der westukrainischen Region Transkarpatien. Auch Magyar erwartet sich Verbesserungen für sie, so etwa die Garantie, dass der Schulunterricht in ungarischer Sprache stattfindet.

Die Regelung dieser Rechte sei die eine „unabdingbare Bedingung“ dafür, dass Ungarn in der EU der Eröffnung des ersten Kapitels bei den Beitrittsverhandlungen für die Ukraine zustimmt, erklärte Magyar in Warschau. Komme es zu einer befriedigenden Einigung, sei er bereit, Selenskij Anfang Juli in der Region Transkarpatien zu treffen, sagte Magyar.

Leon Wenz

Von der Leyen: Russische Drohungen gegen Baltikum inakzeptabel

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilt die russischen Drohungen gegen die baltischen Staaten. „Die öffentlichen Drohungen Russlands gegen unsere baltischen Staaten sind völlig inakzeptabel“, erklärt sie auf X. Eine Bedrohung gegen einen Mitgliedsstaat sei eine Bedrohung für die gesamte Europäische Union. Russland und Belarus tragen von der Leyen zufolge die direkte Verantwortung für Drohnen, die das Leben und die Sicherheit der Menschen an der Ostflanke der EU gefährden.  

Der russische UN-Botschafter Wassili Nebensja hatte der Ukraine vorgeworfen, militärische Drohnen von Lettland und anderen baltischen Staaten aus starten zu wollen. Eine Nato-Mitgliedschaft werde diese Länder nicht vor Vergeltung schützen, warnt er vor dem UN-Sicherheitsrat. Kiew habe bereits Drohneneinheiten nach Lettland entsandt. Die lettische UN-Gesandte Sanita Pavļuta-Deslandes weist die Äußerungen umgehend als frei erfunden zurück. Tammy Bruce, die stellvertretende US-Botschafterin, erklärt, die UN seien kein Forum für Drohungen ​gegen ein Ratsmitglied. Die USA würden all ihren Nato-Verpflichtungen nachkommen. Lettland ist gegenwärtig ein nicht-ständiges Mitglied im Sicherheitsrat.

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