Israel: Aktivisten von Gaza-Hilfsflotte werfen Israel Misshandlungen vor

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Mehrere der von Israel in die Türkei abgeschobenen Gaza-Aktivisten aus Deutschland sind nach Angaben des Auswärtigen Amtes verletzt. Dies hätten Diplomaten erst nach der Landung der Männer und Frauen am Donnerstagabend in Istanbul in Erfahrung gebracht, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Er bekräftigte zudem Kritik der Bundesregierung an einer „erniedrigenden Behandlung“ der Festgenommenen in Israel. „Das ist aus unserer Sicht einfach ein unsägliches Verhalten“, sagte der Sprecher.

Für das Auswärtige Amt habe eine menschenwürdige Behandlung der eigenen Staatsangehörigen „absolute Priorität“, sagte der Sprecher. „Und dazu gehört vor allem die körperliche Unversehrtheit. Und in diesem Zusammenhang erwarten wir natürlich auch Aufklärung, denn die Vorwürfe, die da zum Teil im Raum stehen, sind gravierend.“

Aktivisten aus mehreren Ländern werfen den israelischen Behörden schwere Misshandlungen und sexuelle Gewalt vor. „Mindestens 15 Fälle sexueller Übergriffe, darunter Vergewaltigungen. Aus nächster Nähe mit Gummigeschossen beschossen. Dutzende Menschen erlitten Knochenbrüche“, schrieben die Organisatoren der „Global Sumud Flotilla“ am Freitag auf der Social-Media-Plattform Telegram. Mehrere Personen würden im Krankenhaus behandelt. Die israelische Strafvollzugsbehörde wies die Anschuldigungen zurück.

„Wir wurden entkleidet, zu Boden geworfen und getreten“

Die Vorwürfe erhöhen den Druck auf die israelische Regierung, nachdem ein Video des rechtsextremen Ministers für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir, international für Empörung gesorgt hatte. ‌In den Aufnahmen ist zu sehen, wie der Minister in ‌einem Gefängnis am Boden fixierte Aktivisten verspottet. Die Europäische Union prüft mögliche Sanktionen gegen Ben-Gvir. Israelische Spezialeinheiten hatten am Dienstag in internationalen Gewässern 50 Schiffe gestoppt und rund 430 Aktivisten festgenommen, die Hilfsgüter in den Gazastreifen bringen wollten. Die Aktivisten wurden am Donnerstag über die Türkei abgeschoben und zum Teil in ihre Heimatländer geflogen.

„Wir wurden entkleidet, zu Boden geworfen und getreten. Viele von uns wurden mit Elektroschockern traktiert, einige wurden sexuell missbraucht, und einigen wurde der Zugang zu einem Anwalt verwehrt“, sagte der Italiener Luca Poggi der Nachrichtenagentur Reuters ‌nach seiner Ankunft in Rom. Er war einer der Personen, die auf einem Boot der Flotte festgenommen wurden. Nach Angaben der Aktivisten fanden ‌die Misshandlungen teils noch auf See, teils ‌nach der Festnahme in Israel statt.

In einem von Reuters verifizierten Instagram-Beitrag einer Aktivistengruppe zeigte der Franzose Adrien Jouen Blutergüsse am Rücken und an den Unterarmen.

„Die vorgebrachten Vorwürfe sind falsch und entbehren jeglicher sachlichen Grundlage“, erklärte ein Sprecher der israelischen Strafvollzugsbehörde. Die Festgenommenen würden im Einklang mit dem Gesetz festgehalten und ‌medizinisch versorgt.

Nach Angaben von Sabrina Charik, die die Rückführung von 37 französischen Staatsbürgern mitorganisierte, wurden fünf französische Teilnehmer in der Türkei ins Krankenhaus gebracht, einige mit gebrochenen Rippen oder Wirbelbrüchen. Es gebe detaillierte Vorwürfe wegen sexueller Gewalt, darunter auch Vergewaltigung, sagte sie. Insgesamt 44 spanische Teilnehmer der Hilfsflotte sollen dem spanischen Außenminister José Manuel Albares zufolge per Flugzeug von Istanbul ⁠nach Madrid und Barcelona gebracht werden. Vier von ihnen seien wegen ihrer Verletzungen medizinisch ‌versorgt worden, fügte ‌er hinzu.

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