Krieg in der Ukraine: Putin hält Krisensitzung wegen Treibstoffmangel ab

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Viele Angaben über den Kriegsverlauf wie Opferzahlen oder Details zu Kämpfen stammen von ukrainischen oder russischen Behörden und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Für unseren Liveblog verwenden wir neben eigenen Recherchen Material der Nachrichtenagenturen dpa, Reuters, epd, KNA und Bloomberg.

Wichtige Updates

Bürgermeister: Fast zwei Dutzend Drohnen vor Moskau abgeschossen – Ukraine meldet Angriff auf russische Ölpumpstation

Bericht: Russische Polizei sucht kritischen Ex-Soldaten

Ukrainischer Kampfjet abgestürzt 

Selenskij: Haben Putin Friedensvorschlag übermittelt

Ukrainische Energiebranche bereitet sich auf weiteren Kriegswinter vor

Tobias Bug

Krisensitzung zu russischem Treibstoffmangel

Kremlchef Wladimir Putin hat eine Krisensitzung zu den aktuellen russischen Versorgungsproblemen mit Treibstoff einberufen. Zuallererst müssten die Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und anderen Objekten der Erdölindustrie abgefedert werden. „Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren“, wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert. An der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien und der wichtigsten Erdöl-Produzenten Russlands teil.

An den Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht immer vorrätig.

Wladimir Putin, Russlands Präsident

Die zuletzt verstärkten ukrainischen Angriffe gegen die Erdölindustrie in Russland haben zu ernsthaften Versorgungsproblemen geführt. Putin bestätigte, dass man über ein Exportverbot für Diesel-Treibstoff nachdenke. Russland habe begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen.

Putin erwartet schon im Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten Treibstoffarten. „Die sich stellenden außergewöhnlichen Aufgaben werden gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und unserer Bürger“, kündigte er an.

Bürgermeister: Fast zwei Dutzend Drohnen vor Moskau abgeschossen – Ukraine meldet Angriff auf russische Ölpumpstation

Der Krieg erreicht immer öfter die russische Hauptstadtregion Moskau sowie an sie angrenzende Gebiete. Auch an diesem Samstag waren wieder ukrainische Drohnen im Anflug auf die Millionenmetropole. Mindestens 23 von ihnen schoss die russische Flugabwehr im Tagesverlauf ab, wie Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin mitteilte. „Experten untersuchen gerade die Trümmer“, zitierte ihn die Staatsagentur Tass am Nachmittag. Das Ziel der Drohnen wurde nicht genannt.

Kurz zuvor hatte der ukrainische Geheimdienst SBU von einem Angriff auf eine für die Treibstoffversorgung von Moskau wichtige Ölpumpstation mit Drohnen berichtet. Getroffen worden sei ein technisches Gebäude der Station in Wtorowo nahe der Gebietshauptstadt Wladimir (etwa 200 Kilometer Luftlinie östlich von Moskau), teilte der Geheimdienst mit. Es sei die zweite erfolgreiche Attacke innerhalb eines Monats auf die Anlage, heißt es. Russische Behörden haben den Angriff bislang nicht bestätigt.

Die Station Wtorowo gehört zum staatlichen Ölpipelinekonzern Transneft in Russland. Sie pumpt unter anderem Diesel in die Moskauer Ringpipeline, die für die Versorgung der großen Öldepots rund um die russische Hauptstadt verantwortlich ist. 

Insgesamt seien über Russland im Tagesverlauf in verschiedenen Landesteilen 124 ukrainische Drohnen abgeschossen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Das Ministerium machte keine Angaben zu möglichen Schäden durch die Drohnenangriffe.

Bericht: Russische Polizei sucht kritischen Ex-Soldaten

Statt eines Gesprächs mit Kremlchef Wladimir Putin über die wahre Lage an den Fronten in der Ukraine muss der ehemalige Frontsoldat Alexander Lunin jetzt wohl mit der Polizei sprechen. Wie die Oppositions-Website Medusa unter Berufung auf Lunins Ehefrau Tatjana berichtete, sei die Polizei zu einer nächtlichen Durchsuchung der Unterkunft in ihrem Dorf Lisinowka in der Region Woronesch erschienen. Lunin selbst hätten sie nicht angetroffen, dafür seien alle elektronischen Geräte im Haus beschlagnahmt worden. Wo sich Lunin aktuell aufhalte, sei ihr nicht bekannt, er sei tags zuvor in Richtung Moskau abgereist.

Ein Video des Ex-Frontsoldaten Lunin hat unter anderem in Russland Wellen geschlagen. Der Mann hatte im eigentlich in Russland verbotenen Netzwerk Instagram erklärt, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die „ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert“, sagen. An der Front würden Soldaten von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt, klagte er.

„Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml“, drohte er. Zugleich behauptete er, von ranghohen Militärs und Beamten zu der Forderung veranlasst worden zu sein. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Video etwa zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes.

Die Kriegsführung Russlands geriet zuletzt auch bei der eigenen Truppe immer stärker in die Kritik – und zwingt Moskau, darauf zu reagieren. Der Kreml habe von dem Video mit der Kritik und der Forderung nach einer Audienz bei Präsident Putin gehört, bestätigte dessen Sprecher Dmitrij Peskow am Freitag auf Nachfrage von Journalisten zu dem Thema. „Man muss sich das erst einmal anschauen“, sagte Peskow. Kritik an der Kriegsführung wird von der russischen Führung üblicherweise mit drastischen Sanktionen belegt.

Ukrainischer Kampfjet abgestürzt 

In der zentralukrainischen Region Poltawa ist offiziellen Angaben nach ein Kampfjet des Typs MiG-29 abgestürzt. Der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können und werde medizinisch versorgt, teilte die ukrainische Luftwaffe mit.
Der Vorfall ereignete sich demnach in der Nacht während eines Kampfeinsatzes. Die genaue Ursache des Absturzes ist unklar. 

Zu der Zeit hat Russland die Ukraine erneut mit mehr als 100 Drohnen attackiert. Die Ukraine setzt Kampfflugzeuge zum Abschuss der unbemannten Flugobjekte ein.

Julia Daniel

Gouverneur: Angriff auf Produktionsanlagen in Wolgograd 

Die Ukraine hat in der Nacht und am frühen Morgen offiziellen Angaben nach Industrieanlagen in der russischen Millionenstadt Wolgograd mit Marschflugkörpern angegriffen. Mindestens zehn Menschen seien verletzt und die Produktionsanlagen eines Betriebs beschädigt worden, schrieb Gouverneur Andrej Botscharow auf seinem Telegramkanal. Zum Einsatz kamen seinen Worten nach „Flugobjekte mit Hochgeschwindigkeit“ – damit dürften Marschflugkörper gemeint sein. Mehrere lokale Brände seien gelöscht worden, schrieb Botscharow weiter. Wohngebäude waren demnach nicht betroffen. Genauere Angaben zur Art des getroffenen Unternehmens machte er nicht.

Russischen und ukrainischen Medienberichten zufolge handelt es sich um die russische Rüstungsfabrik Titan-Barrikady. Diese stellt Komponenten für die Raketenkomplexe Iskander, Jars und Topol-M her, die prinzipiell auch Atomwaffen tragen können. Am Morgen bestätigte Präsident Wolodimir Selenskij auf Telegram Titan-Barrikady als Ziel – seine Armee habe das Werk mit Flamingo-Raketen aus eigener Produktion getroffen und dort ein Feuer ausgelöst.

Russische Drohnenangriffe töten drei Menschen in der Ukraine 

Bei russischen Drohnenangriffen auf die ukrainischen Regionen Dnipropetrowsk und Sumy sind drei Menschen getötet worden. In der Stadt Nikopol trifft eine Drohne einen Kleinbus – zwei Menschen sterben, zwölf weitere werden verletzt. In der Grenzregion Sumy kommt ein Mann bei einem weiteren Angriff ums Leben. In der Region Saporischschja werden zudem zwei Menschen bei russischen Angriffen verletzt. 

Selenskij: Haben Putin Friedensvorschlag übermittelt

Die Ukraine hat nach Angaben von Präsident Wolodimir Selenskij ihre Vorschläge für Verhandlungen und eine Friedenslösung an Kriegsgegner Russland übermittelt. „Die Freunde von (Kremlchef Wladimir) Putin haben von uns gehört, dass ein Treffen und ein Ende des Kriegs möglich sind“, sagte Selenskij in seiner abendlichen Videobotschaft. Nähere Details gab er nicht bekannt.

Vor Kurzem hatte der Machthaber in Belarus, Alexander Lukaschenko, über ein Treffen mit Abgesandten Selenskijs berichtet. Lukaschenko gilt außenpolitisch als engster Partner Putins.

Zuletzt hatten Vertreter Russlands und der Ukraine im Februar unter US-Vermittlung in den Vereinigten Arabischen Emiraten über ein Kriegsende verhandelt. Ergebnisse wurden damals nicht bekannt. Nach Beginn des von US-Präsident Donald Trump befohlenen Iran-Kriegs hat Washington seine Vermittlungsbemühungen im Ukraine-Krieg stark zurückgefahren.

Selenskij lobte in seiner Rede den jüngsten Austausch von Kriegsgefangenen. Er erwarte weitere Austausche, sagte er, und wiederholte auch die Forderung nach einem schnellen Kriegsende. Die Drohnenangriffe auf Ziele im russischen Hinterland bezeichnete Selenskij als gerechte Antwort auf den von Moskau entfachten Krieg.

Kreml prüft Video mit schweren Vorwürfen eines russischen Veteranen

Der Kreml ​will ein im Internet verbreitetes Video eines russischen Kriegsveteranen prüfen, in dem dieser Kommandeuren im Krieg gegen die Ukraine Folter und Mord an eigenen Soldaten ​vorwirft. Kremlsprecher Dmitrij Peskow erklärte am Freitag, er habe den auf Instagram ⁠veröffentlichten Appell an Präsident Wladimir Putin noch nicht gesehen. Peskow sprach jedoch von einer ihm bekannten „seltsamen Formulierung“ in dem ​Clip.

In der ​Aufnahme beschuldigt der Veteran Alexander Lunin ‌die russische Militärführung, Soldaten in Gruben ‌festzuhalten, zu foltern und zu töten, wenn sie sich weigerten, „selbstmörderische Befehle“ auszuführen oder Geld an ihre Vorgesetzten ​zu zahlen. Lunin ​drohte zudem damit, die Armee werde ​ihre Waffen gegen den Kreml richten, sollte er nicht bald eine persönliche, live im Fernsehen übertragene Audienz bei Putin erhalten.

Das Video ‌des in der russischen Region Woronesch lebenden Veteranen verzeichnete innerhalb von 24 ‌Stunden mehr als ‌zwölf Millionen Aufrufe. Instagram ist in Russland gesperrt ​und kann von den Nutzern in der Regel ausschließlich über virtuelle private Netzwerke (VPN) ​aufgerufen werden.

Lunin, der in der Aufnahme im ‌Kampfanzug und mit zahlreichen Orden zu sehen ist, legte keine Beweise vor und nannte keine Namen von Opfern oder Tätern. Es blieb unklar, ob er aus eigener Initiative handelte oder eine größere ⁠Gruppe innerhalb der Streitkräfte vertrat. Peskow ‌erklärte, man ‌werde sich die Aufzeichnung zunächst ansehen, bevor man sich inhaltlich dazu äußere.

Ukrainische Energiebranche bereitet sich auf weiteren Kriegswinter vor

Die ukrainische Energiewirtschaft bereitet sich nach Angaben des großen privaten Stromversorgers DTEK intensiv auf einen weiteren Kriegswinter vor. „Wir haben im vergangenen Winter unsere Lektion gelernt, die Energiefirmen, die Regierung, alle Beteiligten“, sagte DTEK-Vorstandschef Maksym Timtschenko bei der Wiederaufbau-Konferenz für die Ukraine (URC) in Danzig.

In den außergewöhnlich kalten Wintermonaten Anfang dieses Jahres hatten russische Luftangriffe die ukrainischen Energienetze schwer beschädigt. In der Hauptstadt Kiew gab es für Hunderttausende Menschen über Wochen keine Heizung und kaum Strom. DTEK habe im Krieg dreimal bis zu 80 Prozent seiner Stromerzeugungskapazitäten verloren und sie immer wieder hergestellt, sagte Timtschenko.

Der vergangene Winter sei der härteste gewesen, weil beschädigte Anlagen teilweise eingefroren seien. „Derzeit haben wir mit den Sanierungsarbeiten begonnen und unser Ziel ist es, noch vor dem Winter über ausreichende Kapazitäten zu verfügen“, sagte der Firmenchef. Voraussetzung sei, dass die Anlagen nicht erneut durch Luftangriffe beschädigt würden. Sie seien aber mittlerweile besser geschützt.

DTEK unterzeichnete in Danzig mit dem US-Unternehmen GE Vernova eine Absichtserklärung über den Bau eines modernen Gasturbinenkraftwerks mit 650 Megawatt Leistung am Standort Burschtyn in der Westukraine. Dies sei Teil der Strategie, Kohle als Hauptenergiequelle zu ersetzen, erläuterte Timtschenko. DTEK habe bereits in Wind- und Solarenergie wie in Batteriekapazitäten investiert und plane im zentralukrainischen Gebiet Poltawa den größten Windpark an Land in Osteuropa. In der Perspektive wolle das Unternehmen auch in Miniatomreaktoren einsteigen.

DTEK gehört zum Firmenkonglomerat des aus der Ostukraine stammenden Oligarchen Rinat Achmetow. Zwei der insgesamt acht Wärmekraftwerke des Unternehmens stehen unter russischer Kontrolle.

Krim ruft Ausnahmezustand aus 

Die ​von Russland eingesetzten Behörden auf der ukrainischen Halbinsel Krim und in der Stadt Sewastopol haben wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten ​den Ausnahmezustand ausgerufen. Der Tourismus und die Ferienlager für Kinder ⁠wurden bis September ausgesetzt. Die Behörden begründeten dies mit Treibstoffmangel und Sicherheitsbedenken. Zudem verkaufen Tankstellen ​seit ​dem 21. Juni keinen Kraftstoff mehr ‌an Privatpersonen und Unternehmen.

Der ‌von Russland ernannte Chef der Krim, Sergej Aksjonow, erklärte auf Telegram, der Ausnahmezustand ​solle schnellere Entscheidungen ermöglichen. ​Damit solle die Versorgung ​in allen lebenswichtigen Bereichen gesichert werden. Weitere Einzelheiten nannten die Behörden nicht. Ukrainische Drohnen haben in ‌den vergangenen Wochen verstärkt die Treibstoffversorgung der Halbinsel ins Visier genommen.

Die Ukraine greift seit ​Monaten auch Energieanlagen tief im russischen Hinterland an, um ​die militärischen Fähigkeiten und die Finanzen Moskaus ‌zu schwächen. Die Drohnenangriffe verschärfen die Versorgungsengpässe in ganz Russland. Verbraucher berichten von steigenden Preisen und langen Schlangen an Tankstellen.

Julia Daniel

Russland meldet massiven ukrainischen Drohnenangriff 

Die Ukraine hat Russland nach Angaben aus Moskau in der Nacht massiv mit Drohnen angegriffen. Das russische Verteidigungsministerium teilte mit, dass 660 ukrainische Drohnen über russischen Gebieten und der 2014 annektierten Schwarzmeer-Halbinsel Krim abgewehrt worden seien. Die Angaben sind unabhängig nicht überprüfbar, lassen aber Rückschlüsse auf die Intensität ukrainischer Angriffe zu. Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass bezeichnete das als heftigsten ukrainischen Drohnenangriff seit Jahresbeginn.

Der Gouverneur der südlich von Moskau gelegenen Region Tula, Dmitri Miljajew, schrieb bei Telegram von allein 157 Drohnen, die über dem Gebiet abgewehrt wurden. Ihm zufolge wurden in Nowomoskowsk eine Hochspannungsleitung und ein Industriebetrieb beschädigt. Einsatzkräfte seien vor Ort. Details nannte er nicht. In Nowomoskowsk liegt der Chemiebetrieb Asot. Das Unternehmen ist eines der größten Chemiewerke in Russland und stellt vor allem Dünger her. Nach eigenen Angaben produziert es unter anderem Ammoniak und Salpetersäure – Stoffe, die auch zur Sprengstoffherstellung genutzt werden können.

Carina Seeburg

Selenskij billigt 40-tägige Offensive gegen Russland

Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij billigt ​nach Beratungen mit dem Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU eine 40-tägige Offensive gegen russische Ziele. Ziel der Operation sei es, Druck auf den Aggressor auszuüben, um ein Ende des Krieges zu erzwingen, teilt Selenskij auf dem Kurznachrichtendienst Telegram mit. Details nannte er nicht. Eine russische Stellungnahme liegt zunächst nicht vor. Die Ukraine greift seit Monaten Objekte in Russland oder in den besetzten Gebieten an, wobei der Schwerpunkt auf der Ölindustrie liegt.

Juri Auel

Nach Spannungen: Lukaschenko ruft zu Verhandlungen auf 

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko ruft nach Spekulationen um eine Beteiligung seines Landes am russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu Gesprächen auf. Er habe erst kürzlich eine Delegation des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij empfangen und diesen davor gewarnt, Belarus in den Krieg hineinzuziehen, sagte Lukaschenko bei einem Treffen mit dem Gouverneur des Moskauer Umlands, Andrej Worobjow. „Unsere Position ist friedliebend“, sagte Lukaschenko der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge. „Lasst uns verhandeln, Leute.“

Lukaschenko betonte, keine Angriffsabsichten zu haben. Auf der anderen Seite ständen nur Einheiten der ukrainischen Territorialverteidigung. „Werden wir etwa auf diese Maschinenschlosser, Melkerinnen und Arbeiter schießen, die gar nicht gegen die Belarussen kämpfen wollen? Auch wir wollen nicht gegen die Ukrainer kämpfen“, betonte der belarussische Staatschef. Darüber habe er in der Vergangenheit auch mit Kremlchef Wladimir Putin geredet. Er sei sogar bereit, die Grenze zu öffnen, damit Ukrainer im belarussischen Grenzgebiet nach Beeren und Pilzen suchen könnten.

Selenskij wiederum wiederholte den Vorwurf der Kriegsvorbereitungen gegenüber Minsk. „Entlang unserer Staatsgrenze zu Belarus werden Bauarbeiten für Straßen, Waffen- und Treibstoffdepots abgeschlossen, die keinen anderen als einen militärischen Zweck haben“, teilte Selenskij in sozialen Netzwerken mit. Dazu veröffentlichte er Karten und Satellitenfotos, die diese Bautätigkeiten belegen sollen. Selenskij forderte Belarus zur Deeskalation und einen Stopp der Bauarbeiten auf.

In den vergangenen Wochen sind die Spannungen zwischen Minsk und Kiew deutlich gewachsen. Die Ukraine warnte Belarus vor einer direkten Kriegsbeteiligung und sprach von Angriffsvorbereitungen. Beim Überfall auf die Ukraine vor mehr als vier Jahren starteten Putins Truppen auch von belarussischem Gebiet aus ihre Angriffe.

Carina Seeburg

Ukrainische Firma will bis Jahresende Raketenabwehrsystem herstellen

Das ukrainische Rüstungsunternehmen ​Fire Point will nach einer Übereinkunft mit dem deutschen Partner Hensoldt den Aufbau eines europäischen Raketenabwehrsystems beschleunigen. Erste Abfangraketen des Typs FP-7X sollten ​Ende des Jahres einsatzbereit sein, sagte Fire-Point-Mitgründer Denys Schtylierman. Das ukrainische Unternehmen und Hensoldt hatten erst Mitte Juni eine Absichtserklärung zum Bau eines ballistischen Raketenabwehrsystems unterzeichnet.

Hensoldt ​soll ​für das System sein Hochleistungsradar TRML-4D liefern. ‌Zudem stehe Fire Point vor ‌dem Abschluss weiterer Partnerschaften mit europäischen Rüstungsunternehmen für das Projekt, sagte Schtylierman. Der Mangel an Raketenabwehrsystemen gehört ​zu den größten ​Herausforderungen für die Ukraine seit dem ​russischen Überfall auf das Land. Die Produktion von US-Patriot-Systemen hält mit dem russischen Ausstoß an ballistischen Raketen nicht Schritt. Unter den Bedingungen ‌des Krieges in der Ukraine könne das Unternehmen Tests deutlich schneller vornehmen als ‌europäische Konkurrenten, sagte Schtylierman. ‌Fire Point warte auf die Genehmigung europäischer Regierungen, ​um Tests der Abfangraketen mit dem Hensoldt-Radar zu beginnen. 

Unabhängig von dem ‌Projekt plant Fire Point im Sommer erste Flugtests für seine neue ballistische Rakete FP-9, die eine Reichweite von 850 Kilometern haben soll. Fire Point ist auch der Hersteller der ⁠ukrainischen Flamingo-Marschflugkörper. 

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