- Alle Artikel zum Thema finden Sie auf unserer Themenseite zum Krieg gegen die Ukraine. Eine Übersichtskarte mit den aktuellen Entwicklungen aktualisieren wir täglich hier.
- Russische oder ukrainische Angaben zu Details einzelner Angriffe und zur Zahl Verletzter und Getöteter lassen sich derzeit nicht unabhängig verifizieren.
- Neben eigenen Recherchen verwenden wir Material der Nachrichtenagenturen AFP, AP, dpa, epd, KNA und Reuters.
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Schwere nächtliche Angriffe auf Kyjiw
Schwere Explosionen haben in der Nacht die ukrainische Hauptstadt Kyjiw erschüttert. Dutzende Detonationen, teils von Flugabwehrraketen, waren in der Nacht im Stadtzentrum zu hören. Kurz zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe im Onlinedienst Telegram erklärt, dass sich ballistische Raketen Kyjiw näherten.
Bürgermeister Vitali Klitschko informierte über Einschläge und Schäden in mindestens vier Stadtteilen. Es sei zu Bränden gekommen. Mindestens sieben Menschen seien verletzt worden. Angaben der ukrainischen Luftwaffe zufolge wurden mehr als zwei Dutzend ballistische Raketen auf Ziele in und nahe der Hauptstadt abgefeuert. Laut der Militärverwaltung von Kyjiw wurde ein Wohngebäude im Bezirk Schewtschenkiwskyj getroffen. Zudem sei ein Einkaufszentrum mit Freizeiteinrichtungen im Bezirk Dniprowskyj zum Ziel geworden.

Tote und Verletzte bei Angriff auf Odessa
Bei dem russischen Raketenangriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Vier Menschen seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region Odessa, Oleh Kiper, bei Telegram mit. Eine Rakete sei in einem Vergnügungspark eingeschlagen. Unter den Trümmern von Fischerhäusern könnten noch weitere Opfer sein. Mehrere Autos seien beschädigt worden.

Selenskyj reagiert auf Demonstrationen
Weil die öffentlichen Proteste gegen die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow weiter anhalten, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Gespräche mit Militärs geführt. »Natürlich höre ich, was die Leute sagen«, versicherte Selenskyj in einer Videoansprache. Er habe lange mit Fedorow und ebenso mit Armeechef Olexander Syrskyj gesprochen. »Entscheidungen bezüglich der Armee werden ausgearbeitet«, sagte Selenskyj, ohne Details zu nennen.
Währenddessen demonstrierten in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw und in anderen Städten den dritten Tag in Folge wieder mehrere Tausend vor allem junge Menschen gegen Fedorows Entlassung. Die Demonstranten fordern seine Wiedereinsetzung, aber auch die Ablösung von Armeechef Syrskyj. Ein Konflikt zwischen Syrskyj und Fedorow gilt als Grund für den von Selenskyj vorgenommenen Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums.

Tote und Verletzte bei russischem Angriff auf Kramatorsk
Bei russischen Bombenangriffen auf die ostukrainische Stadt Kramatorsk sind mindestens zwei Menschen getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, teilte der Militärgouverneur des Gebiets Donezk, Wadym Filaschkin, bei Telegram mit. Die russische Luftwaffe habe drei Gleitbomben abgeworfen. Filaschkin forderte die verbliebenen Einwohner ein weiteres Mal zur Flucht aus den frontnahen Gebieten auf. Kramatorsk ist nur etwas mehr als zwölf Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Russland tötet bei Angriff auf Hafen von Odessa einen Menschen
Bei einem russischen Angriff auf den Hafen der ukrainischen Schwarzmeer-Stadt Odessa ist nach Behördenangaben ein Mensch getötet worden. Zudem seien drei weitere Menschen verletzt worden, teilte der Regionalgouverneur Oleh Kiper auf Telegram mit. Der Angriff traf in der Nacht demnach ein Schiff unter der Flagge von Antigua und Barbuda. Dabei seien Hafeneinrichtungen wie Gebäude, Lagertanks und Lagerhäuser beschädigt worden.
Tote nach Drohnenangriff auf russisches Logistikzentrum
Bei einem ukrainischen Angriff auf ein Logistikzentrum in Russland sind dem Gouverneur der westrussischen Region Tambow zufolge sieben Menschen getötet und 25 verletzt worden. Die Drohnen hätten die Stadt Kotowsk getroffen, sagte Jewgeni Perwijschow. Bei den Toten handele es sich um Mitarbeiter der Nachtschicht des Logistikzentrums.
Auch aus der russischen Hauptstadt Moskau wurden Drohnenangriffe gemeldet. Insgesamt habe die ukrainische Armee 370 Drohnen in Richtung Moskau gestartet, sagte Bürgermeister Sergej Sobjanin. »Die meisten wurden von der Luftabwehr bereits in weiter Ferne neutralisiert. 64 feindliche Drohnen wurden im Anflug auf Moskau zerstört.« Trümmer von abgeschossenen Drohnen lösten zudem einen Brand in einem Öllager in Noginsk aus, wie Gouverneur Andrei Worobjow bekannt gab.
Präsident Wolodymyr Selenskyj teilte ebenfalls mit, dass die Ukraine zwei große Logistikanlagen in den russischen Regionen Moskau und Tambow sowie eine russische Ölanlage angegriffen habe. Selenskyj sprach davon, dass die Logistikanlagen von Russland zur Lieferung von sanktionierten Bauteilen für die Drohnenproduktion und Navigationsausrüstung genutzt worden seien.
Die ukrainische Armee hatte ihre Drohnenangriffe auf Russland zuletzt deutlich verstärkt. Dabei nimmt sie bewusst Infrastruktur ins Visier, um so nach eigenen Angaben den Nachschub für die russische Armee zu stören.
Ukrainer demonstrieren erneut gegen Absetzung von Fedorow
In der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw haben am Abend erneut Tausende Menschen gegen die Ablösung von Verteidigungsminister Mychailo Fedorow protestiert. Demonstrantinnen und Demonstranten schwenkten ukrainische Flaggen und hielten Plakate in die Luft, auf denen »Bringt Fedorow zurück!« und »Respektiert das Volk!« standen. Fedorow war am Mittwoch von Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Regierungsumbildung abgesetzt worden.
Der Schritt stößt auf den Widerstand zahlreicher Ukrainerinnen und Ukrainer, für die der Minister für die Modernisierung der von Bürokratie und Korruptionsvorwürfen belasteten Armee stand.
Am Donnerstag hatte Selenskyj den Geheimdienstmitarbeiter Jewhenij Chmara zum geschäftsführenden Verteidigungsminister ernannt. Das Parlament muss der Personalie noch zustimmen. Bereits am Donnerstag hatten in Kyjiw und anderen Städten Bürgerinnen und Bürger für einen Verbleib Fedorows im Amt protestiert.

Ukrainehilfen sollen aus Sicht von Wadephul nicht unter Schuldenbremse fallen
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Ukrainehilfen von der Schuldenbremse auszunehmen. Zuvor hatte das schon Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) gefordert. »Ich halte das für eine sinnvolle Idee«, sagte Wadephul dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). »Darüber muss jetzt in der Koalition diskutiert und im Herbst entschieden werden.«
Alabali Radovan hatte argumentiert, mit dem Schritt könne man den finanziellen Spielraum für humanitäre Hilfe und Entwicklungshilfe erhöhen. »Mit unserer Entwicklungszusammenarbeit konnten alleine im letzten Winter mehr als drei Millionen Menschen trotz der schweren Angriffe Russlands weiter mit Energie, mit Strom und Wärme versorgt werden«, hatte die SPD-Politikerin gesagt.

Frachter bei russischem Raketenangriff auf Odessa beschädigt
Bei russischen Raketenangriffen auf das südukrainische Gebiet Odessa ist ein Frachtschiff beschädigt worden. Vier Mitglieder der 17-köpfigen Besatzung seien verletzt worden, teilte der Militärgouverneur der Region, Oleh Kiper, auf Telegram mit. Das Schiff fuhr demnach unter der Flagge der Marschallinseln. Zuvor sei auch »industrielle Infrastruktur« angegriffen worden. Den Angaben nach wurden dabei ein Verwaltungs- und ein Lagergebäude sowie mehr als ein Dutzend Autos beschädigt.
Das russische Verteidigungsministerium berichtete von Angriffen auf zwei Häfen in der Region Odessa durch russisches Militär. Eine Attacke galt demzufolge einem Frachter mit Gütern für die ukrainische Armee. Im Hafen Odessa selbst seien wiederum Treibstofftanks das Ziel gewesen. Zusätzlich seien noch weitere Frachtschiffe in der Nachbarregion angegriffen worden. Dafür gab es keine Bestätigung von ukrainischer Seite.
In ihrem seit 2022 andauernden Abwehrkampf gegen die russische Invasion führt die Ukraine seit Tagen Drohnenangriffe gegen Schiffe durch, die russisch kontrollierte Häfen im Schwarzen und im benachbarten Asowschen Meer anlaufen. Russland hat daraufhin seine Angriffe auf ukrainische Häfen an der Schwarzmeerküste ausgeweitet.

Selenskyj will Morde der ukrainischen Partisaneneinheit im Zweiten Weltkrieg aufarbeiten lassen
Nach den politischen Spannungen mit Polen will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Beziehungen zum Nachbarland wieder verbessern. Bei einem Treffen mit hochrangigen Beamten sicherte der Präsident zu, dass die Morde der Partisaneneinheit Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) an Polinnen und Polen im Zweiten Weltkrieg besser aufgeklärt werden sollen.
Gute Beziehungen zu Polen seien von entscheidender Bedeutung angesichts der großen Hilfe Polens für die Ukraine seit der russischen Invasion 2022, sagte Selenskyj. »Die Prioritäten sind klar: Wir alle in Europa brauchen gute nachbarschaftliche, gleichberechtigte und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen, die auf Respekt beruhen«, schrieb Selenskyj nach dem Treffen auf X.
Ende Mai hatte die geplante Benennung einer ukrainischen Armeeeinheit nach Kämpfern der UPA große Kritik in Polen ausgelöst. Der polnische Präsident Karol Nawrocki entzog daraufhin Selenskyj Polens höchste Auszeichnung.
Der Präsident wirkt getrieben, sein Stil überholt
Wolodymyr Selenskyjs kommunikatives Talent war bislang die größte Stärke des ukrainischen Präsidenten. Doch sein misslungener Regierungsumbau stiftet Chaos: Die Entlassung des populären Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow provoziert Proteste, die Ernennung eines Nachfolgers verzögert sich, Selenskyjs Begründung seines Vorgehens klingt wenig überzeugend.
Insgesamt erweckt der Präsident den Eindruck, als verliere er sein bisher starkes Gespür für die öffentliche Meinung. Das ist ein Symptom eines nach fast fünf Jahren Krieg sichtlich ermüdeten politischen Systems.
Den Ukraine-Wochenrückblick können Sie hier lesen:

Nach wechselseitigen Angriffen Tote in Russland und der Ukraine
Bei gegenseitigen Angriffen beider Länder sind mindestens sieben Menschen getötet worden. Der folgenschwerste Angriff ereignete sich in der ukrainischen Hafenstadt Odessa, wo laut Vize-Bürgermeister Oleksandr Filatow zwei Menschen getötet und acht weitere verletzt wurden. Eine russische Rakete war in ein Wohngebäude eingeschlagen. Durch den Angriff wurden außerdem Wohngebäude, eine religiöse Einrichtung, eine Schule, sowie weitere zivile Infrastruktur beschädigt, wie Filatow mitteilte.
Bei einem Angriff auf die nahegelegene Hafenstadt Mykolajiw kamen zwei weitere Menschen an Bord eines zivilen Schiffes ums Leben, wie die örtliche Staatsanwaltschaft mitteilte. Einen Toten und fünf Verletzte gab es nach Angaben der Militärverwaltung bei einem Angriff in Cherson.
Durch ukrainische Drohnen wurde in der russischen Region Belgorod örtlichen Behörden zufolge ein Mann in seinem Auto getötet. Einen weiteren Toten gab es laut dem von Moskau eingesetzten Gouverneur in der Stadt Horliwka, die in den von Russland eroberten ukrainischen Gebieten in der Region Donezk liegt.

Ukrainische Medien berichten trotz Verbots über Korruptionsvorwürfe
Acht ukrainische Medienhäuser haben sich einem gerichtlichen Verbot widersetzt und über Korruptionsvorwürfe im Umfeld des Chefs der Ermittlungsbehörde SBI berichtet. »Wir betrachten dieses Verbot als einen eklatanten Akt der Zensur«, teilte das Medienhaus Suspilne mit. Deshalb sei es nötig, »zusammen mit anderen die Ergebnisse der Recherche zu herauszugeben«.
Die Investigativplattform Slidstvo.Info und die Anti-Korruptions-Organisation Antac hatten zu Immobiliengeschäften des Bruders von SBI-Direktor Oleksij Suchatschow recherchiert, der 143 Immobilien erworben haben soll.
Anfang Juli hatte ein Gericht die Veröffentlichung der Korruptionsvorwürfe untersagt. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass die Bekanntgabe Suchatschow und den beteiligten Unternehmen irreparablen Schaden zufügen würde. Die Behörde SBI ist unter anderem für die Strafverfolgung von Richtern und Militärangehörigen zuständig.

Ernennung des neuen Verteidigungsministers könnte sich verzögern
Die Ernennung des Wunschkandidaten von Präsident Wolodymyr Selenskyj für das Amt des ukrainischen Verteidigungsministers könnte sich noch hinziehen. Nach der Entlassung des populären Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow, die weiter für Proteste sorgt, hatte Selenskyj mitgeteilt, er wolle das Parlament darum bitten, der Ernennung des kommissarischen Chefs des Geheimdienstes SBU, Jewhenij Chmara, zum neuen Ressortchef formell zuzustimmen.
Verzögert werden könnte dies durch bürokratische Hindernisse: Nach dem ukrainischen Gesetz muss das Verteidigungsministerium von einer Zivilperson geführt werden. Ein aktiver Soldat oder Sicherheitsbeamter müsste deshalb erst den Dienst quittieren, um ernannt werden zu können. Hinzu kommt, dass die Abgeordneten bis Mitte August in der Sommerpause sind. Unklar ist auch, ob eine ausreichende Zahl an Abgeordneten für Chmara stimmen würde.
Nach Angaben Selenskyjs hatten sich die Beziehungen zwischen Fedorow und dem Oberkommandierenden der Armee, Olexander Syrskyj, verschlechtert, der seine Militärkarriere noch in der Sowjetunion begonnen hatte. Dadurch sei der erst 35-jährige Fedorow im Amt nicht mehr haltbar gewesen. Fedorow hatte in nur sechs Monaten im Amt die innovative Drohnentechnologie der Ukraine vorangetrieben und war gegen Korruption innerhalb des Militärs vorgegangen.
Lambsdorff sieht Putin nicht bereit zu Verhandlungen
Der scheidende deutsche Botschafter in Russland, Alexander Graf Lambsdorff, sieht bei Russlands Präsident Wladimir Putin weiterhin »keinen ernsthaften Willen zu Verhandlungen« über ein Ende des völkerrechtswidrigen Angriffskriegs in der Ukraine. »Putin wirkt sehr entschlossen, den Krieg fortzuführen, um ihn zu gewinnen«, sagte Lambsdorff im Interview mit dem Spiegel.
Im Gegenteil warnte er, dass in Moskau »immer mehr Menschen« über eine zweite mögliche Mobilmachung wehrfähiger Männer nach der Duma-Wahl im September redeten. »Auch ich befürchte, dass noch mal Russen im größeren Maßstab eingezogen werden könnten«, sagte Lambsdorff.
In Russland nehmen die Repressionen seiner Einschätzung nach zudem zu. »Es ist fürchterlich, eine schleichende Re-Stalinisierung«, sagte er dem Spiegel. Lambsdorff verlässt diese Woche nach drei Jahren Russland, um in Kürze nach Israel zu wechseln.

vor 7 Stunden
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