Eigentlich hatten wir uns in München treffen wollen. Aber dann kamen überraschend ein paar Hindernisse dazwischen, und so ist die fünfundzwanzigjährige Cecilia Shen per Videocall aus Mountain View im Silicon Valley zugeschaltet. Cecilia Shen mischt gerade die Film- und Tech-Welt auf. „Forbes“ zählt sie zu den dreißig einflussreichsten Frauen unter 30. Shens Firma Utopai Studios scheint den Wettlauf um die schnellste Anwendung von KI als kompletter Spielfilmproduzent vorerst gewonnen zu haben. Zumindest erklärt das den massenhaften Zulauf von Investorengeld. Der frühere Basketball-Star Carmelo Anthony investierte dem Vernehmen nach fünf Millionen Dollar in Utopai. Im Mai wurde die Firma mit einer Milliarde US-Dollar bewertet.
Wie würden Sie „Utopai Studios“ in wenigen Worten beschreiben?
Utopai Studios ist ein Entertainment-Studio der nächsten Generation, das sich auf die Produktion und Koproduktion von Originalfilmen, Serien und globalen Franchises spezialisiert hat. Im Zentrum des Studios steht PAI, unsere firmeneigene KI-Plattform, die speziell für die Unterstützung von Langform-Storytelling entwickelt wurde und Filmemachern und Kreativen die Kontrolle über den gesamten Prozess ermöglicht.
Welche Projekte haben Sie in Planung?
Unser aktuelles Projektportfolio umfasst „Cortés“, „Space Nation“ (eine Koproduktion mit Ex Machina Studios), „Half Moon“ und „Journey to the West: The Lost Five Hundred Years“ (eine Koproduktion mit Huace Film & TV). Wir gehen außerdem davon aus, innerhalb der nächsten Woche ein weiteres Großprojekt ankündigen zu können.
Welche Filme haben Sie besonders geprägt, und wie viel haben Sie in Ihrem Leben etwa gesehen?
Ich habe Tausende Movies gesehen. Zu meinen Lieblingsfilmen gehören „American Psycho“, „Annie Hall“, „Coco“, „Der talentierte Mr. Ripley“, „Es war einmal in Amerika“, „Angel Heart“, „Body Double“, „Eine verhängnisvolle Affäre“ und „Die fabelhafte Welt der Amélie“.
Wo sehen Sie die Zukunft des Filmemachens, und was unternimmt Utopai Studios, um diese Zukunft mitzugestalten?
Ich glaube, die Zukunft des Filmemachens wird von vier Hauptkräften geprägt sein: Lokalisierung, Demokratisierung, Künstliche Intelligenz und das Aufkommen neuer filmischer Formate.
Was ist da der Anteil der Künstlichen Intelligenz?
Künstliche Intelligenz (KI) stellt die nächste industrielle Revolution im Filmbereich dar. Sie wird Produktionsstandards verändern und Kreativen neue Wege eröffnen, ambitionierte Geschichten zu erzählen, während die Demokratisierung der Branche einer viel breiteren Palette von Stimmen Gehör verschafft. Gleichzeitig erwarten die Zuschauer zunehmend Geschichten, die kulturell relevant und lokal authentisch wirken, selbst wenn sie für einen globalen Markt konzipiert sind.
Verändert das unser Konsumverhalten?
Ja. Auch die Form des Kinos wird sich weiterentwickeln. Zukünftiges Storytelling wird sich nicht mehr auf traditionelle Genres, Formate oder Produktionsmethoden beschränken. Filme und Serien werden zunehmend verschiedene visuelle Stile, Technologien und Medien miteinander verbinden. Ungeachtet der technologischen Veränderungen bleibt das wichtigste Ziel jedoch dasselbe: eine authentische emotionale Verbindung zum Publikum herzustellen.
Aber dafür sind immer noch Menschen vonnöten.
Eben. Utopai Studios bereitet sich auf diese Zukunft vor, indem es außergewöhnliche Filmemacher, Autoren, Produzenten, Künstler und Technologen zusammenbringt und ihnen Werkzeuge an die Hand gibt, mit denen sie Geschichten in einem Umfang erzählen können, der zuvor nicht möglich gewesen wäre.
Wie viele Mitarbeiter hat Utopai?
Wir sind 80 Mitarbeiter. Wir wollen so schnell wie möglich wachsen und in noch mehr Destinationen präsent sein. Gerade sind wir in San Francisco, Los Angeles, Spanien, Korea, London, Berlin.
Sie arbeiten in Deutschland an diversen Projekten, unter anderem mit dem ZDF.
Wir haben viele Beziehungen zu Deutschland. Wir sehen, wie Deutschland wächst beim Content-Creating. Es ist ein perfekter Workplace für Produzenten, in Berlin sitzt die VFX-Forschung, viele gute Schauspieler und Regisseure sind da. Wir haben auch schon eine deutsche Mitarbeiterin hier im Team im Silicon Valley.
Sie arbeiten auch mit dem Regisseur Roland Emmerich zusammen?
Ja, wir haben mit ihm gearbeitet. Wir konnten so viel von seiner Philosophie, von seiner Art des Filmemachens lernen, dass wir ihm unendlich dankbar sind. Es ist seine universelle Weise, die Dinge zu sehen, die mich begeistert und dankbar sein lässt.
Wie sind Sie mit der Schauspielerin Elisa Hofmann in Kontakt gekommen, die in der Serie „Half Moon“, einer deutsch-koreanischen Koproduktion, eine Hauptrolle spielt?
Unser deutscher Partner ist die Produktionsfirma In Good Company. Ich liebe es, mit deutschen Kreativen zu arbeiten, ganz besonders mit dem Regisseur Matthias Glasner und dem Schauspieler Lars Eidinger.
Hier in Deutschland ist man skeptisch beim Blick auf die Zukunft der Filmindustrie und empfindet KI als Bedrohung, vor allem als Arbeitsplatzvernichter.
Aber das ist nicht wahr. Wir brauchen immer noch mehr Schauspieler und Leute für die Postproduktion. Ich denke, viele sind nervös wegen der KI. Es ist generell so, dass ein Niedergang durch KI befürchtet wird. Dass Leute ihre Jobs verlieren, ist aber nicht Schuld der KI. KI bringt noch mehr Arbeit zu den Leuten. Wir brauchen noch mehr Autoren, Regisseure, Schauspieler. Niemand sollte Angst haben. KI schafft Arbeit, weil mit weniger Mitteln sonst unrealisierbare Projekte möglich werden. Vertrauen Sie mir.
Wo sind Sie groß geworden, und wann sehen wir Sie in Deutschland?
Ich bin in China geboren und habe die Teenagerzeit in Kanada verbracht. Ich war in Frankfurt, München und Berlin, wo ich im letzten Jahr eine großartige Zeit hatte. Im späten Sommer werde ich wieder in Berlin sein und da eventuell auch ein paar Tage urlauben.

vor 5 Stunden
1











English (US) ·