Neben dem geplanten neuen Ballsaal im Weißen Haus steht wohl kaum ein Gebäude in der US-Hauptstadt so sehr im Fokus des US-Präsidenten wie das Kennedy Center. Gerade erst ließ Donald Trump seinen eigenen Namen an die Außenwand des Kulturzentrums schrauben (mehr hier), nun steht die nächste bauliche Veränderung an. Und die hat es in sich.
Trump hat die Schließung der angesehensten Kultureinrichtung in Washington für eine Dauer von zwei Jahren für Renovierungsarbeiten bekannt gegeben. Dies sei »der schnellste Weg, um das Trump Kennedy Center auf das höchste Niveau an Erfolg, Schönheit und Pracht zu bringen«, erklärte Trump am Sonntag (Ortszeit) in seinem Onlinedienst Truth Social. Er sprach von einer »Bastion der Kunst und Musik«. Von dem Zentrum selbst gibt es bisher keine Stellungnahme.
Das Zentrum soll ab dem 4. Juli – dem 250. Jahrestag der Ratifizierung der US-Unabhängigkeitserklärung – renoviert werden, wie Trump erklärte. Die Entscheidung müsse noch vom Direktorium abgesegnet werden. Die Mitglieder des Gremiums wurden von Trump ausgewählt, die Chancen stehen also nicht schlecht. Zu den genauen Kosten äußerte sich Trump nicht, sondern sprach nur von einer »kompletten Finanzierung«.
Die verschiedenen Veranstaltungen der Einrichtung – Konzerte, Opern, Musicals, Ballettaufführungen und interaktive Kunst – würden die Bau- und Renovierungsarbeiten behindern und verlangsamen, erklärte der US-Präsident. Daher sei eine vorübergehende vollständige Schließung notwendig. »Amerika wird über viele Generationen hinweg sehr stolz auf sein neues und schönes Wahrzeichen sein«, so Trump.
Was genau der »komplette Umbau« des Kulturzentrums umfassen werde, war zunächst unklar. Trump betont jedoch seit Langem, dass das Bauwerk marode sei und einer Überholung bedürfe. Er beklagte unter anderem angeblich kaputte Aufzüge und eine Rattenplage.
Bekannter Komponist Glass sagt Aufführung ab
Der Republikaner hatte das Kennedy Center nach seinem Amtsantritt im Januar als »woke« angeprangert. Er setzte mit Richard Grenell einen Gefolgsmann als Präsidenten des Zentrums ein, besetzte das Direktorium neu und ließ sich selbst zum Vorsitzenden wählen. Angeblich »linke« Programminhalte wurden in der Folge gestrichen und durch »patriotische« ersetzt. Trump nahm zudem bauliche Veränderungen vor und ließ etwa Säulen golden anstreichen.
Die Einmischung des Präsidenten sorgte auch bei vielen Künstlern für Unwohlsein. So erklärte der bekannte Komponist Philip Glass Ende Januar, dass er die Uraufführung seines Werks »Lincoln« über Abraham Lincoln im Kennedy Center abgesagt habe (mehr Informationen dazu hier). Unter der aktuellen Führung würden Werte vertreten, mit denen er sich nicht arrangieren könne.
Schon seit Trumps zweitem Amtsantritt sagten zahlreiche weitere Künstlerinnen, Künstler und Gruppen Auftritte am Kennedy Center ab. Unter ihnen: die Schauspielerin Issa Rae, das Musical »Hamilton«, der Banjo-Spieler Béla Fleck, die Opernsängerin Renée Fleming, die Martha Graham Dance Company, der »Wicked«-Komponist Stephen Schwartz sowie die Washington National Opera, die seit 1971 dort auftritt.
Scharfe Kritik an Trumps Gefolgsmann
In der Begründung hatte die Washington National Opera Grenell scharf kritisiert. Dieser habe ein neues Geschäftsmodell eingeführt, das mit der Arbeitsweise der meisten gemeinnützigen Opernhäuser nicht vereinbar sei. Aktuell müsse die Oper für jede Produktion oder jedes Event vorab nachweisen, dass diese vollständig durch erwartete Ticketverkäufe oder gesicherte Fremdmittel finanziert seien, bevor sie genehmigt würden. Für das Opernhaus seien diese Anforderungen jedoch »nicht praktikabel« (mehr dazu hier).
Im Oktober 2025 hatte die »Washington Post« berichtet, dass die Kartenverkäufe des Zentrums neun Monate nach der Übernahme durch Trump auf den Tiefstwert seit der Pandemie gefallen waren . So waren laut der Zeitung zwischen Anfang September und Mitte Oktober 2025 weit mehr Plätze in den Sälen des Zentrums unbesetzt als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum: 2024 waren es demnach rund sieben Prozent, 2025 dann rund 43 Prozent. Gleichzeitig wurde nur halb so viel Geld für Tickets ausgegeben.
Das 1971 eröffnete Kulturzentrum war nach dem 1963 ermordeten Demokraten John F. Kennedy benannt worden, der mit seiner Frau zu Lebzeiten Geld für den Bau gesammelt hatte. Es galt bis vor Kurzem als über den Parteien stehende Einrichtung mit rund zwei Millionen Besucherinnen und Besuchern jährlich.

vor 2 Tage
1





English (US) ·