Julia Roberts: Noch zarter, noch härter

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In Venedig gelingt Julia Roberts ein eindrucksvolles Comeback: In dem MeToo-Thriller "After the Hunt" begibt sich ihre Figur auf eine faszinierende Höllenfahrt.

29. August 2025, 21:05 Uhr

 Nicht nur der rote Teppich vor dem Premierenkino am Lido, auch ihr neuer Film "After the Hunt" bietet Julia Roberts einen Laufsteg.
Nicht nur der rote Teppich vor dem Premierenkino am Lido, auch ihr neuer Film "After the Hunt" bietet Julia Roberts einen Laufsteg. © Andreas Rentz/​Getty Images

Es ist so schön, sie wiederzusehen. Julia Roberts ist noch zarter geworden, fast durchscheinend. Und doch erfasst ihre irisierende Präsenz und Energie jedes Bild ihres neuen Films, egal ob sie in einer überfüllten Bar sitzt, einen lausig ausgeleuchteten Flur entlangläuft oder in ihrer weiß gestrichenen Wohnung auf einem grünen Samtsofa lümmelt – und zugleich thront.

In dieser ersten Szene von Luca Guadagninos After the Hunt, der in Venedig seine Weltpremiere feiert, ist Roberts wirklich eine Königin, angehimmeltes Zentrum einer Party der US-amerikanischen Bildungselite. Sie spielt Alma Imhoff, eine Philosophieprofessorin, die gerade einen Abend für Kollegen und Studierende schmeißt. Im großzügigen Wohnzimmer befindet sich auch schon das konfliktbestimmende Personal: Almas Ehemann, der Psychoanalytiker Frederik (Michael Stuhlbarg), ihre lesbische Studentin Maggie (Ayo Edebiri), ihr jüngerer, ihr in Sachen Ehrgeiz ebenbürtiger Freund und Kollege Hank (Andrew Garfield). Die Energiefelder aus Begehren, Bewunderung und Eifersucht schweben noch unbestimmt durch den Raum, umso klarer ist das in der Diskussion aufscheinende Thema des Films: Es geht um Ideen des französischen Philosophen Michel Foucault, um das Konzept der öffentlichen Bestrafung, der Lynchjustiz durch Ächtung und Ausgrenzung.

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