Jo Franzke Gestorben: Der Ein-Mann-Gestaltungsbeirat für Frankfurt

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Er plante Bauten in Libyen, in Dubai, Abu Dhabi und in China. Das war um die Jahrtausendwende, als es alle ehrgeizigen deutschen Architekten in den Nahen und Fernen Osten zog, wo die Genehmigungsverfahren kürzer, die Bauherren unkomplizierter und die Projekte spektakulärer und lukrativer zu sein versprachen als hierzulande. Doch fast alle Auslandsvorhaben von Jo Franzke sind über das Entwurfsstadium nicht hinausgekommen.

Das hatte mancherlei Gründe, vor allem aber wohl einen: Diese Projekte interessierten ihn nicht wirklich. Die Entwürfe, mit denen sein Büro erfolgreich zu sein hoffte, entsprachen dem Geschmack der potenziellen Auftraggeber: ein Doppelhochhaus, gespannt wie ein Flitzebogen. Ein viergeteilter Glasturm, umhüllt von einem netzartigen Tragwerk. Aber sie waren nicht das, was Franzke selbst für gute Architektur hielt. Und etwas zu verkaufen, an das er nicht glaubte, das war ihm nicht gegeben.

Dafür hat er in Zeitz gebaut, in Berlin, in Neuwied und in Gera. Vor allem aber in Frankfurt, der Stadt, in die der gebürtige Berliner 1981 gekommen war, um hier das Büro von Oswald Mathias Ungers zu leiten. Von dem strengen Meister hat Franzke später eher distanziert gesprochen. Dessen Liebe zum Quadrat hat er geteilt, war aber weniger obsessiv darin. Überhaupt war er kein Freund von Dogmen. Eine gewisse Extravaganz in Details zog er der reinen Lehre vor. So wie in seiner Kleidung – die schwarze Architektenuniform war ihm ein Graus.

Seit er sich im Jahr 1986 selbständig gemacht hatte, entstanden mehrere Dutzend Gebäude von ihm in Frankfurt und Eschborn, darunter auch Hochhäuser in Gateway Gardens am Flughafen. Zwar ist kein Bau dabei, der einer breiten Öffentlichkeit vor Augen stünde, doch hat er maßgeblich dazu beigetragen, das Stadtbild durch die durchweg hohe Qualität seiner Entwürfe zu heben, etwa für das „Handelsblatt“. Er bevorzugte hellen Naturstein als Fassadenmaterial, aber auch Putz und Glas kamen in Frage. Er hat noble Stadthäuser für eine wohlhabende Klientel errichtet, aber auch sozialen Wohnungsbau, dem er genauso viel Liebe zum Detail angedeihen ließ.

Franzke war lange Jahre im BDA engagiert, um die Baukultur zu befördern. Er gab Bücher zur Architekturentwicklung in seiner Wahlheimat heraus. Die Bände in seiner beeindruckenden Architekturbibliothek hatte er gelesen; das dabei erworbene historische und theoretische Wissen nutzte er in Diskussionen, ohne damit aufzutrumpfen. Humorbegabt und von ausgesuchter Höflichkeit, besaß er die auch unter Architekten seltene Gabe, eine klare Haltung zu vertreten, ohne sich im Besitz einer allein selig machenden Wahrheit zu glauben. Unter Konservativen, denen er näher stand, wie unter Modernen, deren Ansatz er verstand (und deren Erbe er verteidigte, etwa indem er sich für den Erhalt der Frankfurter Theaterdoppelanlage einsetzte), fand er dadurch Gehör und Respekt. Jetzt ist Jo Franzke im Alter von 85 Jahren in Frankfurt gestorben.

F.A.Z.

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