Jeffrey Epstein: Norwegische Diplomatin zieht Konsequenzen aus Skandal

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Die bekannte norwegische Diplomatin Mona Juul ist wegen ihrer Verbindungen zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein von ihrem Botschafterposten zurückgetreten. Wie das Außenministerium in Oslo am Sonntag mitteilte, trat Juul nach der Einleitung von Ermittlungen als Botschafterin in Jordanien und im Irak zurück. Sie war wegen ihrer Verbindungen zu Epstein bereits vorübergehend suspendiert worden. Der Fall ist Teil eines wachsenden Skandals in dem nordischen Land und in ganz Europa.

Juul und ihr Ehemann Terje Röd-Larsen spielten eine wichtige Rolle bei den langwierigen geheimen Verhandlungen zwischen Israel und der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), die Anfang der Neunzigerjahre zum Friedensabkommen von Oslo geführt hatten. Norwegischen Medienberichten zufolge sind die beiden Kinder des Paars in Epsteins Testament als Erben einer Summe von insgesamt zehn Millionen Dollar (8,5 Millionen Euro) eingesetzt.

Der norwegische Außenminister Espen Barth Eide nannte Juuls Rücktritt eine »richtige und notwendige Entscheidung«. Juuls Kontakt mit dem verurteilten Sexualstraftäter Epstein hätte eine schwerwiegende Fehleinschätzung offenbart. Der Fall erschwere es, das Vertrauen wiederherzustellen, das diese Funktion erfordere. Eide teilte weiter mit, das Außenministerium werde während der laufenden Untersuchung weiterhin mit Juul sprechen, um das Ausmaß ihrer Verbindungen zu Epstein zu klären.

Ein Anwalt Juuls erklärte, sie sei freiwillig zurückgetreten, da die aktuelle Situation es ihr unmöglich mache, ihre Arbeit auszuüben.

Das Außenministerium teilte außerdem mit, es habe eine Überprüfung früherer Fördermittel an das International Peace Institute (IPI) eingeleitet, einen New Yorker Thinktank, der bis 2020 von Juuls Ehemann Terje Rød-Larsen geleitet wurde.

Rød-Larsen, der 1996 unter dem damaligen Ministerpräsidenten Thorbjørn Jagland kurz als Minister amtierte, hat inzwischen mehrfach für seine Verbindung zu Epstein um Entschuldigung gebeten.

Weitere prominente Norweger betroffen

Das Justizministerium in Washington hatte Ende Januar mehr als drei Millionen weitere Dokumente zum Fall Epstein veröffentlicht, darunter E-Mails, Fotos und Videos. Neben Juul tauchen norwegischen Medienberichten zufolge auch der Name des ehemaligen Ministerpräsidenten und früheren Generalsekretärs des Europarates, Thorbjörn Jagland, und des früheren Außenministers Börge Brende in den neuen Dokumenten auf. Seit 2017 ist er Präsident des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit räumte bereits »peinliche« Fehler ein, nachdem norwegische Medien über ihre Freundschaft mit Epstein berichtet hatten. Ihr Name soll mindestens tausendmal in den neuen Akten auftauchen.

Auch in Großbritannien schlägt der Fall weiter hohe Wellen: Am Sonntag trat Premierminister Keir Starmers Stabschef Morgan McSweeney zurück. Er erklärte, er übernehme die Verantwortung dafür, Starmer geraten zu haben, Peter Mandelson trotz dessen bekannter Verbindungen zu Epstein zum Botschafter in den USA zu ernennen.

Der US-Investor Epstein soll mehr als tausend Minderjährige und junge Frauen missbraucht und teils an Prominente weitergereicht haben. Er war erstmals 2008 verurteilt worden, weil er minderjährige Mädchen missbraucht hatte. Wegen eines umstrittenen Deals mit der Staatsanwaltschaft erhielt er damals eine nur 18-monatige Haftstrafe.

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